Urdenbach: Pflanzkunst in der Plastikflasche

Urdenbach: Pflanzkunst in der Plastikflasche

Die Urdenbacherin Christin Bosbach hat den Messecup der Internationalen Pflanzenmesse gewonnen. Das Motto lautete "Cool flowers for cool people". Dabei inszenierte die Floristin ein außergewöhnliches Objekt.

Mit einem Sieg hatte Christin Bosbach nicht gerechnet. Und ohne die Unterstützung ihrer Kolleginnen wäre sie nie so weit gekommen, sagt sie. Mit 24 Jahren ist die Floristin mit dem Messecup der Internationalen Pflanzenmesse in Essen ausgezeichnet worden. Dabei war das Thema des Wettbewerbs gar nicht so leicht umzusetzen: Unter dem Motto "Cool flowers for cool people" sollten die Teilnehmer florale Inszenierungen für die jüngere Generation fertigen.

"Ich musste mich erstmal mit dem Thema beschäftigen, bevor ich Ideen sammeln konnte", erzählt Bosbach. In den Disziplinen Gefäßpflanze, Dekopflanze und Strauß erzielte sie in der Summe die höchste Punktzahl und erhielt für ihre Werke ein Preisgeld von 500 Euro und sowie den Wanderpokal der Pflanzenmesse. Der wird bald in den Geschäftsräumen der Gärtnerei Grützner in Urdenbach ausgestellt - dem Betrieb, in dem Christin Bosbach arbeitet. Im vergangenen Jahr hat die junge Floristin ihre Meisterprüfung abgelegt.

Dabei sah es am Anfang gar nicht danach aus, dass sie beruflich einmal so erfolgreich sein würde. Nachdem sie ihren Hauptschulabschluss in der Volkshochschule nachgeholt hatte, wurde sie in einer besonderen Maßnahme der Arbeiterwohlfahrt ausgebildet.

Seit fünf Jahren arbeitet sie nun bei Blumenkunst Grützner und fühlt sich sehr wohl in ihrem Beruf. Als die Ausschreibung für den Wettbewerb am Schwarzen Brett ihres Betriebs hing, war sie aber zunächst skeptisch, ob sie wirklich teilnehmen sollte. Ihre Kolleginnen haben sie letztlich davon überzeugt, doch ihr Glück zu versuchen.

Das war zwei Wochen vor Ende des Wettbewerbs. In nur 14 Tagen hat Christin Bosbach nach ihrem Feierabend und an den Wochenenden an ihren drei Inszenierungen gearbeitet. Ihr Strauß bestand aus einer Variation von Grünpflanzen mit weißen Wachsblumen und Mimosen. Für die Kategorie Gefäßpflanze hat sie einen Blumentopf mit Jeansstoff beklebt und daran alte CDs befestigt.

Besonders stolz ist sie allerdings auf ihre Dekopflanze. Daran hat sie am längsten gearbeitet: Es ist ein Stahlrahmen mit einem Baumstamm in der Mitte und Plastikflaschen mit Farnen bepflanzt, die in dem Stahlrahmen hängen.

"Umweltschutz ist ein Thema in unserer Generation", findet Christin Bosbach. Ihre Meisterschule in Gelsenkirchen lag direkt neben der Arena auf Schalke. Jedes Mal wenn Spiele zu Ende gingen, war das angrenzende Waldstück voll von leeren Plastikflaschen. Dass man daraus Kunst schaffen kann, hat sie mit ihrem Werk nun gezeigt.

Rund 40 Flaschen hat sie verarbeitet. Weil sie allein nicht so viel in der ihr verbliebenen Zeit trinken konnte, haben ihr ihre Kolleginnen beim Flaschen sammeln und -trinken geholfen. Aber auch bei technischen Fragen konnte sie sich immer auf Ratschläge verlassen. Eine von ihnen hat sogar den Baumstamm gestiftet; es ist ein Überbleibsel vom letzten Hochwasser am Rhein. Den Stahlrahmen für das Gerüst hat Bosbach gemeinsam mit ihrem Freund geschweißt und gestrichen. Ihr Werk steht seit der Preisverleihung in der Gärtnerei Grützner und weckt das Interesse vieler Kunden. Christin Bosbach freut es, wenn sie darauf angesprochen wird.

An ihrem Beruf schätzt sie besonders den Umgang mit Menschen und die Beratung. Für dieses Jahr empfiehlt die Floristin übrigens urbane Deko, Betonelemente und Blumen in Pastelltönen. Auch Grünpflanzen liegen voll im Trend. Die mag sie selbst auch sehr gerne.

Durch den Gewinn sei sie selbstsicherer geworden und auch ein wenig stolz auf sich. Mit ihrem Lebensweg will sie zeigen: "Auch mit einem Hauptschulabschluss muss der Weg nicht enden." Sie will Mut machen und als gutes Beispiel vorangehen.

(tms)