Düsseldorf: So feiern die Düsseldorfer den Heiligabend

Düsseldorf: So feiern die Düsseldorfer den Heiligabend

Der 24. Dezember ist für die meisten Menschen in der Landeshauptstadt ein besonderer Tag – doch jeder feiert die Geburt Christi anders. Die RP-Mitarbeiterinnen Julia Brabeck und Laura Ihme haben nachgefragt. Fünf Düsseldorfer schildern ihren Tagesablauf.

Der 24. Dezember ist für die meisten Menschen in der Landeshauptstadt ein besonderer Tag — doch jeder feiert die Geburt Christi anders. Die RP-Mitarbeiterinnen Julia Brabeck und Laura Ihme haben nachgefragt. Fünf Düsseldorfer schildern ihren Tagesablauf.

Ein ganz normaler Arbeitstag

10 Uhr Thomas Gerding frühstückt entspannt mit seiner Frau.
11 Uhr Die Bescherung beginnt. Immer abwechselnd werden die Geschenke überreicht und ausgepackt. "Es ist das erste Mal, dass ich Heiligabend arbeiten muss. Deshalb ist dieses Mal alles anders als sonst." Gerding ist Assistenzarzt in der Kardiologie im Augusta-Krankenhaus und hat den Weihnachtsdienst übernommen, weil seine Kollegen Kinder haben. "Nächstes Jahr bin ich dann auch Vater und habe frei", sagt der 30-Jährige.
12 Uhr Das Ehepaar geht im Grafenberger Wald spazieren und isst hinterher eine Kleinigkeit zu Mittag.
14.30 Uhr Thomas Gerding bringt seine Frau zum Bahnhof, denn diese will den Abend nicht alleine verbringen und fährt zu den Schwiegereltern.
15 Uhr Der Arzt packt seinen Koffer, denn am ersten Weihnachtstag wird er seiner Frau hinterherreisen und eine Woche Urlaub machen. "Anschließend ruhe ich mich noch etwas für den bevorstehenden Dienst aus, lese ein wenig oder schaue einen Film", sagt Gerding.
18 Uhr Der Arzt fährt zur Feuerwache an der Münsterstraße, denn dort steht der Notarztwagen.
19 Uhr Nach der Übergabe beginnt der Zwölf-Stunden-Dienst. "Auf der Wache gibt es ein kleines Buffet. Wenn kein Einsatz ist, sitzen wir dort zusammen und feiern ein wenig." Gerding hofft auf einen ruhigen Dienst.
23 Uhr Sollte es ruhig bleiben, wird Gerding etwas lesen oder Fernsehen schauen.
24 Uhr Wenn er nicht unterwegs ist, wird der Arzt versuchen, ein wenig Schlaf zu bekommen.

Filme, Spiele und leckeres Essen
10 Uhr Manuela Gellenbeck hat zusammen mit Mann Michael und Tochter Melina das Frühstück zubereitet und genießt dieses nun in aller Ruhe. "Wir beginnen den Tag von Heiligabend immer ganz gemütlich und schauen danach zusammen auf dem Sofa einen weihnachtlichen Film an", sagt sie.
12.30 Uhr Gellenbeck schickt ihren Mann und Melina los, noch die letzten frischen Zutaten für das Abendessen zu besorgen. "Ich decke dann den Tisch feierlich ein, denn abends kommen noch meine Eltern, meine Schwiegermutter und Schwester zu Besuch", erzählt sie.
13.30 Uhr Jetzt gilt es, das Abendessen vorzubereiten. "Sonst koche ich immer ein Drei-Gänge-Menü zu Weihnachten, aber diesmal war ich beruflich sehr eingespannt, deshalb gibt es Fondue", sagt die Arzthelferin. Ehemann Michael stößt dazu und hilft mit.
15.30 Uhr Die Familie fährt zur Kirche, wo um 16 Uhr der Gottesdienst beginnt.
17 Uhr Die Messe ist zwar vorbei, noch dauert es aber etwas, bis sich die Familie auf den Heimweg macht. "An Heiligabend trifft man so viele Menschen in der Kirche, die man lange nicht gesehen hat. Denen will man dann auch ein frohes Fest wünschen."
18 Uhr Die gesamte Familie ist zu Hause angekommen. "Wir stoßen dann mit Sekt an, ich hole die Gitarre heraus und dann werden einige Weihnachtslieder gesungen, bevor die Bescherung losgeht", sagt die 45-Jährige.
19.30 Uhr Das Abendessen beginnt und die Familie sitzt am Tisch, unterhält sich oder spielt gemeinsam etwas. "Wenn Melina ein neues Spiel bekommen hat, probieren wir das aus, oder wir spielen ein Kartenspiel."

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Ein Gottesdienst nach dem anderen
9 Uhr Nach dem Frühstück zieht sich Pfarrer Alfred Geibel mit seiner Frau in sein Arbeitszimmer zurück, um noch einmal in Ruhe über die Vorbereitungen für die Gottesdienste zu schauen. Dieser Tag ist für ihn der anstrengendste im Jahr, denn vier sehr unterschiedliche Gottesdienste wird er heute feiern. "Ich freue mich besonders über die Freude der Menschen an diesem Tag", sagt er.
13 Uhr Geibel verlässt sein Haus und fährt zum Johannes-Höver-Haus, einem Seniorenheim, wo der erste Gottesdienst um 14 Uhr beginnt. "Ich hoffe, dass auch die Demenzkranken, und sei es nur für einen kurzen Augenblick, dabei ein schönes Gefühl mitnehmen."
15.30 Uhr In der Trinitatiskirche beginnt die Familien-Christvesper. Dafür hat der Pfarrer mit rund 20 Kindern ein Krippenspiel einstudiert. Nach dem Familiengottesdienst geht Alfred Geibel noch rasch nach Hause, wo er die Unterlagen für den nächsten Gottesdienst — in der Melanchthonkirche — holt.
17.30 Uhr Die Christvesper in der Melanchthonkirche wird gefeiert.
19.30 Uhr Zu Hause wird Alfred Geibel schon von seiner Frau, den Kindern und den Großeltern erwartet. Gemeinsam wird gegessen. "Ich habe keine Ahnung, was es zu Essen geben wird, weil ich so viel um die Ohren habe", sagt er. Deshalb wird er sich auch nach der Bescherung gleich wieder zurückziehen, um sich für den nächsten Gottesdienst zu sammeln, der wieder in Melanchthon gefeiert wird.
23 Uhr Der letzte Gottesdienst des Tages, der meditativ gestaltet wird, beginnt.
24 Uhr Pfarrer Geibel fährt nach Hause. Am nächsten Tag muss er nicht arbeiten.

Lampenfieber beim Krippenspiel
7 Uhr Leni ist eine Frühaufsteherin und wie immer schon wach. Sie schaut etwas Fernsehen, bevor sie ihren Vater und die Schwester aufweckt. "Bei Mama ist das nicht nötig. Die steht auch immer früh auf", sagt die Siebenjährige. 8.30 Uhr Lenis Vater hat Brötchen geholt und alle frühstücken gemeinsam.
10 Uhr Wie in jedem Jahr fährt die ganze Familie nach Oberkassel, um für das Abendessen italienische Spezialitäten einzukaufen. "Dazu gehören Wurst, Käse und Tintenfische", erklärt Leni.
12 Uhr Der Tannenbaum wird aufgestellt. Leni darf beim Schmücken helfen — schließlich macht das viel Spaß.
14.30 Uhr Nach dem Mittagessen macht sich Leni "fein". "Ich werde mein Lieblingskleid anziehen und mir einen Pferdeschwanz frisieren", erklärt die Grundschülerin. Dann macht sich die Familie auf in die Kirche, denn Leni macht beim Krippenspiel mit. "Endlich habe ich eine richtige Rolle mit Text", sagt Leni stolz. Für sie ist das Krippenspiel der wichtigste Teil des Tages. "Ich trete nämlich sehr gerne auf."
17 Uhr Leni ist wieder zu Hause, muss allerdings vor der Wohnzimmertür ausharren. "Weil Mama die Kerzen anmacht und dem Christkind hilft, die Geschenke zu schleppen", erklärt sie. Bevor die Pakete aber geöffnet werden dürfen, werden noch Weihnachtslieder vorgespielt.
19 Uhr Alle essen gemeinsam, was sie morgens eingekauft haben. 20 Uhr Die Nachbarn werden besucht. "Die haben uns bisher immer ganz tolle Sachen geschenkt und sind total nett", sagt Leni vergnügt.
21 Uhr Jetzt dürfen noch die neuen Spielsachen ausprobiert oder aufgebaut werden.

Fest ohne Weihnachtsbaum
9 Uhr
Markus Mahkorn steht auf. Im Moment schläft der Obdachlose unter einer Brücke in Heerdt. Normalerweise steht er später auf, "aber an Heiligabend haben die Geschäfte nicht so lange geöffnet, und ich muss die Pfandflaschen, die ich gesammelt habe, wegbringen", sagt er.
12 Uhr Zu Fuß hat der 41-Jährige den Weg aus dem Linksrheinischen bis in die Altstadt zurückgelegt und verbringt nun ein paar Stunden in der Tagesstätte "Shelter" der Diakonie. "Dort bringt mir immer jemand die Zeitung mit, ich lese, löse Kreuzworträtsel und esse etwas", sagt er. Die Tagesstätte für wohnungslose Menschen ist fast jeden Tag im Jahr geöffnet — immer bis 18 Uhr. "Nur an Karneval ist der Laden dicht."
15 Uhr Mit ein paar Bekannten macht sich Markus Mahkorn auf den Weg zur Rheinterrasse. Seit drei Jahren besucht er dort an Heiligabend die Weihnachtsfeier für alleinstehende Männer, die vom Christlichen Verein Junger Menschen (CVJM) Düsseldorf organisiert wird.
16 Uhr Das Programm bei der Feier beginnt. "Meist wird gesungen und ein Weihnachtsspiel wird aufgeführt. Außerdem gibt es etwas zu essen, zum Beispiel einen Braten mit Rotkohl und Klößen", sagt Mahkorn. Am Ende bekommt jeder eine Tüte mit Lebensmitteln und Süßigkeiten geschenkt. "Ein paar Sachen verschenke ich. Kaffeepulver zum Beispiel. Das brauche ich nicht."
20 Uhr Die Feier ist vorbei. Markus Mahkorn und seine Bekannten gehen zurück in die Stadt. Gemeinsam sitzen sie noch ein wenig beisammen, dann geht jeder seiner Wege. Was er von Weihnachten hält? "Ich finde es schade, dass die Menschen den Sinn des Festes vergessen haben. Es geht nur noch um Geschenke."

Hier geht es zur Bilderstrecke: Fünf Düsseldorfer schildern ihren Tagesablauf an Heilig Abend

(ila)
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