Kinderschutzbund Düsseldorf: Pubertät: Mehr Hilfe für Eltern

Kinderschutzbund Düsseldorf : Pubertät: Mehr Hilfe für Eltern

Der Kinderschutzbund Düsseldorf bietet genervten Müttern und Vätern einen Kurs: "Aufbruch, Umbruch, kein Zusammenbruch" – und rät zu mehr Gelassenheit. Die Kinder ihre eigenen Wege gehen zu lassen, ist mitunter nicht ganz schmerzfrei.

Der Kinderschutzbund Düsseldorf bietet genervten Müttern und Vätern einen Kurs: "Aufbruch, Umbruch, kein Zusammenbruch" — und rät zu mehr Gelassenheit. Die Kinder ihre eigenen Wege gehen zu lassen, ist mitunter nicht ganz schmerzfrei.

Sie können sich genau an dieses Gefühl der Ohnmacht erinnern. Aber wie reagiert man auf seinen 13-jährigen Sohn, der außer sich vor Wut Türen knallt und alles, was ihm in die Hände gerät, in die nächste Ecke schmettert? "Wir fühlten uns ziemlich hilflos", meint Dorothee Krümmel — und ihr Mann Norbert nickt. Ihre Ratlosigkeit hat einen Namen: Pubertät. Das genervte Ehepaar suchte schließlich Hilfe beim Kinderschutzbund, der regelmäßig Elternkurse anbietet: "Aufbruch, Umbruch, kein Zusammenbruch."

Kaum eine Familie bleibt verschont: Kinder, die gestern noch liebevolle Familienmitglieder waren, sind plötzlich aufmüpfig, kommen ständig zu spät nach Hause, haben keine Lust auf Schularbeiten, reagieren auf Verbote oder Taschengeldentzug mit einem schnippischen "Du kannst mich mal." Und dann schleppen sie auch noch diese merkwürdigen Freunde an, die ihre Eltern überhaupt nicht leiden können. Was macht man dann? "Gelassen bleiben", rät Tillmann Schrörs, erprobter Vater, Elterntrainer und Therapeut, der zum Team gehört, das die Elternkurse leitet. "Fertige Rezepte liefern wir allerdings nicht", stellt er klar. Was er zunächst erreichen will, fasst er in einem Satz zusammen: "Den Blickwinkel der Eltern auf ihre Kinder zu verändern."

Wie hilfreich das ist, bestätigen Dorothee und Norbert Krümmel: "Mitten in einem Konflikt sieht ja nur noch das Negative. Aber wenn man die positive Brille aufsetzt, erkennt man, wie selbstständig der Sohn schon ist und welche Energie und Kraft er ausstrahlt." Diese positive Sicht, sie ist auch nach dem Kurs geblieben. Ebenso die Erkenntnis: Was nützt es, wenn man Grenzen setzt, die nicht akzeptiert werden? Wenn Computerverbote umgangen werden, das Handy beim Abendessen nicht abgeschaltet wird?

"Wir haben gelernt, dass wir Vorbild sein sollten, statt ständig zu meckern", meint Dorothee Krümmel, also geht auch sie jetzt nicht mehr ans Telefon, wenn es während der Mahlzeiten klingelt. Außerdem werden nun die Regeln in der Familie gemeinsam vereinbart und jeder erklärt, was für ihn machbar ist - und was nicht.

Nicht gleich in Panik zu verfallen, mehr Vertrauen zu den Kindern zu haben, dazu rät auch Elterntrainer Tilmann Schrörs. "Kinder haben während der Pubertät neue Bedürfnisse, die sie zwar spüren, aber noch nicht ausdrücken können." Und so würden sie ihre Eltern als eine Art Sparrings-Partner sehen, an denen sie ihre Kräfte messen können. Davon sollte man sich nicht blenden lassen, sondern die Unsicherheit sehen, die hinter dieser Kratzbürstigkeit steckt. "Auch wenn es schwierig wird, ich halte nichts von Strafen - und Einsperren ist gar kein Ausweg."

Rückblickend meinen Dorothee und Norbert Krümmel: "Ermutigend an dem Kurs war, dass wir begriffen haben, alle in einer ähnlichen Situation zu sein. Und dass wir viel miteinander gelacht haben." Auch an die eigene Jugend haben sie sich erinnert. Norbert Krümmel: "Ich habe meine Mutter gefragt, wie ich denn während der Pubertät war. Du warst die schlimmste Nervensäge, hat sie geantwortet."

Der Kurs habe ihnen geholfen, heute mit ihrem Sohn anders umzugehen. Außerdem habe auch er sehr wohl registriert, dass seine Eltern jede Woche Zeit investieren, damit sich die Knoten lösen. "Darüber hat er schon nachgedacht." Jedenfalls sei bei ihrem zweiten, jüngeren Sohn die Pubertät nun kein großes Thema, "aber der hat auch ein anderes Naturell." Mit einer Tatsache müssen sich Eltern in jedem Fall bewusst sein: Die Pubertät ihrer Kinder ist vor allem ein Ablösungsprozess. Tillmann Schrörs: "Es wird ihnen bewusst, dass sie ihre Kinder gehen lassen müssen - und dieser Abschied ist nun mal nicht schmerzfrei."

(RP)