Düsseldorf: Mode-Branche bereitet sich auf Messen vor

Wirtschaft in Düsseldorf: Mode-Branche soll mehr kooperieren

Am 21. Juli beginnen die Modemessen, doch die sich wandelnden Rahmenbedingungen stellen den Wirtschaftszweig vor große Herausforderungen. Der Verein Fashion Net fordert mehr Engagement.

Die Mode-Branche in Düsseldorf hofft für die CPD-Ordertage vom 21. bis 23. Juli auf gute Geschäfte trotz schwieriger Rahmenbedingungen. Der Modehandel hat angesichts geänderten Kundenverhaltens zu kämpfen – das beeinflusst auch die Einkäufer, wenn sie in Düsseldorf die nächsten Kollektionen bestellen. Der Düsseldorfer Verein Fashion Net fordert, dass sich noch mehr Unternehmen zusammenschließen, um den Standort zu stärken. Die Branche setzt in Düsseldorf rund 18 Milliarden Euro im Jahr um und ist damit ein starker Wirtschaftsfaktor. Zudem wirbt die Stadt international mit ihrem Ruf als Mode-Zentrum.

„Wir bräuchten noch viel mehr Rückhalt“, sagt die Geschäftsführerin von Fashion Net, Angelika Firnrohr. So hat der von der städtischen Wirtschaftsförderung unterstützte Verein, der sich unter anderem um die Vernetzung der Branche kümmert, gerade 65 Mitglieder. Darunter sind die großen Messen Gallery (veranstaltet von der Düsseldorfer Igedo) und Supreme (Munich Fashion Company) sowie einige große Hersteller. Angesichts von rund 800 Showrooms in der Stadt (plus zahlreiche andere Akteure) sei das aber zu wenig.

Der von Fashion Net organisierte Shuttle-Verkehr für die Einkäufer wird bei den Ordertagen trotzdem auch den Hafen ansteuern, obwohl es unter den Showrooms und Agenturen dort kaum zahlende Mitglieder gibt. „Wir waren da früher kleinlicher, aber wir haben jetzt entschieden, dass wir größer denken müssen“, sagt Firnrohr. Als weiteren Service bietet der Verein seit einiger Zeit eine App an, die die Besucher in Düsseldorf leiten soll: Heruntergeladen wurde sie aber noch nicht so oft, dass man beim Verein zufrieden wäre.

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Auch vom Handel könnte sich Firnrohr mehr Engagement vorstellen, auch wenn Endkunden bei den Ordermessen keinen Zutritt haben: „Nach dem Wegfall der Vogue Fashion’s Night wäre es natürlich schön, wenn in dieser Richtung etwas Neues käme. Aber auch da ist immer die Frage, wer es bezahlt.“ Das Aus des Einkaufs-Events war kürzlich sogar Thema im Wirtschaftsausschuss. Immerhin steht der Modehandel mit den Edel-Geschäften an der Kö für das Image als Modestadt. Einen Ersatz zu finden, sei wünschenswert, hatte es die Vorsitzende Monika Lehmhaus (FDP) formuliert.

Die Herausforderungen der Modewirtschaft aber seien eben nicht auf Düsselorf beschränkt, wie Tanja Edelhoff von der Modeagentur Edelhoff anmerkt: „Die Veränderungen betreffen die ganze Branche, von Mailand bis New York. Man hat sich zu lange zurückgelehnt und nicht gesehen, wie schnell sich vieles ändert.“ So haben die stationären Händler weiter mit der wachsenden Konkurrenz des Online-Handels zu kämpfen. Durch die Vertikalen“ – also Unternehmen wie H & M oder Inditex (Zara), die ihre Marken in eigenen Filialen vertreiben – wurde das Geschäft zudem schneller: Die Kollektionen wechseln in großen Ketten nach wenigen Wochen, das Ordern im Halbjahres-Rhythmus verliert an Bedeutung. Nicht zuletzt haben sich die Kommunikationswege verändert. Blogger und andere Influencer setzen die Trends und bestimmen die Richtung.

Die Order-Messen sehen sich nach eigenem Bekunden aber auch in diesem Spannungsfeld gut aufgestellt. So hat die Gallery seit ihrem Umzug auf das Böhler-Gelände guten Zuspruch erfahren und ihr Konzept nun neu geordnet. Man könne mehr als 800 Marken präsentieren: „Damit haben wir nicht nur am Standort Düsseldorf, sondern auch als deutsche Messe generell wieder stark aufgeholt“, sagt Gallery-Chefin Ulrike Kähler. Auch Bastian Ammelounx (La Martina) sieht die Stadt gegenüber dem großen Konkurrenten Berlin noch immer gut positioniert: „Dort hat man viele auf der Messe getroffen, die dann gesagt haben: Wir sehen uns demnächst in Düsseldorf.“

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