Bernd Kurt Fleischmann: Das Herz mit neuen Therapien heilen

Bernd Kurt Fleischmann: Das Herz mit neuen Therapien heilen

Kann ein krankes Herz nach einem Infarkt durch körpereigene Stammzellen repariert werden? Der Physiologe Bernd Kurt Fleischmann, Professor an der Uni Bonn, wird heute Abend zum Auftakt eines internationalen Symposiums einen Vortrag über neue Therapie-Möglichkeiten halten (Start ist um 19 Uhr im Haus der Universität, Schadowplatz 14).

Vor 16 Jahren wurde in einem kühnen Experiment an der Uni Düsseldorf erstmals ein Patient nach einem Herzinfarkt mit eigenen Stammzellen behandelt. Später wurden Erfolg und Rechtmäßigkeit angezweifelt, ein Disziplinarverfahren gegen den Klinikchef veranlasst. Waren die Hoffnungen von einst berechtigt?

Fleischmann Das Thema wird bis heute von der Fachwelt kontrovers diskutiert. Damals glaubte man, dass sich Stammzellen aus dem Knochenmark ins kranke Herz transportieren lassen und dort zu Herzmuskelzellen werden. Heute wissen wir, dass dies nicht der Fall ist. Eventuell können die körpereigenen Stammzellen trotzdem eine positive Wirkung zeigen, aber die Effekte gehen nicht so weit, wie man damals glaubte. Außerdem stammten die Ergebnisse aus der Beobachtung von Einzelfällen, klinische Studien aber zeigen widersprüchliche Ergebnisse.

Wie sieht dieser positive Effekt aus?

Fleischmann Vermutlich ist es so, dass durch die Knochenmarkzellen mehr Blutgefäße im kranken Herzen gebildet werden. Und dass Herzzellen, die noch zwischen Überleben und Untergang in der Schwebe sind, durch Stammzellen stimuliert werden.

Welchen Stammzellen trauen Sie heute das größte Potenzial zu?

Fleischmann Es gibt spannende Befunde mit induzierten Stammzellen, 2012 wurde für diese bahnbrechende Entdeckung der Nobelpreis für Medizin verliehen. Diese Stammzellen können aus jeder Körperzelle wie Blut- oder Hautzellen durch die Zugabe eines Cocktails, bestehend aus nur vier Substanzen, gewonnen werden. Sie werden zurück programmiert auf einen Urzustand, so dass sie dann wie embryonale Stammzellen jeden der über 200 Zelltypen des Menschen bilden können - auch Herzmuskelzellen.

Wie weit ist die Forschung inzwischen bei der Behandlung eines Herzinfarkts?

Fleischmann Bei schweren Herzinfarkten bleibt häufig eine große Narbe zurück, die die Arbeit des Herzens stark beeinträchtigen kann. An diesem Thema arbeiten Wissenschaftler weltweit. Wir haben im Experiment nachgewiesen, dass induzierte Stammzellen tatsächlich Alleskönner sind, die sich zu Herzmuskelzellen entwickeln und dazu beitragen, das geschädigte Herz zu regenerieren und die verminderte Pumpfunktion zu verbessern. Allerdings gehen rund 95 Prozent der Zellen mit der Zeit verloren, deshalb arbeiten wir mithilfe von medizinischer Nanotechnik nun an verbesserten Möglichkeiten, die Zellen im Herzen anwachsen zu lassen.

(RP)