Marcel Preukschat: "Eltern haben Verständnis für Streik"

Marcel Preukschat: "Eltern haben Verständnis für Streik"

Der Vorsitzende des Landeselternbeirats zur Fortsetzung des Kita-Streiks.

Herr Preukschat, der Streik soll laut Verdi nächste Woche weitergehen. Was sagt der Landeselternbeirat der Kindertagesstätten dazu?

Preukschat Im Vergleich zum Streik des Jahres 2009 läuft es derzeit - auch wegen der eingerichteten Notgruppen - noch recht gut. Die Kommunen konnten sich auf die Situation vorbereiten. Manche Eltern sind zwar richtig verärgert, aber die meisten haben Verständnis für den Wunsch der Erzieherinnen nach Aufwertung ihrer Arbeit. Von ihnen wird ja immer mehr - Stichwort Sprachbildung, Dokumentation, Inklusion - erwartet. Noch ist die Grundstimmung solidarisch.

Sie meinen, dass sich das Blatt bald wenden könnte?

Preukschat Das ist jedenfalls unsere Befürchtung. Viele Mütter und Väter schaffen es zwar, ein oder zwei Streikwochen zu überbrücken und eine andere Art der Betreuung zu organisieren. Entweder springen die Großeltern ein, oder es wird ein Teil des Jahresurlaubs in Anspruch genommen. Aber ab drei Wochen wird es allmählich unangenehm. Dann leiden die Eltern und Kinder so richtig unter den Streikfolgen.

Das bedeutet ...?

Preukschat ... dass die Eltern dann wohl kein Verständnis mehr aufbringen, wenn die Kitas geschlossen bleiben. Dann fragt auch kaum noch jemand nach den Gründen.

Es muss schnell eine Lösung her?

Preukschat So ist es. Aber im Moment zeichnet sich gar nichts ab. Die Städte zeigen auf das Land, das Land wiederum zeigt auf den Bund. Keiner will den Geldbeutel aufmachen. Die Politiker betonen zwar, dass die Aufwertung des Erzieherberufes richtig sei, doch in Wirklichkeit passiert nichts. Ich kann jedenfalls nicht feststellen, dass sich in den letzten anderthalb Wochen irgendetwas bewegt hat.

Das nordrhein-westfälische Familienministerium verweist auf seine Neutralität bei diesem Konflikt.

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Preukschat Ich wünschte mir dennoch, dass sich das Ministerium konkreter äußert als bisher. Die Politik muss sich hier einschalten.

Wie wäre es mit einem Schlichter?

Preukschat Wenn bis Mitte Juni tatsächlich immer noch keine Einigung erzielt sein sollte, müsste man darüber nachdenken.

Wer käme infrage?

Preukschat Darüber habe ich noch nicht nachgedacht.

Eine Einigung zwischen den Kommunen und den Gewerkschaften wird auf alle Fälle Geld kosten. Droht dann eine Aufstockung der Elternbeiträge?

Preukschat Es darf auf keinen Fall passieren, dass die Aufwertungskampagne auf die Eltern abgewälzt wird. Im Gegenteil: Wir sind der Meinung, dass Bildung kostenfrei sein muss und der Kita-Besuch beitragsfrei wird.

DETLEV HÜWEL STELLTE DIE FRAGEN.

(RP)
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