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Tierschutz - Zerstörung von Schwalbennest kann bis zu 50.000 Euro kosten

Flugakrobaten kehren aus Afrika zurück : Zerstörung von Schwalbennest kann bis zu 50.000 Euro kosten

Sie gelten als echte Flugkünstler: Schwalben haben sich an den Menschen gewöhnt, gleichwohl sind sie gefährdet. Ende März kehren sie aus ihren Winterquartieren zurück. Wir haben zusammengefasst, wie Sie den Vögeln helfen können und warum ihre Nester nicht zerstört werden sollten.

Sie gelten als Glücks- und Frühlingsboten: Ende März kehren die Schwalben aus ihren Winterquartieren zurück. Nach einer 4000 Kilometer langen Reise aus Afrika südlich der Sahara verbringen Mehl-, Rauch- und Uferschwalben dann die warme Jahreszeit wieder in Europa. Der Naturschutzbund NABU ruft deshalb dazu auf, die gefährdete Vogelart zu schützen und für ausreichende Brut- und Nahrungsmöglichkeiten zu sorgen.

Kaum ein Vogel hat eine so enge Beziehung zum Menschen wie die Schwalben. Jahrhunderte lang gehörten sie ganz selbstverständlich in jedes Dorf, auf jeden Bauernhof. Schwalben, die an ihre alten Niststandorte zurückkehren und brutplatztreue Vögel sind, haben sich als Kulturfolger an eine vom Menschen geprägte Umgebung angepasst. Sie tauschten ihre ursprünglichen Brutplätze an felsigen Steilküsten gegen einen Platz im Stall oder an der Hauswand ein. Als einer der wenigen Vögel kommen sie sogar zu den Menschen ins Haus.

Deshalb haben die zwitschernden Flugakrobaten auch ihre Spuren in der Kulturgeschichte hinterlassen: Im Mittelalter galten die Schwalben als Licht- und Hoffnungsvögel, die rund um den katholischen Gedenktag Mariä Verkündigung am 25. März auftauchen und quasi den Frühling mitbringen. Weil sie sich meist um den Festtag "Mariä Geburt" am 8. September - "An Mariä Geburt fliegen die Schwalben furt", heißt es in alten Bauernregeln - wieder auf den Weg nach Afrika machen, wurden die Zugvögel auch Muttergottesvogel genannt.

Schwalben, die bis zu 20 Meter pro Sekunde fliegen, kommen in vielen Liedern, Gedichten und Sprichwörtern - Eine Schwalbe macht noch keinen Sommer - vor. Fußballspieler, die sich besonders theatralisch fallen lassen, werden einer "Schwalbe" bezichtigt - weil die Vögel ebenfalls häufig elegant in Bodennähe segeln.

Doch die Gemeinschaft zwischen Schwalbe und Mensch ist mancherorts derzeit in Auflösung begriffen. Mehl-, Rauch- und Uferschwalben werden als gefährdet eingestuft. Laut NABU gibt es derzeit in Deutschland jeweils rund 700.000 Brutpaare bei den Rauchschwalben und Mehlschwalben - nur noch halb so viele wie vor 30 Jahren. Die Mehlschwalbe ist gefährdet, die Rauchschwalbe steht auf der Vorwarnliste der Roten Liste.

Die Gründe: ein geringer werdendes Nahrungsangebot durch abnehmende Insektenzahlen und Trockenheit im Winterquartier durch die Klimakrise. Außerdem gibt es hierzulande immer weniger Nistmöglichkeiten. "Grund dafür ist die Zerstörung und Entfernung von Schwalbennestern, weil diesen in einer auf Sauberkeit und Sterilität tendierenden Gesellschaft keine Daseinsberechtigung mehr eingeräumt wird", klagt der NABU. Es fehle an Ställen oder Hallen, in denen die Flugakrobaten nisten könnten. Moderne Reithallen und Stallungen seien oft so hermetisch abgedichtet, dass eine Schwalbe keinerlei Unterschlupf findet.

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Auch an Privathäusern gibt es kaum noch brütende Schwalben: Vielerorts würden Nester wegen Dreck und Kot einfach abgeschlagen. "Viele Menschen wissen gar nicht, dass dies nach dem Bundesnaturschutzgesetz streng verboten ist", so der NABU. "Wer dies trotzdem tut, kann mit einem Bußgeld von bis zu 50.000 Euro rechnen."

Auch trockene Sommer, in denen nicht genügend feuchtes Baumaterial zur Verfügung steht, bedeuten ein hohes Risiko - insbesondere für die Brut. Denn wenn die Nester nicht ausreichend fest angebracht werden können, drohen sie bei zunehmender Größe der Küken abzufallen. Vogelschützer empfehlen, Lehmpfützen den ganzen Sommer über feucht zu halten.

Um positive Zeichen zu setzen, hat der NABU die Aktion "Schwalben willkommen" ins Leben gerufen. Hausbesitzer, die Schwalben Lebens- und Brutraum gewähren, können mit der Plakette "Schwalbenfreundliches Haus" auf sich aufmerksam machen. Immer mehr Menschen engagieren sich nach Angaben der Naturschützer auf diese Weise – 2021 waren es fast 2000. Seit Start des bundesweiten Projektes 2017 gab über 8300 Bewerbungen bei der Koordinationsstelle des NABU. "Das ist auch ein Beitrag dazu, dass sich die Bestände beider Arten in den letzten zehn Jahren stabilisiert haben, wenn auch auf niedrigem Niveau", sagt NABU-Vogelschutzexperte Martin Rümmler.

(felt/kna)