Insektenhotel: Wie man einen Lebensraum für nützliche Insekten schafft

Insekten : Ein Insektenhotel selbst bauen

In Gärten oder auf dem heimischen Balkon sieht man sie immer häufiger – dekorative Nisthilfen für Insekten. Hier finden beispielsweise Wildbienen komfortable Unterschlupfmöglichkeiten.

Ursprünglich gab es in der Natur ausreichend Blütenbestäuber, wie Wildbienen oder Hummeln. Intensive Flächennutzung, Schädlingsbekämpfung und eintönige Monokulturen lassen den Lebensraum für heimische Insektenarten jedoch schrumpfen. Gartenbesitzer können helfen, indem sie beispielsweise in einer Ecke altes Holz vermodern oder Stauden und Gehölze im Winter stehen lassen. Hobbybastler bauen den Tieren mit einem Insektenhotel eine Nisthilfe.

Aus stabilen Holzbrettern wird zunächst der grobe Rahmen des Hauses gezimmert und dann die einzelnen Fächer der Unterkunft geleimt oder verschraubt. Anschließend wird das Giebelbrett für den Insekten-Dachboden an die Schräge angepasst und das Dach aus Lärchen-, Douglasien oder Eichenbrettern angebracht. Als Rückwand bietet sich ein übrig gebliebenes Stück Spanplatte an, das aber auf jeden Fall für den Außenbereich geeignet sein sollte. Nun ähnelt das Hotel einem Setzkasten und es wird Zeit, die einzelnen Zimmer auszustatten. Dabei sollten Bastler auf die Ansprüche der Wildbienen eingehen. Währen die Rote Mauerbiene wenig wählerisch ist und sich gern in Ziegelsteinen oder Holzlöchern einquartiert, leben Löcher- und Maskenbienen gern in angebohrten Holzklötzen. Andere Arten bevorzugen markhaltige Stängel oder morsches Holz.

In jedes Bienenquartier gehören Äste und Holz mit entsprechenden Bohrlöchern. „Das Holz muss auf jeden Fall abgelagert sein“, rät Daniela Franzisi, Insektenexpertin beim NABU. „Frisches Holz arbeitet noch und würde Risse bekommen.“ Solche Bohrlöcher nehmen die empfindlichen Wildbienen jedoch nicht an. Die Tiere meiden Zugluft, außerdem kann eintretende Feuchtigkeit für Schimmel sorgen. „Aus dem gleichen Grund sind Glasröhrchen ungeeignet, sie können verpilzen“, warnt Franzisi. Besser sind beispielsweise Rundhölzer, aber auch getrocknetes Laubholz oder zugeschnittene Holzklötze. Die Bohrungen sollten unterschiedliche Größen zwischen drei und acht Millimetern haben. So bieten sie verschiedenen Bienen den passenden Nistplatz. Ganz wichtig: Der Eingang muss abgeschmirgelt sein, da die Tiere sonst Verletzungen an den Flügeln erleiden können. „Das Holz darf nicht vollständig durchgebohrt werden“, betont die Insektenexpertin. „Die Bienen brauchen eine Schutzwand. Sie legen ihre Kammern hintereinander an.“

Ein Insektenhotel kann man selbst bauen. Foto: Getty Images/iStockphoto/ricochet64

Bestimmte Wildbienenarten nisten lieber in Pflanzenstängeln. Daher können in einigen „Zimmern“ des Hotels auch Schilfhalme oder Bambusstäbe mit der Öffnung nach vorn ausgerichtet platziert werden. Damit Vögel die Zweige nicht herausziehen können, müssen diese fixiert werden. Bei der Auswahl der Stängel sollte, Bienenfreunde genau hinsehen. Zwischen der vorderen Öffnung und dem ersten Halmknoten müssen mindestens acht Zentimeter liegen, sonst haben die Insekten nicht ausreichend Platz. Wer mag, kann auch in einen Tonklotz entsprechende Löcher eindrücken. Weniger sinnvoll sind hingegen Räume mit Tannenzapfen, die sich hinter einem Gitter befinden. „Das ist für Bienen nicht interessant, hier fühlen sich eher Spinnen wohl“, weiß Daniela Franzisi. „Allerdings ist es ungünstig, die beiden Tierarten unter einem Dach beheimaten zu wollen.“ Ebenso verhält es sich mit Ohrwürmern. Sie bevölkern eventuell vorhandene Stroh-Zimmer im Insektenhotel. Für die Allesfresser sind allerdings die Bienenlarven ein interessanter Leckerbissen. Besser ist es daher, sich beim Bau des Hotels auf Wildbienen zu konzentrieren und entsprechende Nistmöglichkeiten zu bieten.

Oftmals wird der richtige Standort unterschätzt. „Das Insektenhotel sollte nach Süden ausgerichtet sein, da die Tiere für ihre Entwicklung die Sonnenwärme brauchen“, erklärt Franzisi. „Im Schatten dauert es zu lange, bis sich die Insekten entwickeln.“ Generell sollte das Hotel geschützt stehen, damit es keine Probleme mit Feuchtigkeit gibt. Wichtig ist zudem ein reichhaltiges Nahrungsangebot in der Nähe der Nisthilfe. „Ein Hotel ohne heimische Pflanzen in der Nähe wird kaum angenommen“, weiß die Expertin. „Denn die Tiere brauchen Nahrung für sich und die junge Brut.“

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