Influenza: 6.251 Grippe-Infektionen in einer Woche

Viele Neuerkrankungen : Die Grippewelle rollt über Deutschland

Husten, Halsschmerzen, Fieber! Wer nicht selbst betroffen ist, der kennt jemanden, der gerade mit der Grippe kämpft. Grund ist ein extremer Anstieg der Neuerkrankungen. Die wirklich schlechte Nachricht: Der Höhepunkt des Ausbruchs steht noch bevor.

"Stark erhöhte Influenza-Aktivität", meldet die Arbeitsgemeinschaft Influenza (AGI) des Robert Koch-Instituts (RKI) in ihrem jüngsten Wochenbericht bundesweit. Die dazugehörigen Landeskarten zeigen, wie die Fälle von Grippeerkrankungen seit Mitte Januar Woche für Woche gestiegen sind. Insbesondere für die Woche vom 7. bis 13. Februar ist eine hohe Aktivität zu verzeichnen. Das gilt auch für die akuten Atemwegserkrankungen so der Wochenbericht der AGI.

Allein in der siebten Kalenderwoche sind dem RKI demnach insgesamt 6251 Grippefälle gemeldet worden. In der sechsten Kalenderwoche waren es etwa 4563 Fälle. Ohne Berücksichtigung der Fälle, die nicht im Labor bestätigt wurden, gibt es somit bislang 18.346 Grippefälle in dieser Saison. Besonders betroffen sind vor allem die südlichen Gebiete Deutschlands.

"Das ist eine Entwicklung, die wir relativ oft verzeichnen", sagt Professor Gérard Krause, Leiter der Abteilung für Infektions-Epidemiologie am Helmholtz Zentrum für Infektionsforschung. "Grippewellen breiten sich oft von Süden über den Westen in Richtung Norden aus", erklärt er weiter. Gründe dafür seien bestimmte Ballungszentren von denen aus sich die Viren verbreiten.

Wie das Kartenmaterial des RKI zeigt, ist Nordrhein-Westfalen derzeit im Vergleich zum Süden Deutschlands noch nicht übermäßig belastet. Ob sich das noch ändert, bleibt abzuwarten. Wegen der Grippewelle gibt es allerdings derzeit in Nordrhein-Westfalen zu wenige Blutspenden. "Ein Viertel weniger Freiwillige als normal spenden momentan durch Erkältungen und Grippeerkrankungen ihr Blut", sagte Heinz Kapschak, Pressesprecher vom Blutspendedienst West des Deutschen Roten Kreuzes.

Da die Grippesaison von der 40. Kalenderwoche eines Jahres bis zur 15 Kalenderwoche des Folgejahres andauert, stehen noch einige Wochen aus, in denen die Infektionsgefahr besonders hoch ist. Das gilt dieses Jahr insbesondere "da der Gipfel der Infektionskurve noch nicht erreicht ist", sagt Professor Krause. "So lange die Kurve keinen Knick nach unten macht, können wir keine Entwarnung geben. Zugleich ist es aber auch schwierig eine Prognose darüber abzugeben, wie sie sich entwickeln wird", so der Experte.

Das größte Problem sieht der Infektiologe nicht in der Grippe-Erkrankung selbst, sondern in der Versorgung. "Wenn eine Grippewelle spontan sehr stark ansteigt, bedeutet das auch, dass in Praxen, Kliniken und Notaufnahmen plötzlich sehr viele Kranke auftauchen, die behandelt werden müssen." Das erhöhe die Gefahr von Versorgungsengpässen aus Platz- und Personalgründen. Da auch die medizinischen Mitarbeiter erkranken können.

Aus diesem Grund rät Professor Krause insbesondere medizinischem Personal, aber auch Menschen, die privat eine andere Person pflegen auch jetzt noch zur Grippeimpfung. "Wer zur Risikogruppe gehört, und noch keine Grippe ausgebrütet hat, der sollte sich auch jetzt noch impfen lassen", so der Experte. Zur Risikogruppe gehören Kinder und Erwachsene mit Vorerkrankungen, medizinisches Personal und ältere Menschen auch ohne Vorerkrankungen.

Auch wenn die Aufregung jetzt groß ist, für wirklich ungewöhnlich oder alarmierend hält der Infektiologe die aktuellen Daten nicht. "Es ist eigentlich nichts ungewöhnliches, dass es auch später in der Saison noch zu einem Anstieg der Influenza-Fälle kommt. Es ist sogar eher eine relativ neue Entwicklung, dass Grippewellen schon frühzeitig in Herbst oder Winter beginnen."

Ähnlich sieht der Experte die Kritik, die derzeit immer wieder über den diesjährigen Grippeimpfstoff laut wird. Das Serum deckt zwei Drittel der Influenza-A-Viren, die derzeit kursieren nicht ab. "Da ein solcher Impfstoff von der Weltgesundheitsorganisation ja aber immer im voraus, auf der Basis einer Vorannahme darüber welche Viren im Winter kursieren werden, zusammengestellt wird, ist es nicht ungewöhnlich, dass eine Komponente auch mal nicht so effektiv ist", weiß der Experte.

Da die Grippe durch Viren ausgelöst werden, lassen sich nur ihre Symptome, nicht aber die Krankheit selbst behandeln. Antibiotika beispielsweise richten hier nichts aus. Aber man kann sich dennoch schützen: Ein einfacher aber sehr wirkungsvoller Tipp ist das Niesen in die Armbeuge.

"Das klingt zwar witzig", sagt Infektiologin Dr. Annette Jurke, stellvertretende Leiterin Fachgruppe Infektiologie und Hygiene des Landesinstituts für Gesundheit und Arbeit des Landes NRW (LIGA NRW) ,"aber es verhindert sehr wirksam die Ausbreitung von Viren und Bakterien." Wer in die Hand niest, bringt die Erreger auf einen feuchten Boden, auf dem sie sich gerne vermehren. Anschließend werden Türkliniken angefasst und Hände geschüttelt, sodass sich die Erreger leicht auf andere Menschen verteilen können.

"Außerdem fasst man sich mit den Händen regelmäßig an Nase und Augen, das kann man fast gar nicht verhindern, und dann wandern die Erreger über die Schleimhäute in den Körper", so Dr. Jurke. Wird in die Armbeuge genießt, landen die Viren dagegen auf dem trockenen Stoff und bleiben dort auch. Denn mit der Armbeuge lässt sich nichts anfassen.

Weitere Hygienetipps der Expertin sind regelmäßiges Händewaschen und das Nutzen von Papier- anstatt Stofftaschentüchern.

(ham )
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