Tee: Das Lexikon gesunder Teesorten

Holunder, Kombucha, Melisse : Das kleine Lexikon gesunder Teesorten

Gegen das ständige Frösteln und die kursierenden Viren in den letzten Winterwochen sind Heißgetränke besonders hilfreich. Sie sorgen nicht nur für eine wohlige Wärme von innen. Wer sich auskennt, findet unter den zahlreichen Sorten auch einige, die gegen Krankheiten wirken.

Eigentlich gelten die Deutschen als eingeschworene Kaffeetrinker. In den kalten Monaten von Herbst bis Winter ändert sich das jedoch. Dann strömt plötzlich der Duft von Pfefferminze, Bergamotte oder Jasmin aus großen Teebechern durch den Raum. Egal ob grüner, schwarzer oder Kräutertee - die wohlige Wärme soll gegen die eisigen Temperaturen wirken, und vielleicht sogar ein bisschen was für das Immunsystem tun.

Und die Idee ist richtig. Erst vor kurzem hat eine Studie der Universität Cardiff gezeigt, dass heiße Getränke wesentlich effektiver gegen Erkältung und Grippe wirken als kalte. In einem Versuch mit 30 Testpersonen, die entweder kalte oder heiße Fruchtsäfte bekamen, war bei den Probanden mit den Heißgetränken eine schnellere Linderung ihrer Symptome zu verzeichnen. Die warmen Getränke wirkten gegen Halsschmerzen, Frieren, Müdigkeit, laufende Nase, Husten und Niesen. Wenn die gleiche Flüssigkeit nur Zimmertemperatur hatte, half sie dagegen nur gegen die letzten drei Symptome.

Vor allem Kräutertees gelten bei Winterkrankheiten als das typische Hausmittel. Meist finden sich deshalb auch in den Küchenschränken von Nicht-Teetrinkern ein paar Beutel Kamillen- oder Pfefferminztee. Tatsächlich sind Kräutertees aus der Medizingeschichte nicht wegzudenken.

Erstmals wurde Tee 200 vor Christus in einer pharmakologischen Abhandlung in China erwähnt. Bis heute sind die Kräuteraufgüsse ein wichtiger Bestandteil der chinesischen aber auch der westlichen Naturheilkunde. Dabei müssen es nicht immer komplizierte Rezepturen sein, die verordnet werden. Reiner Holunderblütentee beispielsweise wirkt gut gegen Fieber, Entzündungen und als Schleimlöser bei Husten. Wer will, kann ihn mit Lindenblütentee mischen. Er ist der Klassiker gegen Erkältung und Grippe.

Ein Sud aus reinen Lindenblüten wirkt schweißtreibend und stark fiebersenkend. Bei starkem Husten hilft dagegen Thymian. Der Auszug aus dem Kraut lässt sich inhalieren oder auch trinken. Wegen seines strengen Geschmacks gehört der Thymiantee allerdings nicht zu den beliebtesten Gesundheitsgetränken. Übrigens gilt auch der Kombuchatee als Heilmittel. Nicht in der Fertigvariante aus dem Supermarkt allerdings, sondern zuhause aus dem chinesischen Kombuchapilz ausgekocht. Der Sud schmeckt süß-säuerlich und enthält die Bakterien, Hefen und Spurenelemente aus dem Pilz. Eine Tasse des Getränks samt seiner Kulturen stärkt die Verdauung, wirkt antibakteriell und soll die Beschwerden von Gicht und Rheuma lindern.

Bei Einschlafproblemen wird dagegen meist Johanniskraut oder Melisse empfohlen. Beide Kräuter wirken zugleich gegen Ängste und Depressionen. Eine Tasse Schafgarbentee macht ebenfalls müde, kurbelt dabei aber auch die natürlichen Prozesse von Leber und Galle an.

Für den schnelle Hilfe unterwegs eignet sich heißes Wasser mit frischer Minze- oder Ingwer. Beide Getränke werden inzwischen in vielen Cafés angeboten und sind geschmacklich unbedenklich. Die grünen Blätter mit dem frischen Duft helfen beim Atmen, beruhigen den Magen-Darm-Bereich und werden oft gegen Brechreiz verordnet. Die Wirkstoffe aus der asiatischen Ingwer-Wurzel bieten dagegen einen starken Schutz bei Erkältung, fördern die Durchblutung und machen munter. Beide Getränke lassen sich nach belieben mit Honig verfeinern. Ein Trick, der vor allem die scharfe Note des Ingwers neutralisiert.

Abwarten und Tee trinken heißt es auch, wenn nichts überstürzt werden soll. Das Sprichwort soll ebenso wie der Tee selbst aus China stammen. Angeblich gaben Ärzte ihren Patienten mit diesen Worten den Rat, geduldig auf Heilung zu warten. Das Teetrinken wird in asiatischen Ländern als ein Ritual verstanden, das hilft zur Ruhe zu finden, und die Aufmerksamkeit nach innen zu kehren. Das berühmteste Beispiel dafür ist die japanische Teezeremonie.

Sie wird traditionell mit grünem Tee durchgeführt. Neben dieser geistigen Wirkung des Heißgetränks weisen Studien den grünen Blättern aber auch eindeutige gesundheitliche Aspekte zu. Sie enthalten viele Antioxidantien und wirken somit als natürlicher Zellschutz. Forschungen haben ergeben, dass der Tee, gemischt mit einem Spritzer Zitronensaft, sogar gegen Krebs wirken kann. Denn Vitamin C verbessert die Fähigkeit des Körpers, die Antioxidantien aufzunehmen.

Schwarzer Tee senkt dagegen den Blutdruck und die Ausschüttung des Stresshormons Kortisol. Schon vier Tassen Tee am Tag sollen ausreichen, um dem Stress effektiv entgegenzuwirken. Lässt man Schwarzen Tee besonders lange ziehen, kann er gegen Durchfallerkrankungen helfen.

Ob die Tees lose oder im Beutel aufgegossen werden, ist für ihre Wirkung nicht so wichtig. Das gilt vor allem für die Sorten Grün und Schwarz. Wer Kräutertees in Beuteln kauft sollte allerdings darauf achten, dass es sich um Arzneimitteltees handelt. Sie sind in Apotheken und Drogerien erhältlich und tragen einen entsprechenden Hinweis auf der Verpackung.

Hier geht es zur Infostrecke: Das ABC der gesunden Teesorten

(ham)