Ängstlich oder aggressiv: Alzheimer — diese Warnsymptome müssen Sie kennen

Ängstlich oder aggressiv : Alzheimer — diese Warnsymptome müssen Sie kennen

Auch wenn Alzheimer sich zweifelsfrei erst nach dem Tod diagnostizieren lässt, gibt es einige Warnsymptome, die den Hirnverfall ankündigen. Erfahren Sie hier, wann Vergesslichkeit noch normal ist und welche unerwarteten Warnzeichen es gibt.

Wenn es um ihr Gedächtnis geht, sind die meisten Menschen sensibel. Alzheimer zu bekommen, gehört zu den größten Ängsten: 82 Prozent der Deutschen würden laut einer repräsentativen Umfrage der Alzheimer Forschung Initiative einen Arzt aufsuchen, wenn sie eine Verschlechterung ihres Gedächtniszustandes feststellen würden.

Fieberhaft sucht die Forschung nach Möglichkeiten, die zerstörerischen Abbauvorgänge im Hirn zweifelsfrei diagnostizieren zu können und sie zu stoppen. Für die junge Generation bleibt die Hoffnung, dass in der Zukunft möglich wird, was derzeit unmöglich erscheint: Alzheimer zu heilen.

Vorausberechnungen der Alzheimer's Desease International (ADI) sehen im anderen Fall diese Zukunft voraus: Bis zum Jahr 2030 werden mehr als 65 Millionen Menschen dement sein. Derzeit ist der sichere Nachweis des geistigen Verfalls durch Alzheimer zu Lebzeiten nicht hundertprozentig möglich. Erst nach dem Tod kann sie durch eine Untersuchung des Gehirns zweifelsfrei nachgewiesen werden.

Das lässt das Risiko ansteigen

Experten haben herausgefunden, dass Menschen, die bei sich selbst erste Anzeichen für ein nachlassendes Gedächtnis bemerken, tatsächlich ein höheres Risiko haben, später an Demenz zu erkranken, so das Institut für gesundes Altern. Und das selbst dann, wenn man bei einem Gedächtnistest ein vollkommen unauffälliges Ergebnis erhält.

Frühzeitig erkannt, kann man jedoch einem weiteren Gedächtnisverlust entgegenwirken und wertvolle Zeit gewinnen. Dabei gibt es einige Warmsymptome zu beachten, die eine beginnende Demenz anzeigen können. Nicht immer beziehen sich diese auf Vergesslichkeiten. Auch Verhaltensänderungen oder die Fähigkeit Zusammenhänge erfassen zu können, gehören dazu.

Folgende zehn Warnsymptome sollten Sie aufmerksam werden lassen:

Abstraktes Denken mutiert zum Problem

Im Job nicht denkbar: Plötzlich scheinen die zu begleichenden Rechnungen wie ein wirres Zahlendurcheinander. Oder die Telefonübersicht der Firma scheint keinen Sinn mehr zu machen. Solche Situationen unterscheiden sich deutlich von Alltagsvergesslichkeiten, in denen man nicht mehr weiß, was man eigentlich auf dem Dachboden holen wollte oder wo man seine Schlüssel abgelegt hat. Solche Gedächtnisversager sind eher auf mangelnde Konzentration, zu wenig Schlaf oder Stress zurückzuführen und müssen nicht beängstigen. Abklären lassen sollte man hingegen Situationen, in denen man feststellt, dass Personen einfache Rechnungen nicht mehr durchführen können oder logische Schlussfolgerungen häufiger nicht anstellen können.

Gegenstände liegen lassen

Eine verbummelte Sonnenbrille oder Ahnungslosigkeit in Sachen "Wo sind meine Schuhe?" — all das sind Situationen, die jeder mal erlebt hat. Auch das verlegte Portemonnaie ist unbedenklich. Auffällig wird die Verbummelei nur, wenn sich plötzlich Gegenstände dauernd an Orten wiederfinden, an denen sie nichts verloren haben: Socken im Kühlschrank zum Beispiel oder Kartoffeln im Kleiderschrank.

Eigeninitiative geht verloren

Mal kaum durch den Arbeitstag zu kommen, weil man einfach vollkommen antriebslos ist. Oder abends keine Lust mit der besten Freundin zu Quatschen — all das ist kein Grund zur Sorge. Bedenklich wird es erst, wenn Menschen dauerhaft ihren Schwung verlieren. Es kommt vor, dass sie plötzlich lange ausgeübten Hobbies nicht mehr nachgehen und sich auch keinen neuen Aktivitäten zuwenden.

Vergesslichkeit, die sich auf das tägliche Leben auswirkt

Wie hieß nochmal der Nationaltorwart, der sich vor einigen Jahren das Leben nahm oder der frühere Außenminister mit den abstehenden Ohren? Wenn Ihnen der Name des Fußballstars Robert Enke nicht in den Sinn kommt oder Ihnen der Alt-Liberale Hans-Dietrich Genscher nur einfällt, wenn Sie ein Bild von ihm sehen, dann kann das ein Hinweis auf eine früh beginnende Demenz sein. US-Wissenschaftler fanden heraus, dass das ein Hinweis auf einen sich bereits in jüngeren Jahren degenerierten Temporallappen sein kann.

Häufen sich Namensvergesslichkeiten oder die von Terminen, oder erscheinen Menschen zusehends verwirrt, können das Warnzeichen einer beginnenden Demenz sein. Auffällig ist das vor allem dann, wenn die Erinnerung auch nicht zu einem späteren Zeitpunkt zurückkommt.

Schwierigkeiten bei Alltagstätigkeiten

Mit Zerstreutheit hat das nichts zu tun: Wer ein Essen kocht, es dann aber vergisst zu servieren, gibt vielleicht Anlass für einen Schmunzler. Wirklich witzig ist das aber nicht. Tatsächlich kann es ein erstes Anzeichen für Alzheimer sein. Besonders denkwürdig wird es, wenn die betroffene Person das gekochte Essen später entdeckt und sich fragt, wer es zubereitet haben könnte. Der vergessene Kochtopf ist in einem solchen Fall nicht durch eine andere Tätigkeit in den Hintergrund gerückt und vergessen worden, sondern die Betroffenen wissen gar nicht mehr, dass sie ihn überhaupt aufgestellt haben.

Stimmung und Verhalten ändern sich

Niemand ist immer gut gelaunt. Stimmungen können sich über den Tag durch bestimmte Ereignisse oder Zusammentreffen verändern. Demente Personen hingegen neigen immer wieder ohne ersichtlichen Grund zu Stimmungswechseln, die vollkommen abrupt und drastisch erscheinen.

Sprachprobleme werden sichtbar

Mitten im Redefluss fehlt plötzlich das Wort, das man benutzen wollte. Auch das kann ein Hinweis auf beginnende Demenz sein. Mediziner nennen dieses Phänomen Wortfindungsstörungen oder Sprachverarmung. Betroffene versuchen dann häufig, das fehlende Wort zu umschreiben oder benutzen andere Begriffe: Statt Schuhe sagen sie "Füße" und schaffen so einen seltsamen Sinn. Manchmal erfinden Betroffene auch neue Worte oder benutzen Füllworte, die einen vollkommen anderen Sinn haben. Das macht es oft schwierig, sie zu verstehen. Sorgen muss man sich jedoch keinesfalls, wenn einem mal das richtige Wort fehlt, um etwas auszudrücken.

Terminvergesslichkeit und Orientierungsprobleme

Es kann vorkommen, dass man das Datum nicht wie auf Knopfruck weiß oder nachdenken muss, welcher Wochentag eigentlich ist. Kein Problem. Wer damit aber immer häufiger Probleme hat oder auf seiner Straße steht und nicht mehr weiß, wo er ist, der braucht ärztliche Hilfe. Im Frühstadium einer Demenz kann es passieren, dass Menschen sich in ihrer eigenen Nachbarschaft verlaufen und plötzlich den Weg nach Hause nicht mehr erkennen.

Urteilsfähigkeit nimmt ab

Völlig unpassende Kleidung zu wählen und statt im Wintermantel im Bademantel das Haus zu verlassen, ist ein deutlicher Hinweis auf geistigen Verfall. Auch mehrere Blusen übereinander oder Sandalen im Winter können eine Demenz andeuten.

Andauernde Reizbarkeit oder Angst

Menschen verändern im Laufe ihres Lebens ihre Persönlichkeit. Lebenserfahrung trägt oft zu mehr Gelassenheit bei, kann aber auch misstrauisch machen oder zu gewollter Distanzierung führen. Menschen mit Demenz hingegen verändern ihre Persönlichkeit plötzlich und schlagartig. Sie können leicht reizbar werden, ängstlich, distanzlos oder misstrauisch.

Zusammen hängt das oft damit, dass es ihnen schwer fällt, sich zurechtzufinden, sie ihre eigenen Unzulänglichkeiten vielleicht zu Beginn der Erkrankung sogar noch bemerken und sie das in Angst versetzt. Mit schlechter Laune oder Bösartigkeit hat das jedoch nichts zu tun.

Das Vorliegen einer Alzheimer-Demenz kann allerdings nur ein Arzt diagnostizieren. Er bedient sich dazu mentaler Tests und weiterer Untersuchungen, die ausschließen, dass möglicherweise ganz banale Gründe für eine vorübergehende Störung der geistigen Leistungsfähigkeit verantwortlich sind oder eventuell auch eine andere Erkrankung hinter solchen Symptomen steckt.

Wenn Sie wissen wollen, was Sie präventiv tun können, um einer Demenz-Erkrankung vorzubeugen, lesen Sie hier weiter.

Hier geht es zur Infostrecke: Der Alzheimer-Selbsttest

(wat)
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