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Prävention - Alzheimer und altern: Gibt es ein Mittel gegen Alzheimer?

Prävention - Alzheimer und altern : Gibt es ein Mittel gegen Alzheimer?

Der US-amerikanische Professor Robert W. Mahley gehört wohl zu den renommiertesten Alzheimerforschern weltweit. Der Gründer der Gladstone Institutes in San Francisco (USA) arbeitet mit seinem Team an möglichen Therapien, um das unkontrollierte Absterben der Nervenzellen im Gehirn zu stoppen.

Über 300 Wissenschaftler forschen hier in unmittelbarer Nähe zum Campus der Universität von Kalifornien. Die Einrichtung genießt einen exzellenten Ruf weltweit und ist in internationalen Fachkreisen bekannt für ihre bemerkenswerten Forschungsergebnisse in Bezug auf Herz-Kreislauf- Erkrankungen, AIDS/HIV, Stammzelltechnologie und die Ursachen der Alzheimer Erkrankung.

Mahley erkannte bereits früh während seiner Tätigkeit an den "National Institutes of Health" die Bedeutung genetischer Ursachen für neurologische Erkrankungen. Er war es, der eine Genvariante des Apolipoproteins E (ApoE) frühzeitig als eine der wichtigsten Ursachen für den Ausbruch von Alzheimer erkannte. Aber auch bei Parkinson und Multipler Sklerose spielt die Mutation eine Rolle. ApoE ist ein Eiweiß und wichtig für den Fettstoffwechsel des menschlichen Organismus.

Die Mutation trägt die Bezeichnung ApoE4. Sie ist die fehlerhafte Kopie des normalen Eiweißes ApoE3. "Im Gegensatz zu dessen auseinandergespreizter Molekularstruktur ist die ApoE4-Variante an ihren Enden wie zusammengefaltet", erklärt Mahley seine Erkenntnisse. Heute wissen die Forscher, dass bis zu 80 Prozent der Alzheimerpatienten diese Variante aufweisen.

Doch nicht alle Träger der Mutation erkranken. Das veränderte Gen kommt sogar relativ häufig in der Bevölkerung vor. Für den Ausbruch von Alzheimer muss noch ein weiterer, äußerer Anlass hinzukommen: Altern, Stress, die Verletzung von Gehirnzellen — beispielsweise durch einen kräftigen Schlag — oder eine geringe Sauerstoffzufuhr des Gehirns.

"Solche Ereignisse kurbeln die Produktion von apoE an, denn das Protein ist fundamental wichtig, um verletzte Nervenzellen im Hirn zu reparieren", so der Forscher. "Wird bei Reparaturprozessen die falsche Kopie erzeugt, das heißt ApoE4, zerfällt dieses in viele kleine Teile und wirkt toxisch auf die Nervenzellen.

Die einzelnen Fragmente treten unter anderem in Wechselwirkung mit den Mitochondrien, den Energielieferanten der Zelle. Das Ergebnis ist ein Nervensterben mit Auswirkungen auf die Lernfunktion und die Erinnerung", führt Mahley aus.

Für den Wissenschaftler gibt es zwei "therapeutische Optionen". Die eine ist die Entwicklung eines Medikaments, das wie ein "Struktur-Korrektiv" wirkt und aus der zusammengefalteten Version wieder die gespreizte macht.

In Tierversuchen mit Mäusen ist dies schon gelungen. Die andere Option setzt bereits bei der Entstehung der toxischen Fragmente an. Würden sie verhindert, käme es wohlmöglich gar nicht zum Ausbruch der neurodegenerativen Erkrankung.

Was aber sollen all die Menschen zwischenzeitlich tun, die fürchten an Alzheimer zu erkranken? Mehrere individuelle Risikofaktoren werden mit dem Ausbruch von Alzheimer in Verbindung gebracht.

Neben Genetik und Alter spielt der persönliche Lebensstil eine große Rolle. Bis es wirksame Therapien gegen Alzheimer gibt, beugt wohl ein gesunder Lebensstil dem Nervenzellsterben am besten vor. "Wir beginnen gerade zu lernen: Was gut fürs Herz ist, ist auch gut fürs Hirn", so Mahley.