Familie: Was Angehörige bei der Pflege beachten sollten

Familie : Was Angehörige bei der Pflege beachten sollten

Die meisten Pflegebedürftigen in Deutschland werden zu Hause von Familienmitgliedern betreut. Wer rund um die Uhr für einen anderen Menschen da ist, braucht oft auch selbst Hilfen. Bevor man die eigenen Eltern in den Haushalt aufnimmt, sollte man sich Gedanken machen.

Das rät Ralf Suhr, Vorstandsvorsitzender der Stiftung Zentrum für Qualität in der Pflege. "Wesentlich ist etwa: Besteht leichter Hilfebedarf, oder ist mein Vater oder meine Mutter stark pflegebedürftig? Pflege ich aus Pflichtgefühl, Fürsorgegefühl oder wegen finanzieller Zuwendungen?", sagt Suhr. Außerdem sei zu bedenken, ob es vorher eine angespannte Situation zu den Eltern gab. "Die Frage: ,Will ich das wirklich?' muss ich mit einem klaren Ja beantworten." Denn bei Menschen mit hohem Pflegebedarf kann die tägliche Belastung körperlich und psychisch immens sein.

Um von vornherein eine Überlastung zu vermeiden, rät Suhr dazu, die Karten offen auf den Tisch zu legen und über die gegenseitigen Erwartungen zu sprechen. So können die Bedürfnisse von Eltern und Kindern in Einklang gebracht werden. "Generell sollten sich alle Beteiligten so viele Freiräume wie möglich bewahren. Speziell für Angehörige gilt: so viel Alltag wie möglich." Nach neuesten Erkenntnissen sei immerhin fast jeder fünfte Pflegebedürftige mit der Qualität des Familienlebens unzufrieden.

Suhr geht davon aus, dass sich die häusliche Pflege in Zukunft verändern wird. "Frauen, die traditionell Verwandte pflegen, sind immer öfter berufstätig. Die Kinder sind heute auch mobiler, müssen beruflich flexibel bleiben und leben oft weit entfernt von ihren pflegebedürftigen Eltern." Es werde daher immer wichtiger, die Versorgung durch Angehörige mit der Pflege durch Pflegekräfte klug zu kombinieren und auch ehrenamtliche Helfer einzubeziehen.

Beratung und Auskunft zum Zusammenleben mit pflegebedürftigen Angehörigen gibt es für Kassenpatienten bei den Pflegestützpunkten vor Ort. Sie informieren zudem darüber, welche Leistungen man aus der Pflegeversicherung beziehen kann und welche Entlastungsmöglichkeiten es gibt. Privatversicherte können sich an die Compass Private Pflegeberatung wenden.

(RP)
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