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Kohlenmonoxid in der Wohnung: Wie passiert das?

Nach Vergiftungen in Mönchengladbach : So wird die Wohnung zur Kohlenmonoxid-Falle

Zwölf Menschen haben in Mönchengladbach eine Kohlenmonoxid-Vergiftung erlitten. Von welchen Geräten eine Vergiftungsgefahr ausgeht und was zu tun ist, erklärt ein Sprecher der Düsseldorfer Schornsteinfegerinnung.

Spätestens, wenn das Außenthermometer 10 Grad zeigt, werden in deutschen Haushalten die Heizungen aufgedreht. Meistens klappt das auch - aber eben nicht immer. In Mönchengladbach beispielsweise kam es am Sonntag zu Problemen, nachdem die Heizung in einem Einfamilienhaus nicht richtig funktionierte. Zwölf Menschen kamen nur knapp mit dem Leben davon. Ein Gast der Bewohner hatte einen Holzkohlegrill ins Wohnzimmer gestellt, um die Räume zu heizen. Nur weil die 15-Jährige Tochter des Hausbesitzers alle Anwesenden rechtzeitig warnte, kamen die Zwölf mit einer Kohlenmonoxid-Vergiftung davon. „Leider kommt es in den letzten Jahren immer häufiger zu solchen Vorfällen“, sagt Ulrich Grüttner, Sprecher der Schornsteinfegerinnung Düsseldorf. „Inzwischen haben wir im Winter fast jedes Wochenende solche Fälle.“

Hauptproblem sei laut dem Experten, dass viele die Auswirkung von Feuerstellen nicht richtig einschätzen könnten. „Die wichtigste Regel ist: Wenn etwas verbrennt, erzeugt es Abgase. Es ist ganz egal, was brennt, es entstehen immer Abgase. Und die sind für den Menschen immer schädlich.“ Deshalb muss man sicher stellen, dass die Abgase entweichen können. Ist dies nicht der Fall, wird die Situation schnell gefährlich. „Denn man merkt nicht, wenn Kohlenmonoxid ausströmt, und plötzlich fallen alle in der Wohnung in Ohnmacht.“ Aus folgenden Gründen kommt es laut dem Experten in Wohnräumen zu gefährlichen Situationen:

  • Propan-Öfen: Ein Kamin, der mit Propan-Gas betrieben wird, ist immer eine Gefahrenquelle in der Wohnung. „Man kann sie im Bauhaus kaufen und liest darauf Worte wie „Kamin-Ersatz“. Es handelt sich dabei aber nicht um einen klassischen Kaminersatz“, sagt Grüttner. Diese Öfen haben keinen eigenen Abzug. „Deshalb steht auf der Gebrauchsanweisung auch: Nur bei ausreichender Luftzufuhr benutzen und unter Aufsicht.“ Das gleiche gilt für Kamine, die mit Bio-Ethanol laufen. „Diese Öfen sind nur zur Dekoration gedacht, als Heizung eignen sie sich nicht.“
  • Neue Fenster: Fenster nach alter Bauordnung haben keine Dichtung und der Holzrahmen lässt verhältnismäßig viel Luft durch. „Fenster, die der neuen Energiesparverordnung entsprechen, dichten jedoch so stark ab, dass man sie unter Umständen wieder luftdurchlässig machen muss, um überhaupt Sauerstoff im Haus zu haben“, sagt Grüttner. Weil viele Bewohner dies nicht wüssten, komme es immer wieder zu Problemen nach dem Einbau neuer Fenster. „Die Rauchentwicklung vom Kamin beispielsweise ist dann schon zu stark.“
  • Dunstabzugshaube: Auch wegen Dunstabzugshauben komme es immer wieder zu Kohlenmonoxid-Vergiftungen. „Die Haube zieht die Luft durch die Wohnung in die Küche und damit auch Kaminrauch oder Gas aus der Gasheizung“, sagt der Schornsteinfeger. Deshalb stehe in den Gebrauchsanweisungen immer: „Abzugashaube nicht in Räumen anbringen, in denen andere Heizquellen als solche mit Strom genutzt werden.“
  • Auto: Autos verursachen Abgase. Deshalb sollte man den Motor in Garagen immer abschalten oder die Garagentür offen stehen lassen, wenn der Motor im Leerlauf läuft.
  • Therme oder Gas-Boiler: Thermen und Boiler müssen bei der Installation beim lokalen Schornsteinfeger angemeldet werden. „Deswegen kommt es nur selten dazu, dass regelmäßige Wartungen nicht vorgenommen werden“, sagt Grüttner. Wer aber den Eindruck hat, sein Gerät sei in den vergangenen Jahren niemals gewartet worden, „sollte beim Schornsteinfeger anrufen und um eine Kontrolle bitten“, sagt Grüttner.
  • Grill: „Egal, um was für einen Grill es sich handelt: Er gehört niemals in die Wohnung“, sagt Schornsteinfeger Grüttner. Die Holzkohle raucht enorm. Außerdem besteht bei jeder Form von Grill eine hohe Brandgefahr.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Großeinsatz wegen Grill-Unfall in Mönchengladbach