Kompliziert und teuer : Warum eine Tattoo-Entfernung nicht ganz ungefährlich ist

Mehr als zehn Millionen Menschen in Deutschland sind tätowiert. Doch wissen die meisten nicht, welches Risiko sie damit eingehen - vor allem dann, wenn sie die Tinte wieder loswerden wollen.

Der Trend zu Tattoos ist ungebrochen. Rund 24 Prozent der 16- bis 29-Jährigen entscheiden sich laut einer Umfrage des Allensbach-Instituts für eine Tätowierung. 20 Prozent sind es unter den 30- bis 44-Jährigen. Doch wenn sich Lebensumstände oder Modetrends ändern, wünschte sich mancher, er hätte sich nie dafür entschieden. Ein Bärchen an der Fußfessel, das irgendwann als nicht mehr schick empfunden wird, handwerklich schlecht gemachte Tätowierungen oder eine verflossene Liebe, die den Unterarm nicht mehr zieren sollen – die Gründe für eine Tattooentfernung sind vielfältig. Manchmal lässt sich das ungeliebte Motiv in eine neue Tätowierung einbauen, die dem Träger besser gefällt - doch für viele ist das keine Lösung.

Gerd Kautz, Dozent für Lasermedizin an der Universität Greifswald und Vorstandsmitglied der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft schätzt, dass rund zehn bis 20 Prozent der Tattooträger das Hautbild wieder loswerden wollen. Doch das ist weder einfach, noch ohne Risiken. Eine falsche Einschätzung der Situation wie auch die verwendeten Farben können zu Problemen führen. Ein Grund dafür, warum die Laserbehandlung laut der neuen Strahlenschutzverordnung ab dem 1. Januar 2019 nur noch von qualifizierten Ärzten durchgeführt werden dürfen.

Die Laserentfernung gilt als häufigste Methode. Dabei werden die Farbpigmente der Tätowierung durch Einwirken hoher Temperaturen in kleinste Einzelteile zerschossen und verteile sich danach im Körper. Ein Teil werde zum Beispiel in kleinsten Schüppchen über die Haut selbst, ein Teil über das Lymphsystem abtransportiert, sagt Christian Raulin, Dermatologe und Vorstandsmitglied der Arbeitsgemeinschaft Dermatologische Lasermedizin.

Aus Untersuchungen weiß man, dass sich die bereits beim Tätowieren künstlich in den Körper eingebrachte Farbe dauerhaft in den Lymphknoten ablagert. Denn „Tätowierungsfarbe ist ein Fremdkörper in der Haut“, sagt Kautz. Die natürlichen Fresszellen des Immunsystems erkennen sie und versuchen die Farbe abzubauen. Ein Teil der Farbe gelangt zum nächsten Lymphknoten. Vermutlich verbleiben sie dort langfristig, nehmen Wissenschaftler wie Molekularbiologe Wolfgang Bäumler von der Universität Regensburg an . Eine Studie, an der das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) beteiligt war, zeigt, dass sich Farbpigmente sogar in Nanopartikelgröße dauerhaft in den Lymphknoten ablagern können. Wohin sie von dort aus gelangen, ist nicht bekannt ebenso wenig weiß man, welche gesundheitlichen Folgen das haben kann.

Das einzuschätzen wird auch dadurch erschwert, dass es keine Zulassung von Tätowierungsfarben gibt. Für die Sicherheit der Farben ist laut Information des BfR jeder Hersteller selbst verantwortlich. Die „Verordnung über Mittel zum Tätowieren“ regelt seit 2009 lediglich, welche Substanzen sie auf keinen Fall beinhalten dürfen.

Wer daraus schließt, dass in den in Studios verwendeten Farben darum keine schädlichen Stoffe enthalten sind, irrt. Im Jahr 2014 hat die Stiftung Warentest verschiedene Farben untersucht und fand in zwei Farben giftige polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe, die zum Teil sogar krebserregend sind. Das BfR hat herausgefunden, dass bei der Bestrahlung des Farbpigments Blau mit einem Rubinlaser hochgiftige Spaltprodukte wie Blausäure, Benzo oder Benzonitril entstehen können. Raulin hält die Ergebnisse dieser Untersuchung für ein theoretisches Risiko. „Praktisch ist noch nie ein Fall nachgewiesen worden, in dem es dadurch zu gesundheitlichen Schäden gekommen ist“, sagt der Karlsruher Dermatologe. Er hält die Entscheidung für das Entfernen eines solchen Tattoos für vergleichbar wie die Entscheidung eine Amalganfüllung im Zahn herauszubohren und so mit einem Mal eine größere Menge Quecksilber frei zu setzen, oder die Füllung zu belassen.

Laut BfR fehlen toxikologische Daten dazu, ob Farben erbgutverändernde, fruchtbarkeitsschädigende Wirkung haben und weist darauf hin, dass Farbmittel Schwermetalle und allergieauslösende Substanzen enthalten können. „Besser wäre es darum, die verwendeten Farben wären EU-weit genormt und man wüsste welche chemischen Abbauprozesse beim Lasern zu erwarten sind“, sagt Kautz.

Ein weiteres Problem: „Nicht alle Tattoos lassen sich entfernen“, sagt Raulin. Tätowierungen seien für die Ewigkeit gedacht. „Sie sind halt kein Abziehbild“, sagt der Hautexperte. Bis zu 20 Laserbehandlungen mit unterschiedlichsten Lasern sind nötig, um sie verschwinden zu lassen.

Das braucht Zeit und Geld – rund 400 Euro für eine Doppelsitzung. Zwischen den Behandlungen sind Abstände von sechs bis acht Wochen notwendig, sagen die Experten. Wer vor Beginn der Banklehre sichtbare Tattoo am Hals verschwinden lassen möchte, hat also ein Problem. Es werden zwei bis drei Jahre vergehen, bis es im besten Fall für den Laien unsichtbar geworden ist.

Vor allem großflächige und bunte Tätowierungen lassen sich nicht zu hundert Prozent weglasern. Am besten gelingt dies bei der Farbe Schwarz und relativ gut bei Rot. Auch Blau und Grün sind in der Regel aus der Haut zu entfernen. Als kritisch betrachtet er die Farben Gelb, Violett und Braun. Er sieht den Arzt in der großen Verantwortung zu entscheiden, ob man ein Tattoo überhaupt entfernen soll oder besser davon abrät. „Nichts ist schlimmer als eine Tätowierung, die zum Teil stehen bleibt“, sagt Raulin.

Durch sehr aggressives Tätowieren oder Lasern bestehe das Risiko der Narbenbildung. Außerdem kann es zu sogenannten Negativbildern kommen, die anstelle der Tätowierung auf ewig bleiben. Dazu kommt es, wenn mit dem Laser nicht nur die Tattoofarbe, sondern auch die natürlichen Farbpigmente der Haut weggeschossen werden.

Von alternativen Methoden wie dem Behandeln der Haut mit Milchsäure raten die Experten ebenfalls ab, weil das zu schweren Schädigungen der Haut und in Folge dessen zu Narbenbildung führt. Zu operativen Verfahren werde nur im Einzelfall gegriffen, wenn die Haut durch das Tattoo eine allergische Reaktion aufweist oder sich krankhaft verändere. „Am häufigsten passiert das in Zusammenhang mit der Verwendung roter Tätowierfarbe. Würde man ein solches Tattoo lasern, käme es zum Versprengen der Allergie. „Dann würde der ganze Körper jucken“, sagt Raulin. Auch operative Laserverfahren bei anderen störenden Hautveränderungen, wie zum Beispiel Muttermale, sollten nur von Ärzten durchgeführt werden, denn in den Hautbildern könnten sich bösartige Hautveränderungen oder Pseudotumore befinden, sagt Kautz.

Soll das Tattoo mittels Laser entfernt werden, sollte der Arzt für die lasermedizinische Behandlung qualifiziert sein wie beispielsweise den internationalen Weiterbildungsstudiengang DALM (Diploma in Asthetic Laser Medicine) absolviert haben.