Zahnpasta - diese Stoffe gefährden Ihre Gesundheit

Beim Zähneputzen : Zahnpasta - diese Stoffe gefährden Ihre Gesundheit

Zahnpasta soll vor allem Plaque entfernen und den Zahnschmelz schützen. In manchen Zahncremes stecken jedoch Inhaltsstoffe, die umstritten sind. Was Sie wissen müssen.

Würden Sie freiwillig in ein Stück Seife beißen oder den Mund mit Chemikalien spülen, die in Reinigungsmitteln oder Toilettentüchern enthalten sind? Was viele nicht wissen: Schäumende Tenside, aufhellende Bleichmittel und Desinfektionsmittel stecken auch in den meisten Zahncremes. Denn sie wirken antibakteriell, erleichtern das Säubern der Zähne und beugen so Zahnerkrankungen vor. Das sollte man jedoch ebenfalls darüber wissen:

„Die drei wichtigsten Inhaltsstoffe von Zahncreme sind Fluorid, Schleifsubstanzen und Tenside“, sagt Stefan Zimmer, Experte für Zahnerhaltung und präventive Zahnmedizin an der Universität Witten-Herdecke.

  • Abriebstoffe für die Zähne

Zahncremes sollen Zähne säubern. Aus diesem Grund enthalten sie kleine Schleifkörper, sogenannte Abrasivstoffe. In den meisten Fällen handelt es sich dabei um Silicate unterschiedlicher Form, Anzahl und Größe. Nach Informationen der Tierschutzorganisation Peta kommt jedoch auch Knochenmehl als Schleifkörper in Zahnpasten zum Einsatz.

Aufgabe der Schleifsubstanzen: „Sie verbessern wie ein Scheuerschwamm die Reinigungswirkung und ermöglichen die Entfernung von Verfärbungen, wie sie durch Tee, Rotwein oder Rauchen entstehen“, sagt Zimmer.

Die Abriebwirkung wird mit dem so genannten RDA-Wert angegeben. Bei einem RDA-Wert von 40-60 reinigt die Zahnpasta die Zähne gründlich und kann von fast jedem benutzt werden. Problem allerdings: Der Verbraucher findet auf den Tuben in der Regel gar keine RDA-Angabe.

Das wäre jedoch sinnvoll, weil ein hoher Abrieb den Zähnen schaden kann, sagt Kerstin Etzenbach-Effers von der Verbraucherzentrale NRW. Sogenannte Whitening-Pasten versprechen, Verfärbungen besonders gründlich zu entfernen. Um das zu erreichen, enthalten sie in der Regel größere Putzkörper, sagt Michael Hohaus, Zahnmediziner aus Düsseldorf.

Wunder vollbringen können jedoch auch diese Pasten nicht. „Weißer als über die natürliche Urspungsfarbe der Zähne hinaus können diese Pasten nicht machen“, sagt Zahnmediziner und Präventionsexperte der Universität Witten-Herdecke, Stefan Zimmer. Im Gegenteil kann die Anwendung solcher Pasten je nach Beschaffenheit der Zähne sogar schädlich sein. Pasten mit RDA-Werten über 70 schmirgeln den Zahnschmelz auf den Zähnen ab und sind für den Dauergebrauch nicht geeignet, sagt Hohaus. Bei Menschen mit sensiblen Zähnen und freiliegenden Zahnhälsen entstehen durch aggressive Putzkörper starke Verkratzungen und Schäden an der Zahnsubstanz. Diese wiederum können zu Verfärbungen führen.

  • Heller durch Peroxide

Abhilfe bei Verfärbungen auf den Zähnen versprechen auch Aufhellpasten, die Bleichmittel wie zum Beispiel Wasserstoffperoxid beinhalten. Bekannt ist diese aggressive Chemikalie aus dem Frisörsalon. Sie wird unter anderem zum Bleichen von Haaren eingesetzt. Im Mund ist die Anwendung aus Sicht der Chemikerin der Verbraucherzentrale NRW problematisch, denn „Peroxide sollten nicht mit dem Zahnfleisch oder der Mundhöhle in Berührung kommen“, sagt sie. Denn bei der chemischen Reaktion mit Peroxid wird der Zahnsubstanz Wasser entzogen. Dadurch werden die feinen Dentinkanälchen freigelegt, die von außen den Zahn überziehen. Der Effekt: Die Zähne reagieren überempfindlich auf Reize. Um mögliche Nebenwirkungen wie Reizungen des Zahnfleisches und eine erhöhte Empfindlichkeit der Zähne zu minimieren, ist die Menge in Zahnpasten sehr niedrig dosiert. Laut Hohaus dann aber wiederum zu niedrig, um eine aufhellende Wirkung zu erzielen. Auch er rät von einem Dauergebrauch ab.

  • Desinfektionsmittel Triclosan

Seit Jahren sprechen sich Umwelt- und Verbraucherschützer gegen die Verwendung des antibakteriell wirkenden Mittels Triclosan in Kosmetikprodukten aus. Dennoch wird es wegen seiner bakterien- und geruchshemmenden Wirkung nicht nur in Spülschwämmen, Sportbekleidung oder Waschmitteln verwendet, sondern etwa auch in der Zahnpasta „Colgate Total“, sagt Chemikerin Etzenbach-Effers. Aus ihrer Sicht ist das ein Skandal. Erlaubt ist der umstrittene Stoff zudem in Körperseife, Mundwasser, Duschgel, Schminke oder Deo.

„2016 wurde in den USA Triclosan und weitere umwelt- und gesundheitsschädigende Keimkiller in abspülbaren Hand- und Körperreinigungsprodukten verboten“, heißt es aus der Verbraucherzentrale. Hierzulande sei er hingegen nur für Mittel verboten, die großflächig auf die Haut aufgetragen werden, sagt Etzenbach-Effers. Der Einsatz des Mittels sei nicht nur für die Umwelt problematisch, sondern fördere zudem die Entwicklung von Antibiotikaresistenzen und könne Allergien hervorrufen. „Unter UV-Bestrahlung können sich daraus in der Umwelt sich noch giftigere Dioxine bilden“, sagt die Chemikerin. Auch eine organschädigende Wirkung werde diskutiert.

Das Bundesinstitut für Risikobewertung empfiehlt darum den Gebrauch auf den medizinischen Bereich zu beschränken. „An der Entscheidung darüber, ob Zahnpasta ein medizinisches Produkt ist oder nicht, scheiden sich die Geister“, sagt Zimmer.

  • Schäumende Tenside

Zahnpasten enthalten als wichtigen Hauptbestandteil Tenside wie Natriumlaurylsulfat (Englisch: Lauryl Sulfate, deshalb SLS) oder Sodiumlaurylsulfat. Diese sind wegen ihres schaumbildenden und waschaktiven Effekts auch vielen Körperpflegemitteln wie Shampoos oder Duschgel sowie Waschmitteln beigemischt. Im Mund helfen sie beim Verteilen der Zahnpasta-Inhaltsstoffe und beim Entfernen von Plaque.

Im Mund wie in der Waschmaschine sorgen Tenside für einen gut sichtbaren Effekt: sie bilden Schaum. In der Paste ist das erwünscht, weil es laut Zimmer die Putzmotivation fördert. Studien haben gezeigt: Macht sich im Mund ein fahles Gefühl statt Schaumbläschen breit, wird weniger lange geputzt. Im Durchschnitt tun die Deutschen das ohnehin schon: Im Schnitt bleibt die Bürste statt der empfohlenen drei Minuten zweimal am Tag nur 90 Sekunden im Mund.

Chemikerin Etzenbach-Effers verweist jedoch auf die nachteiligen Effekte von Sodiumlaurylsulfat in Zahncreme und stuft dieses als aggressiv ein. Es wirkt laut ihrer Einschätzung stark reizend auf die Schleimhäute. Eine hohe Dosierung von Tensiden führe zu einer Erweichung der Schleimhaut, sagt Hohaus. Noch vor einigen Jahren konnte er in seiner Praxis den Effekt hoch dosierter Tenside in Zahnpasten in seiner Praxis sehen: „Bei einer Daueranwendung entwickelte das Zahnfleisch der Patienten eine schwammige Struktur“, sagt er.

Natriumlauryl wird aufgrund seiner Reaktionsfreudigkeit auf der Haut als positive Gegenprobe bei Allergietests verwendet, sagt Etzenbach-Effers. Laut Studien könne die Verwendung von Tensiden zudem zu häufigerer Aphtenbildung führen. In der Studie allerdings wurde der Wirkstoff per Schiene auf die Zähne aufgebracht, statt damit zu putzen, sagt Zahnpräventionsexperte Stefan Zimmer. Dennoch empfiehlt auch er bei immer wiederkehrender Aphtenbildung in Zusammenhang mit Nahrungsmittelunverträglichkeiten zu Zahnpasten, die Betaine statt SLS enthalten. Diese seien auch in Kinderpasten enthalten und deutlich milder.

  • Fluorid – auf die Menge kommt es an

Fluorid gilt als Stoff, der die Zähne am wirksamsten vor Karies schützt. Es lagert sich in der obersten Schicht des Zahnschmelzes ein und macht den Zahn härter und säurebeständiger. Laut Kosmetikverordnung darf die Menge von 1500 Parts per Million (ppm) Fluorid in Zahncremes des täglichen Gebrauchs nicht überschritten werden, da es sonst zu einer Gefahr der Überdosierung kommen kann. Erwachsenenzahncremes enthalten die maximal erlaubte Menge. Für Kinderzahncremes empfehlen die Bundeszahnärztekammer und die Deutsche Gesellschaft für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde einen Fluoridgehalt von 500 ppm.

Die Dosierung ist bei Kinderzahncreme geringer, weil Fluorid in zu hoher Dosierung die Bildung des Zahnschmelzes beeinträchtigen und zu bleibenden weißen Flecken auf den Zähnen führen kann. Diese Gefahr besteht vor allem, wenn Kinder nicht nur mit Fluorid versetzte Zahncremes verwenden, sondern zusätzlich Fluorid-Tabletten bekommen, sagt Michael Hohaus. Auch das BfR weist darauf hin, dass die Aufnahme von Fluorid über verschiedene Quellen vermeiden sollte. Die Zahnärzte empfehlen darum, auf Fluorid-Tabletten zu verzichten. „Besser ist die lokale Wirkung direkt am Zahn“, sagt Hohaus.

Wichtig ist auch hier vor dem Putzen der Blick auf die Tube: Nur rund 90 Prozent der angebotenen Zahncremes enthalten das schützende Fluorid. Vor allem bei in Bioläden und Reformhaus angebotenen Produkten kann dies laut Aussage der Experten ganz fehlen.

  • Stimmt das: Ist die Paste weiß, werden es die Zähne auch?

Hinter der Bezeichnung CI 77891 oder E171 verbirgt sich eine Chemikalie, die am häufigsten in Lacken und Farben zu finden ist. Sie steckt jedoch ebenso in Sonnencreme und auch Zahnpasta. Es ist das weiße Pigment Titandioxid. Dieser Stoff sorgt für den optisch hellen Effekt der Zahncreme. Allerdings ist Titandioxid umstritten. Uneinigkeit herrscht darüber welchen Effekt der Stoff auf den menschlichen Körper haben könnte.

„Man geht davon aus, dass es als Nanopartikel in die Blutbahn und auch Zellen eindringen kann“, sagt der Hohaus. Wissenschaftler sehen das als problematisch an, weil das Pigment krebserregend sein könnte. Französische Forscher zeigten im Tierexperiment, dass es sich negativ aufs Immunsystem auswirken und das Wachstum von Tumoren fördern kann. Was genau allerdings Titandioxid-Partikel im menschlichen Körper anstellen können, weiß man nicht. Wohl aber ist bekannt, dass sie sich großräumig im Körper verteilen und nur sehr langsam abgebaut werden.

Um zu entscheiden, welche Zahnpasta am besten zur Pflege der eigenen Zähne verwendet wird, empfehlen die Experten das Gespräch mit dem eigenen Zahnarzt. Daneben testen sowohl die Stiftung Warentest wie auch Ökotest regelmäßig Zahnpasten. Wer aus gesundheitlichen Gründen auf bestimmte Inhaltsstoffe verzichten möchte, kann in den Tests Hilfestellung finden.

Mehr von RP ONLINE