Konflikte im Büro: Sachlich streiten bringt oft nichts

Konflikte im Büro : Sachlich streiten bringt oft nichts

München (RPO). Wenn es im Büro kracht, hört man häufig diesen Satz: "Lassen Sie uns bitte sachlich bleiben". Doch genau das bringt häufig nichts. Denn hinter dscheinbar fachlichen Problemen verbergen sich oft emotionale Konflikte, die man nicht wegrationalisieren sollte.

"Fast immer sind persönliche Dinge mit dabei", sagte der Psychiater Peter Teuschel aus München im Gespräch mit dem dpa-Themendienst. Vieles laufe unterschwellig ab, wenn Mitarbeiter aneinandergeraten: "Da können Neid und Eifersucht eine Rolle spielen, oder auch Rachegelüste." Um solche Konflikte zu lösen, muss man dahin gehen, wo es wehtut: Auf die Gefühlsebene. Denn wenn der angestaute Frust einmal zur Sprache kommt, falle es leichter, sich zu vertragen.

Um den eigenen Ärger loszuwerden, muss man sich nicht gleich anschreien. Es helfe oft schon, wenn einer der beiden Streithähne im Vier-Augen-Gespräch mit dem anderen einmal ausspricht, dass er wütend war oder eine Äußerung verletzend fand. "Ich kann zum Beispiel sagen: 'Ich hab' bei mir gemerkt, dass mir der Gaul durchgegangen ist'", erläuterte Teuschel. "Das nimmt dem anderen den Wind aus den Segeln."

Einer müsse allerdings den ersten Schritt machen und in Vorleistung gehen, indem er seine Gefühle in Worte fasst. Das dürfe außerdem nicht wie ein Vorwurf klingen. "Ich finde, Du hast da überreagiert" ist also der falsche Satz, um einen Streit beizulegen. "Sonst geht's gleich wieder los."

Bekommen sich zwei Mitarbeiter im Marketing zum Beispiel beim Entwickeln von Ideen für eine neue Werbestrategie in die Haare, sei der eigentliche Grund womöglich das Karrierestreben der beiden. "Der Chef schaut ja zu, wie auf der Bühne gekämpft wird", sagte Teuschel. "Da denkt der eine vielleicht, dass er ein paar Punkte gutmachen kann."

Wird es dann hitzig, bringt es wenig, das Thema vernünftig auszudiskutieren. Denn lange Debatten darüber, wer in der Sache recht hat und wer nicht, werden den Streit in solchen Fällen nicht beenden. Sein Kern liegt schließlich ganz woanders. "Es geht dann nicht mehr um die Frage: Wer hat die beste Idee?", führte Teuschel aus. "Sondern nur noch darum: Wer gewinnt den Wettlauf?"

Konflikte nur wegrationalisiert

Aspekte wie Neid und Missgunst werden zunächst aber häufig ausgeklammert, wenn ein Streit unter Mitarbeitern beigelegt werden soll. So werde typischerweise zuerst versucht, den Konflikt durch inhaltliche Diskussionen zu lösen, erklärte Teuschel. "Da wird der Konflikt wegrationalisiert. Man sagt sich: 'Ich hab ja auch Verständnis für Deine Sicht' und 'Mach mal nicht so ein Drama daraus'."

Gärt der Konflikt aber weiter, weil er auf der Gefühlsebene ungeklärt bleibt, werde er daraufhin nur noch emotionaler. "Da gerät die Sachdebatte dann endgültig ins Wanken, und es geht es nur noch um die Frage: Wie kriege ich meinen Willen durch?", sagte Teuschel.

Will dann keiner der beiden Streithähne klein beigeben, müsse zur Not ein Dritter eingreifen und vermitteln. "Das ist, wie wenn zwei Kinder streiten: Die Mama muss schlichten", ergänzte Teuschel. Das könne auch ein Kollege tun, wenn er mindestens gleichrangig ist und sein Wort von beiden Betroffenen akzeptiert wird. Andernfalls müsse der Chef die Sache in die Hand nehmen.

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(tmn/mais)
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