Firmengründung mit Freunden: Unbedingt alles schriftlich regeln

Firmengründung mit Freunden : Unbedingt alles schriftlich regeln

Ratingen (RPO). Bei Geld hört bekanntlich die Freundschaft auf. Das gilt auch, wenn man zusammen mit einem Freund eine Firma gründen will. Lockere Absprachen sind dann fehl am Platz. Mit einem schriftlichen Vertrag ist man auch im Problemfall auf der sicheren Seite.

"Man sollte also nicht sagen: 'Wir vertrauen uns ja eh'", warnte der Karriereberater Theo Bergauer im Gespräch mit dem dpa-Themendienst. Vielmehr sollten befreundete Existenzgründer das Geschäftliche stets schriftlich regeln. "Am besten macht man einen Vertrag wie mit einem Fremden", rät Bergauer, der in Ratingen arbeitet. "Ansonsten kann es später leicht passieren, dass man sich doch in die Haare kriegt." Das gelte vor allem, wenn die Firma in finanzielle Schwierigkeiten gerät. Dann bewahrheite sich schnell der Satz: "Beim Geld hört die Freundschaft auf."

Generell gelte beim gemeinsamen Schritt in die Selbstständigkeit: "Man muss die Freundschaft und das Geschäft trennen", empfahl Bergauer. Denn mit Freunden zu arbeiten, klingt zwar nach viel Spaß. Eine Firma zu führen und damit auf eigenen Beinen zu stehen, verlangt Gründern aber einiges ab. Sie dürften daher nicht erwarten, dass die anfängliche Euphorie ewig hält, gab Bergauer zu bedenken. Der Start sei immer toll - irgendwann folge in der Regel aber eine Phase der Ernüchterung. "Das ist wie in einer Ehe." Wer sich hinterher nicht vor Gericht streiten will, sollte alle Fragen rund um eine mögliche "Scheidung" also besser vorher regeln.

Die vereinbarten "Spielregeln" für die Zusammenarbeit in der gemeinsamen Firma sollten zum Beispiel das Thema Arbeitszeiten behandeln. Dazu gehört auch die Frage, ob die Arbeit als eigener Chef eine Vollerwerbstätigkeit oder nur ein Nebenverdienst sein soll. Ansonsten droht leicht ein Streit darum, wie viel Zeit die Gründer in ihr Projekt investieren wollen, wie Bergauer erläuterte. "Dann heißt es zum Beispiel: Ich hänge mich hier rein, und Du fährst jetzt in den Urlaub und vernachlässigst das Geschäft." Gründer sollten sich Bergauer zufolge daher vorab die Fragen stellen: Was erwarte ich von Dir? Und was kannst Du einbringen?

Ein weiteres Konfliktthema sei der Umgang mit Umsätzen und Gewinnen der Firma. "Da stellt sich die Frage: Kann man Geld davon entnehmen? Oder brauchen wir das, um auf der sicheren Seite zu sein?", erklärte Bergauer. "Wenn es eine Weile gut läuft, denkt der eine vielleicht: 'Jetzt gönne ich mir mal einen Firmenwagen.'" Will der andere das nicht, ist der Streit programmiert.

Sinnvoll sei es, für solche Fragen einen externen Partner als Beirat ins Boot zu holen, riet Bergauer. Dieser könne als unabhängige Instanz eher Ratschläge geben, die von allen akzeptiert werden. "Ansonsten heißt es ja leicht: 'Wir sind hier beide gleichberechtigt, von Dir lass' ich mir nix sagen.'"

Hier geht es zur Infostrecke: Existenzgründungen: Niederländer sind mutiger

(tmn/mais)
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