Wim Wenders und Klaus Dinger

1. Wim Wenders zum Interview getroffen. Nach dem offiziellen Teil sprachen wir über Musik. Wenders ist ein Vinyl-Käufer. Er besitzt einen Plattenspieler, mit dem er die LPs direkt auf den iPod bringt.

Downloads kauft er gar nicht. Zuletzt fand er die Alben von Glasvegas und Peter Doherty bemerkenswert. Und die aktuelle Platte von U2 - die zwar erst nach einer Woche Hörens, aber dann hat sie ihn auch so richtig begeistert, wie er sagte. Man hört den Einfluss von Brian Eno, sagte ich. Und Wenders nickte und sagte, das sei ja auch gut so. Überhaupt sei es faszinierend, wie präsent Brian Eno zurzeit ist. Er empfahl dann noch dessen Zusammenarbeit mit U2 unter dem Namen The Passengers. Zu fünft haben sie Musik für imaginäre Filme produziert.<br />2. Vor einem Jahr starb Klaus Dinger, der Düsseldorfer Gitarrist und Schlagzeuger. Zu Lebzeiten war er chronisch unverstanden, so wirkt es auf mich. Sicher hat er es sich selber auch nicht immer leicht gemacht. Er trommelte auf dem ersten Kraftwerk-Album, gründete Neu! und La Düsseldorf, und man sah ihn bis zuletzt in weißer Latzhose in der Altstadt. Mir ist erst in den vergangenen Monaten aufgefallen, wie viele Künstler Klaus Dinger verehren. Die Bewunderung von David Bowie ist längst legendär. Aber auch aktuelle Bands wie Oasis und Placebo berufen sich auf ihn. Die alten Platten erleben Neuauflagen, und in England soll es demnächst einen Tribute-Sampler geben.
3. Ich traf Dinger vielleicht anderthalb oder zwei Jahre vor seinem Tod. Ich wusste damals nicht so richtig viel über ihn, wollte eigentlich am liebsten Geschichten darüber hören, wie das bei Kraftwerk war. Dinger erschien mit einer Japanerin, sie war Künstlerin und zeigte mir ihre Werke. Dinger erzählte fast nur von Japan, wie er dort verehrt werde, wie viele CDs mit seiner Musik dort kursierten, die man hier gar nicht kenne. Heute tut es mir leid, dass ich zu der Zeit noch nicht gesehen habe, was für tolle Sachen der Mann gemacht hat.
4. Klaus Dinger hatte einen Bruder: Thomas. Mit ihm gründete er La Düsseldorf, und 1982 ("aufgenommen vom 19.8. ´81 bis 32.10. ´81" steht auf der Innenhülle) veröffentlichte Thomas Dinger eine Solo-LP bei Telefunken: "Für mich". Das ist eine wunderbare Platte, klingt stark nach La Düsseldorf, ist aber sehr viel elektronischer, elegischer. Empfehlung.