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Geh nach unten und lass dich erleuchten

Geh nach unten und lass dich erleuchten

1. Man muss dem "Salon des Amateurs" dankbar sein: Für den 24. April haben sie Shackleton eingeladen, den Dubstep-Schlangen-Beschwörer. Das ist was ganz Besonderes. Der Mann aus England, der inzwischen in Berlin lebt, wie ich las, ist einer der geheimnisvollsten und interessantesten Produzenten des Genres. Seine Stücke, die er auf 100 BPM drosselt, sind extrem düster und schwer, aber nicht so wie bei Burial etwa, sondern orientalischer, mystischer. Sie erzählen nicht von alltäglichen Begebenheiten, sondern von Erleuchtung und Erlösung, sie ziehen dich weiter runter und künden doch von Höherem. Der Klang ist auf die Percussion zugeschnitten, die in einem ultrafetten Subbbass-Gewitter tanzt. Oft spielt Shackleton Stimmen ein, da brummelt jemand Unverständliches, Beschwörungen wohl; manche seiner Tracks haben mehr Lyrics als ein durchschnittlicher Song von P. Diddy. Beste Veröffentlichungen: Ricardo Villalobos' über zwei Plattenseiten wuchernder Remix von "Blood on my Hands" und die Maxi "Soundboys Suicide Note" mit dem Stück "In the Void".

2. Am Sonntag bei "Animal Collective" im Kölner "Gloria" gewesen. Fing elegant an, mit einem Kutte tragenden Pantha du Prince als Vorprogramm, der hat die Jungs aus USA ja schon remixt. Animal Collective selber hat mich dann sehr begeistert. Ich glaube, dass das Trio eher Liveband als Album-Gruppe ist. Mit den Platten bin ich nämlich nie so richtig warm geworden, vor allem nicht mit "Strawberry Jam". Erst "Merriweather Post Pavillon" gefiel mir durchgängig, haute mich aber auch nicht um. Der Höhepunkt des Konzerts, bei dem ein gewaltiger Leuchtball über dunkler Bühne psychedelisch engestrahlt wurde, war "My Girls", der Hit der aktuellen LP. Starke Beach-Boys-Assoziationen, sehr dicht und mitreißend und ganz offensichtlich zeitgenössisch.

3. Jetzt hat das US-Label Men with Beards, das immer so schöne Reissues veröffentlicht (Eno & Cluster!) die Platten von La Düsseldorf wiederaufgelegt. "Düsseldorf" und "Viva" liegen nun 180 Gramm schwer auf dem Teller und kosten je knapp 20 Euro. Die Originale findet man allerdings immer noch auf jeder Plattenbörse für einen Zehner. Vor allem "Düsseldorf" sollte man besitzen, wegen "Time".