1. Kultur
  2. Musik
  3. Holstein hört

Auf Miele kannste dich verlassen

Auf Miele kannste dich verlassen

1. Heute ist die Stehlampe kaputt gegangen. Ich war nur mal Händewaschen. David, Hände, Kabel, ziehen, fallen, weinen, Sicherung raus. Alles innerhalb von vielleicht 70 Sekunden. Ich beschloss, erst am Abend zu duschen.<br />2.

David isst nicht gern Brei. Er muss aber. Sein Kinderstuhl steht vor dem Wäschetrockner. Ich fand heraus, dass er gedankenverloren den Mund öffnet, wenn man so tut, als kontrolliere man den Trockner. Er steht auf Technik: Lichtschalter, Thermostat, Stehlampe. Mit der einen Hand öffnete ich also die Trocknertür, sagte dazu "aha" oder "auweia" und mit der anderen Hand steckte ich den Löffel in Davids Mund, sobald er ansatzweise aufging. Das klappte ganz gut, war aber recht anstrengend, weil David immer mehr wollte und ich den letzten Löffel nur in den Mund bekam, weil ich diesen langen Sammelbehälter für das Wasser hochkant auf den Tisch gestellt hatte und dazu "auf Miele kannste dich verlassen" sagte.
3. Mittags Spaziergang. Wollte bei Curry im Hafen essen. Auf halbem Weg dorthin schlief David ein. Er schläft mittags selten länger als 20, 30 Minuten. Also machte ich Umwege. Würde ja nicht lange dauern. Aber David schlief. 30 Minuten, 60, 90. Als er aufwachte, war ich längst auf dem Rückweg.
4. Am Landtag trafen wir auf ein Team des WDR. Da schlief David noch. "Dürfen wir Sie kurz etwas fragen?" Interviewer, Kameramann, Assi. Ich wollte nicht ins Fernsehen. Nicht mit Fettighaar und Augenring. Außerdem befürchtete ich, David könnte aufwachen durch die Fragerei. Andererseits wollte ich nett sein, Verständnis zeigen, kenne solche Situationen ja. Aber ich fand nicht die richtigen Worte. "Oh, das geht gerade gar nicht", flüsterzischte ich. "Schönen Tag noch", war die Antwort.
5. Nachmittags kam das Kindermädchen. Ich hatte zwei Stunden frei. Ich hätte gern geschlafen, aber Hinlegen kommt irgendwie komisch, wenn nebenan Sohn und Kindermädchen spielen. Außerdem hätte ich als Kindermädchen auch keine Lust, dass ständig die Eltern dabei sind, wenn ich aufpasse. Also ging ich essen, las "Gala" und danach war ich im Plattenladen. Schön.
6. Abends mit David zum Stern-Verlag. Kinderbuchabteilung. Er stellte sich ans Regal, ich saß am Kindertisch. Er lachte, ich auch. Die Buchhändlerin sagte: "So gute Laune kurz vorm Zubettgehen?" Ich dachte: Ja, lächelte und meinte das Zubettgehen.
MUSIK: Meine Freizeit-Einkäufe: Stereociti: "Early Light" (Mojuba) und Ultravox: "Vienna" (Island).