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Ulrike Langer: Uber macht mir ein schlechtes Gewissen

Kolumne "Total Digital" : Uber macht mir ein schlechtes Gewissen

In Deutschland wird der Mitfahrdienst kritisch betrachtet - vor allem von der Taxi-Branche. Auch in den USA stößt das Start-up jetzt auf Kritik. Doch Fahrten mit Uber sind nach wie vor billiger. Ein Dilemma für viele Taxi-Kunden.

Die Mitfahr-Plattform Uber ist für mich ausgesprochen praktisch. Zum Beispiel auf dem Weg zum Flughafen: Ein um 4 Uhr nachts mit drei Button-Berührungen in der Smartphone-App bestellter Fahrer ruft sofort zurück. Auf dem Display kann ich sehen, wie sich das kleine schwarze Autosymbol in Echtzeit auf der integrierten Google-Karte nähert. Nach fünf Minuten ist der Fahrer da und nach 20 Minuten liefert er mich am Flughafen ab. Besser geht es nicht. Das sehen Millionen von Amerikanern genauso.

In Deutschland dagegen wird Uber viel kritischer betrachtet. Vor allem von der Taxi-Branche: Uber-Fahrer müssen keine Ortskenntnisprüfung ablegen. Sie besitzen keine Taxilizenz. Die Haftungsfrage bei Unfällen ist nicht eindeutig geklärt. Was zumindest teilweise mit Besitzstandswahrung eines Monopols aus analogen Zeiten erklärt werden kann.

Doch nun stößt Uber auch in den USA immer stärker auf Kritik. Generell sind Amerikaner fortschrittsgläubiger als Deutsche und probieren digitale Innovationen erst einmal neugierig aus. Wenn aber Verstöße gegen das Fairplay oder Diskriminierung vermutet werden, dann kann das Wohlwollen auch schnell ein Ende haben.

Das Start-up ist derzeit in einen Skandal nach dem anderen verwickelt. Erst sollen Uber-Fahrer mit höchst unfairen Methoden vom Konkurrenten Lyft abgeworben worden sein. Dann gab es eine sexistische anmutende Aktion, bei der (männliche) Nutzer gezielt aufreizend gekleidete Fahrerinnen anfordern konnten. Dann wurden die Verdienstmargen für Fahrer gesenkt. Und schließlich plauderte ein Manager bei einem Abendessen mit einflussreichen New Yorkern freimütig über die Möglichkeit, unliebsame Journalisten, und vor allem eine kritisch berichtende Techbloggerin, unter Druck zu setzen.

All das sorgt bei mir dafür, dass ich Uber zurzeit nur noch mit schlechtem Gewissen benutze. Aber die App habe ich nicht von meinem Smartphone gelöscht. Kürzlich stand ich nach einem langem Transatlantikrückflug aus Deutschland wieder einmal zu später Zeit am Flughafen von Seattle. Eine Taxifahrt nach Hause hätte inklusive Trinkgeld mehr als 60 Dollar (rund 48 Euro) gekostet. Eine Fahrt mit Uber war halb so teuer. Unterwegs plauderte ich mit der Fahrerin über das Unternehmen. Sie fährt gerne, vor allem nachts, weil sie nach Belieben Fahrten annehmen kann, während ihr Mann bei den Kindern bleibt. In dem Moment fuhr ich gerne mit Uber. Mal sehen, wie lange noch.

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Ulrike Langer ist freie Korrespondentin an der US-Westküste und Digital-Expertin. Ihre Meinung? Schreiben Sie unserer Autorin: kolumne@rheinische-post.de Sie ist auch auf Twitter unter @UlrikeLanger und in ihrem persönlichen Blog erreichbar.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Eindrücke von der Taxi-App Uber

(RP)