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Vapiano macht 46 Millionen Euro Verlust

Kriselnde Restaurantkette : Vapiano macht 46 Millionen Euro Verlust

Die Restaurantkette rutscht tiefer in die roten Zahlen. Wenigstens ist das Minus im dritten Quartal nicht gewachsen. Das Management sieht Fortschritte bei der Sanierung. Doch Vapiano wächst nur noch dank Neueröffnungen.

Im Juni 2017 hat die Restaurantkette Vapiano einen respektablen Börsenstart hingelegt. Damals kostete die Aktie 24 Euro, das gesamte Unternehmen war mehr als 500 Millionen Euro wert. Knapp zweieinhalb Jahre später spiegelt der Auftritt am Aktienmarkt pure Tristesse: Die Marktkapitalisierung ist gewaltig geschrumpft, der Börsenkurs auf vier Euro gefallen. Das ist meilenweit von dem weg, was sich die Unternehmensführung einst an Potenzial ausmalte.

Auch wenn der Kurs gestern zwischenzeitlich zugelegt hat. Der Anstieg war Ausdruck der Hoffnung, dass die Sanierung der krisengeschüttelten Kette endlich Erfolg hat. Die blanken Zahlen indes spiegeln das nur begrenzt. Im dritten Quartal des Geschäftsjahres 2019 hat sich der Verlust bei nahezu zwölf Millionen Euro zwar stabilisiert, aber für die ersten neun Monate ergibt sich immer noch ein Minus von 46 Millionen Euro. Der Umsatz ist um mehr als neun Prozent auf 295 Millionen Euro gestiegen, doch das verdankt Vapiano ausschließlich Zukäufen. Auf vergleichbarer Fläche sanken die Erlöse um mehr als vier Prozent. Dass der Durchschnittsbon um fünf Prozent auf zwölf Euro gewachsen ist, Einzelkunden also mehr ausgeben als bisher, verstärkt da eher noch das Gefühl von Erosion bei den Kundenzahlen.

Unternehmenschefin Vanessa Hall macht dennoch in Optimismus. Sie sieht erste Fortschritte bei der Sanierung und erklärt, das Geschäft sei zuletzt im Rahmen der Erwartungen gelaufen. Von den hoch fliegenden Wachstumsplänen, bei denen sich das Unternehmen gewaltig verhob, hat sich Vapiano verabschiedet. Profitabilität statt Größe heißt das Gebot der Stunde in einem Unternehmen, das sein enormes Wachstum mit hohen Abschreibungen und immens wachsenden Betriebskosten bezahlt hat.

Im Februar hat der damalige Chef Cornelius Everke das Zukunftsprogramm vorstellte. Ein halbes Jahr später war Everke „im Einvernehmen“ mit dem Aufsichtsrat schon wieder weg, doch das Programm läuft weiter. Es sind defizitäre Standorte geschlossen wurden; die Speisekarte wurde bereinigt, dafür kamen Rabattaktionen wie „Lucky Lunch“, Kinder- und Familienhits wie Pasta Bolognese oder Pizza Salami und anderes ins Angebotssortiment. Die Abläufe in den Restaurants sollten optimiert werden, damit die Kunden beim Essenholen nicht wie häufig in der Vergangenheit in schier endlosen Warteschlangen stehen. Das war bisher ein Kardinalproblem der Kette – abgesehen von der Frage, ob das Selbstbedienungskonzept auf Dauer noch Sinn macht.

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An der Börse ist die Zuversicht der Konzernchefin am Mittwoch jedenfalls nur vorübergehend gehört worden. Mehr als dreieinhalb Prozent gewann die Vapiano-Aktie zwischenzeitlich an Wert, aber am Abend drehte der Kurs deutlich ins Minus. Wer die Einschätzungen von Analysten liest, findet derzeit kaum jemanden, der das Papier zum Kauf empfiehlt. Das durchschnittliche Kursziel liegt bei 8,12 Euro, aber das wäre schon fast eine Verdoppelung gegenüber dem aktuellen Stand.

Die Analysten-Vorsicht mag auch damit zu tun haben, dass das Management erst im übernächsten Jahr mit einer Rückkehr in die Gewinnzone rechnet, eine Dividendenzahlung an die Anteilseigner, die es seit dem Börsengang noch nicht gegeben hat, somit weiter kein Thema ist. In solche Aktien investieren Anleger auch bei Tiefkursen nur mit erwartbarem Aufwärtspotenzial. Das ist bei Vapiano noch mit Fragezeichen verbunden.