Bei Eurowings und Lufthansa drohen wieder Streiks

Tarif-Frieden gilt nicht mehr : Bei Lufthansa drohen Streiks vor Weihnachten

Ab Ende nächster Woche könnten Flüge ausfallen. Die geplante Schlichtung ist abgesagt. Anfang November fielen bereits 1300 Flüge aus. Ein Experte rät, einen Mediator einzuschalten.

Der vor einer Woche per Handschlag verkündete Tarif-Frieden im Lufthansa-Konzern ist am Mittwoch wieder obsolet geworden. Die Gewerkschaft der Flugbegleiter Ufo droht der Lufthansa und ihren Tochterfirmen wie Eurowings neue Streiks ab Donnerstag nächster Woche an, falls der Vorstand Ufo nicht weiter entgegenkommt. „Sollte nichts geschehen, werden wir am Donnerstag ankündigen, wo und wann wieder gestreikt wird“, sagte Nicoley Baublies, Sprecher von Ufo. Arbeitskämpfe seien auch in der Weihnachtszeit möglich. „Wir werden dann voraussichtlich zu langfristigen Arbeitskämpfen greifen müssen, denn anders hat es bisher nicht funktioniert bei diesem Konzern“, ergänzte Ufo-Vize Daniel Flohr. Flohr machte Lufthansa-Chef Carsten Spohr persönlich für das Scheitern der bereits vereinbarten Schlichtung verantwortlich. „Es kann nicht sein, dass Spohr das ausverhandelte Ergebnis wieder vom Tisch zieht“, sagte er.

Am Donnerstag vergangener Woche hatte die Arbeitsdirektorin Bettina Volkens mit Vertretern von Ufo den Einstieg in eine umfassende Schlichtung verkündet.

Hintergrund des drohenden Streiks ist ein Zerwürfnis zwischen Lufthansa und der durch innere Streitereien geschwächten Ufo, die sich wiederum durch die konkurrierende Verdi sowie eine andere Kleingewerkschaft bedroht sieht. Dabei kam es zum neuen Streit, weil Lufthansa für die Dauer von Schlichtungsgesprächen eine komplette Absage an Streiks im ganzen Konzern verlangt hatte. Ufo bot in der Nacht zu Mittwoch jedoch nur an, bei den Ablegern Germanwings, Eurowings, Cityline und Sunexpress „zunächst“ auf alle Arbeitskämpfe zu verzichten. Das reichte Lufthansa nicht, weil angeblich jederzeit neue Arbeitskämpfe hätten ausgerufen werden können.

Am 7. und 8.November hatte Ufo der Lufthansa ihre Kampfbereitschaft demonstriert: Die Airline war zwei Tage lang bestreikt worden. 1300 Flüge fielen aus, rund 200.000 Passagiere waren betroffen gewesen. Einen Eilantrag von Lufthansa gegen den 48-Stunden-Streik hatte das Arbeitsgericht Frankfurt abgelehnt, auch eine Berufung beim Landesarbeitsgericht war gescheitert.

Um zu verhindern, dass erneut wie schon Ende November viele hundert Flüge wegen Streiks ausfallen, schlägt der Gewerkschaftsexperte Hagen Lesch vom Institut der Deutschen Wirtschaft vor, dass Ufo und Lufthansa einen Mediator einschalten. „Es ist ärgerlich, dass solche Konflikte auf Kosten der Passagiere ausgetragen werden. Ein Mediator könnte Streiks verhindern“, sagt Lesch und ergänzt: „Die Streitparteien sollten einen Mediator einschalten, weil das Verhältnis ja extrem belastet ist. Erst wenn verbindlich geklärt wird, dass man sich wirklich einigen will, macht eine spätere Schlichtung Sinn.“ Außerdem würde eine Mediation dabei helfen zu klären, ob Ufo nun eine Friedenspflicht zugesagt habe oder nicht.“

Laut Lufthansa sind mit dem Scheitern der konzernweiten Schlichtung auch Zusagen an die Ufo und an die Beschäftigten hinfällig. Dazu gehören eine Einmalzahlung von je 1500 Euro an jeden Kabinen-Mitarbeiter und die Rücknahme einer Klage beim Arbeitsgericht Frankfurt, mit der Lufthansa den Gewerkschaftsstatus der Ufo in Frage gestellt hatte. Ohnehin noch nicht umgesetzt war die Wiedereinstellung von Ex-Ufo-Chef Baublies als Mitarbeiter bei Lufthansa. Er war entlassen worden, weil er angeblich gegen seinen Vertrag verstoßen hatte – ein ungewöhnliches Vorgehen gegen einen Belegschaftsvertreter, der Ufo nun als Sprecher dient.

Gewerkschaftskenner Lesch sagt: „Ufo fühlt sich massiv unter Druck. Am Ende kämpfen die ums Überleben als anerkannter Tarifpartner.“ Lufthansa verkündete am Mittwoch, bei Eurowings mit Verdi einen Vertrag abgeschlossen zu haben.“

Dabei drohen nicht nur beim Flugbetrieb Arbeitskämpfe. Kurz vor dem geplanten Verkauf der Lufthansa-Catering-Sparte LSG Sky Chefs hat Verdi dem Unternehmen mit Streiks gedroht. "Nach monatelangen Verhandlungen stehen die Beschäftigten kurz vor dem Verkauf der LSG mit leeren Händen da", kritisierte die Verdi-Verhandlungsführerin Katharina Wesenick am Mittwoch. Die Ungewissheit und Existenzangst unter den rund 7000 Beschäftigten in Deutschland seien so groß, dass kurzfristige Arbeitskampfmaßnahmen nicht mehr ausgeschlossen werden könnten.

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