Fresenius übernimmt Rhön-Klinikum-Kette: Krankenhaus-Fusion stößt auf Kritik

Fresenius übernimmt Rhön-Klinikum-Kette: Krankenhaus-Fusion stößt auf Kritik

Die Übernahme der Rhön-Klinikum-Kette durch Fresenius stößt auf Skepsis. Der Chef der AOK-Rheinland/Hamburg sieht die Vielfalt bedroht, Verdi sorgt sich um Jobs, die Ratingagentur Moody's schaut sich die Finanzkraft an.

Erst einmal Fakten schaffen, diskutieren kann man später. Nach diesem Motto verkündete Franceso de Meo, Chef des größten deutschen Klinikkonzerns Helios, am Freitag eine der wichtigsten Grundsatzentscheidungen nach der angekündigten Übernahme des zweitwichtigsten Betreibers Rhön-Klinikum.

"Das Unternehmen Helius-Rhön wird seinen Sitz in Berlin haben", sagte de Meo, also dort, wo Helios bereits residiert. Und man wolle als neues Gemeinschaftsunternehmen viel enger mit Krankenkassen und freien Ärzten kooperieren. De Meo: "Wir schaffen ein gemeinsames Unternehmen, durch das wir mit den Krankenkassen und niedergelassenen Ärzten neue Versorgungsmodelle flächendeckend entwickeln können."

Die Fusion wird auch Folgen für NRW haben. Einerseits profitieren die hiesigen Helios-Häuser wie beispielsweise in Krefeld, Bochum, Oberhausen oder Wuppertal sowie der Rhön-Ableger in Attendorn von der künftig noch größeren Einkaufsmacht des ersten bundesweiten Klinikkonzerns — so lassen sich beispielsweise Röntgengeräte billiger bestellen. Andererseits zeichnet sich ab, dass Helius-Rhön in NRW weitere Zukäufe wagen wird.

19 Häuser in NRW

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128 Häuser mit 39.000 Betten wird die neue Gruppe in Deutschland kontrollieren, doch in NRW als größtem Bundesland werden es gerade mal 19 Häuser sein. "Die werden sicher eine stärkere Präsenz in NRW suchen", sagt Wilfried Jacobs, Vorstandsvorsitzender der AOK Rheinland/Hamburg. Er rechnet damit, dass sowohl Kommunen wie Kirchen in den nächsten Jahren eine Reihe weiterer Häuser an den Branchenführer abgeben. Jacobs: "Damit droht die Vielfalt im Markt abzunehmen."

Die Patienten und erst recht die Mitarbeiter müssen sich Gedanken machen. Um Geld zu sparen, wird der Personaleinsatz bei Privatkliniken wie Helios straffer gemanagt als bei so manchem kirchlichen oder städtischen Haus — das hat auch Vorteile. Nach der Fusion steigt aber der Kostendruck: Denn Helios und sein Mutterkonzern Fresenius müssen den Preis von drei Milliarden Euro für Rhön wieder reinkriegen — immerhin wird eine Milliarde Euro mehr angeboten, als Rhön vor der Übernahmeankündigung von Donnerstag wert war. "Das läuft auf weitere Rationalisierungen hinaus", warnt Verdi.

Bisher investierten Helios und Rhön in Kliniken deutlich mehr als die finanzschwachen Kommunen. Doch dieser Vorteil könnte schwinden. Die Ratingagentur Moody's drohte damit, die Kredite von Rhön nach der Übernahme abzuwerten. Der Grund: Kredite an den Dax-Konzern Fresenius würden bereits bisher als relativ riskant gelten und werden nun überprüft. Wenn Rhön auch zu Fresenius gehöre, müsse man sich die Lage noch einmal anschauen. Das kann bedeuten: Geld wird knapp, Investitionen sinken.

(RP/das)
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