Köln: Rewe-Chef: 2,4 Milliarden für neues Wachstum

Köln: Rewe-Chef: 2,4 Milliarden für neues Wachstum

Der Kölner Handelskonzern schafft erneut einen Rekordumsatz -auch dank der Kaiser's-Übernahme, die eine Milliarde Euro brachte.

Am Ende seines ersten Jahres als Rewe-Chef wird Lionel Souque Ende Juni aller Voraussicht nach eine bittere Niederlage erlitten haben. Der Franzose, der 2017 die Nachfolge von Alain Caparros antrat, ist seit zwei Jahren Aufsichtsratsvorsitzender des Fußball-Bundesligisten 1. FC Köln und muss sich in dieser Funktion wohl mit dem Gedanken an die Zweite Liga vertraut machen. Souques Voraussage für den von Rewe gesponserten Klub: "Egal was passiert, 2019/20 spielt der FC auf jeden Fall in der Ersten Liga".

Soweit die sportliche Prognose des Mannes, der wie sein Vorgänger Krawatten hasst, andererseits nicht nur den Fußball liebt, sondern auch moderne Kunst. Und natürlich eine berufliche Leidenschaft für den Einzelhandel mitbringt. Die Vorhersage für die ökonomische Entwicklung seines Arbeitgebers klingt gleichermaßen zuversichtlich, aber sie scheint auch sicherer kalkulierbarer als die fußballerische Zukunft des Kölner Traditionsklubs.

Für das laufende Jahr hat Souque gestern Investitionen von etwa 2,4 Milliarden Euro angekündigt (davon 1,5 Milliarden Euro in Deutschland), dazu die Eröffnung beziehungsweise Verlagerung und Neueröffnung von 250 Rewe- und Penny-Märkten sowie natürlich massives Investment in die Digitalisierung. Der Franzose will den Anteil an eigenen Handelsimmobilien deutlich erhöhen. Derzeit gehörten nur fünf Prozent der Rewe-Filialen dem Unternehmen selbst, anders als im Ausland, wo dem Konzern 40 Prozent der Filialen gehören.

Der Wettbewerb werde extrem hart bleiben, sagte Souque. "Aber wir glauben, dass er auch in Zukunft nur durch umfassende Investitionen erfolgreich von uns gemeistert werden kann", so der Franzose. Die Umsatzentwicklung der ersten drei Monate des laufenden Jahres zeige, "dass wir auf dem besten Weg sind, wieder ein gutes Ergebnis zu erzielen". Das Umsatzplus bei Rewe und der Discount-Tochter Penny habe auf dem Heimatmarkt bei 6,5 Prozent gelegen, im internationalen Handel sogar bei 7,5 Prozent.

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Der Konzernchef hat dem Handelskonzern weiteres Wachstum verordnet und profitiert dabei vom Boom im deutschen Lebensmittelhandel. Mehr als 15 Prozent betrug das Umsatzplus in den deutschen Supermärkten im vergangenen Jahr, und das ist nicht nur auf den Zukauf von Kaiser's-Tengelmann-Filialen und Supermärkten der Sky-Gruppe zurückzuführen. Allein die 64 Berliner Märkte, die Rewe nach dem jahrelangen Gezerre von Tengelmann übernehmen durfte, haben den Kölnern eine Milliarde Euro an zusätzlichen Erlösen gebracht, aber auch ohne die Verstärkung aus Mülheim und ohne die Konsolidierung des Joint venture mit der Rewe Dortmund ist der Konzern noch um 4,4 Prozent gewachsen.

Unterm Strich steht ein neuerlicher Rekordumsatz von 49,4 Milliarden Euro (plus 8,3 Prozent), den Rewe auch dem Wachstum in den anderen Sparten (Penny, Toom-Baumärkte, Touristik) verdankt.

Das Ergebnis fällt naturgemäß nicht so stark aus, weil sich die Kaiser's-Übernahme und die Sanierung der Supermarktkette Sky beim Vorsteuergewinn (Ebita) 2017 mit Belastungen von 103 Millionen Euro bemerkbar machen. Andererseits hat Rewe im vergangenen Jahr von Steuererstattungen in dreistelliger Millionenhöhe profitiert.

Fazit: Mit 491 Millionen Euro ist das Ebita im vergangenen Jahr nicht einmal halb so hoch ausgefallen wie 2016 (997 Millionen Euro). Auch der Jahresüberschuss ist von 463 Millionen auf 338 Millionen Euro deutlich gesunken. Aus Sicht des Rewe-Chefs ist das aber nur ein vorübergehender Effekt. Nach 2019 werde der Kaiser's-Zukauf Rewe nicht mehr belasten. Sky werde sich im Zahlenwerk aber noch auf Jahre bemerkbar machen, räumte Souque gestern ein. Da ist der 1.FC Köln vermutlich schneller wieder zurück in der Bundesliga.

(RP)