Nach SPD-Vorschlag: Diese Rechte gelten beim Homeoffice

Trend Homeoffice : Rechte und Pflichten für das Arbeiten in den eigenen vier Wänden

Die SPD setzt sich für ein Recht auf Homeoffice ein. Viele Unternehmen bieten diese Möglichkeit schon an. Durch die Digitalisierung ergeben sich neue Chancen. Es gibt sogar erste Bäckereien, deren Bäcker von Zuhause aus arbeiten.

Die lange Fahrt zum Büro, die schwatzhaften Kollegen, der kontrollsüchtige Vorgesetzte – Arbeiten im Homeoffice kann seine Vorteile haben. Ein Allheilmittel ist es jedoch nicht. Experten warnen, dass zu Hause die Grenzen zwischen Privatem und Beruflichem verwischen. Mitarbeiter fürchten, dass ihre Arbeit im eigenen Heim nicht genauso wertgeschätzt wird wie im Büro. Dennoch versucht die SPD aktuell, das Recht auf Heimarbeit voranzutreiben.

Definition Die als Homeoffice bezeichnete Heimarbeit sieht explizit einen zweiten Arbeitsplatz vor – neben dem eigentlichen im Unternehmen. Damit ist ausdrücklich nicht die Arbeit in der Bahn, im Café oder auf der Parkbank gemeint. Letzteres wird unter dem Begriff des mobilen Arbeitens zusammengefasst. Anders als etwa in den Niederlanden gibt es in Deutschland keine gesetzliche Regelung zur Heimarbeit. Im Nachbarland ist der Chef gesetzlich dazu verpflichtet, das Gesuch seines Mitarbeiters zumindest zu prüfen. Hierzulande sind Mitarbeiter immer auf betriebliche Vereinbarungen angewiesen.

Mobiles Arbeiten Im heimischen Büro muss der Arbeitgeber für die nötige Ausstattung sorgen. „Streng genommen muss er Schreibtisch, Bürostuhl und PC bereitstellen und im Rahmen der Arbeitsstättenverordnung die Arbeitssicherheit und -ergonomie kontrollieren“, sagt Stefanie Wolter, wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung. Das Heimbüro kann man zumindest in Teilen von der Steuer absetzen. Anders sieht das beim mobilen Arbeiten aus, wenn die betriebliche Vereinbarung keinen expliziten Heimarbeitsplatz vorsieht. „Dann muss der Arbeitgeber auch keine Arbeitsmittel stellen“, erklärt Wolter. Unabhängig ob der Mitarbeiter zu Hause oder von unterwegs arbeite, das Gesetz zur Regelung der Arbeitszeit gelte dennoch. Wolter: „Pausen und Ruhezeiten zwischen den Arbeitstagen müssen auch zu Hause eingehalten werden.“

Geeignete Berufe Nicht alle Berufe sind gleichermaßen gut für Heimarbeit geeignet. Vor allem Berufe, die viel Kundenkontakt erfordern, haben es da schwer. Prinzipiell möglich ist das Homeoffice für reine Bürotätigkeiten. Allerdings müsse dort das Thema Datenschutz beachtet werden, warnt Wolter. Sensible Firmen- und Kundendaten etwa sind im heimischen Netzwerk womöglich nicht so gut gesichert wie im Unternehmen. Aber auch Fertigungsberufe können sich im Zuge der Digitalisierung zunehmend eignen. So führt Ufuk Altun, wissenschaftlicher Mitarbeiter im arbeitgebernahen Institut für angewandte Arbeitswissenschaft, an, dass es inzwischen auch eine Großbäckerei gebe, die dank Homeoffice auf die Nachtschicht verzichten könne. „Die Spätschicht bereitet alles vor, die Maschinen backen die Produkte pünktlich für die Frühschicht. Die Nachtschicht kann die Maschinen von zu Hause aus fernwarten, sollte ein Fehler auftreten“, erklärt Altun.

Yvonne Lott, Soziologin am Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Institut der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung, sieht auch für pflegende Berufe Möglichkeiten: Die Arbeit selbst könne natürlich nicht im Homeoffice verrichtet werden, aber die anschließende Dokumentation durchaus.

Vorteile für Arbeitnehmer Bei Befragungen geben Mitarbeiter oft die bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf an, sagt Lott. Auch dass sie die Fahrt zum Betrieb einsparen, ist für viele der Befragten ein großer Vorteil. Viele Mitarbeiter könnten sich zudem besser konzentrieren, wenn sie nicht durch Kollegen oder klingelnde Telefone abgelenkt würden. Die freie Einteilung der Arbeitszeit kann zudem dazu führen, dass Mitarbeiter ihre Arbeit besser um private Hobbies herum aufteilen können.

Die gleichen Punkte können sich aber auch nachteilig auswirken. Der enge Kontakt zur Familie kann ablenken, die Isolation von den Arbeitskollegen dazu führen, dass der Mitarbeiter nicht mitbekommt, was im Unternehmen passiert. Und vielleicht arbeitet er am Ende sogar mehr als vorgesehen. Der am häufigsten angeführte Grund gegen Heimarbeit ist aber die Befürchtung, in der Gunst von Kollegen und Vorgesetzten nicht so gut dazustehen. Arbeit, die nicht gesehen wird, wird auch nicht wahrgenommen, heißt es oft. „In vielen Unternehmen ist die Präsenzkultur immer noch weit verbreitet“, erläutert Lott.

Vorteile für Arbeitgeber Firmen punkten Wolter zufolge vor allem durch eine höhere Attraktivität als Arbeitgeber. Außerdem könnten diese durch den geschickten Einsatz von Heimarbeit Arbeitsplätze vor Ort einsparen. Das funktioniert aber nur, wenn es allen Mitarbeitern ermöglicht werde, im Homeoffice zu arbeiten. Auf der anderen Seite befürchten Firmen meist einen Kontrollverlust, wenn sie ihre Mitarbeiter von zu Hause aus arbeiten lassen. Daher ist es Altun zufolge wichtig, die Heimarbeit genau zu planen und Ziele genau zu definieren.