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Rom: Italiens Banken leiden unter der Dauer-Rezession

Rom : Italiens Banken leiden unter der Dauer-Rezession

Bankaktien stürzten ab, nachdem neun Häuser durchgefallen sind. Italien scheut Reformen und redet die Lage schön.

Frei nach dem Motto "Krise? Welche Krise?" nahm Italien sein miserables Stresstest-Ergebnis gelassen hin. Obwohl neun der 25 Banken, die in der Euro-Zone durch den Stresstest gefallen sind, aus Italien stammen, meinte Fabio Panetta, Vize-Chef der Banca d'Italia: "Die Ergebnisse zeigen ein insgesamt stabiles Bankensystem." Nur in einigen Fällen müssten Maßnahmen fortgesetzt werden. Italiens Bankenverband fand auch gleich einen Schuldigen: Die Europäische Zentralbank (EZB) habe ein Stress-Szenario entworfen, das Italien besonders betroffen habe. Die Börse konnten die römischen Weltverklärer nicht überzeugen: Die Aktie der Traditionsbank Monte dei Paschi brach um 15 Prozent ein und wurde vom Handel ausgesetzt. Die Banca Carige fiel um 18 Prozent. Ihnen fehlen zwei beziehungsweise eine Milliarde Euro Kapital, um eine Krise überstehen zu können. Das ist bitter für Monte dei Paschi, gilt sie doch als älteste Bank der Welt.

Nordea-Chefvolkswirt Holger Sandte hat das Ergebnis nicht überrascht. "Italiens Banken leiden unter der Dauerrezession im Land. Damit wachsen faule Kredite und Probleme der Banken." In zehn der vergangenen zwölf Quartale ist Italiens Wirtschaft geschrumpft. Italien habe einen Reformstau. Bürokratie und Arbeitsrecht machten den Unternehmen das Leben schwer. So verbiete das Arbeitsrecht (Artikel 18) Betrieben faktisch das Wachstum, weil ab 15 Beschäftigten die Rechte etwa bei Kündigungen enorm zunähmen. Die Gewerkschaften machen mobil gegen Pläne von Ministerpräsident Matteo Renzi, den Arbeitsmarkt zu reformieren.

"Wäre Italien unter den Rettungsschirm gegangen, hätten die Geldgeber mehr Reformen erzwungen", so Sandte. So ist es bei den Banken in Spanien geschehen, denen Madrid 2012 mit Unterstützung der Euro-Retter geholfen hat. Im Gegenzug mussten die Banken ihre Bücher öffnen und säubern. Folglich fiel beim EZB-Stresstest nur ein spanisches Haus durch: die Liber-Bank, die ihre Kapitallücke mittlerweile auch gestopft hat.

In Italien kommt hinzu, dass viele Banken schlecht gemanagt sind. Klüngel geht oft vor Eignung. Entsprechend hat der Währungsfonds bereits eine bessere Kontrolle durch die Aufseher angemahnt.

(RP)