Frauen haben es im Motorsport noch immer schwer

Danica Patrick die bekannteste Rennfahrerin: Frauen haben es im Motorsport noch immer schwer

Der Motorsport ist eine Männerdomäne: Benzingeruch, heulende Motoren und quietschende Reifen. In kaum einer Sportart ist das Testosteronlevel höher. Doch auch einige Frauen haben ihre (Reifen-)Spuren in der Geschichte des Sports hinterlassen.

Bis zur Gleichberechtigung im Motorsport ist es jedoch noch ein weiter Weg. Sponsoren und Teamchefs setzen auf Männer. Weibliche Top-Talente sind die Ausnahme im PS-Business, aber es gibt sie.

Das aktuell prominenteste Beispiel ist Danica Patrick (35) aus den USA. Die NASCAR- und IndyCar-Pilotin ist die einzige Frau, die bislang ein Rennen der IndyCar-Serie gewonnen und eine Pole Position in der NASCAR Cup Series erreicht hat.

2017 verdiente sie laut Forbes rund 12,2 Millionen Dollar und war damit die drittbestbezahlte Sportlerin des Jahres hinter den Tennisstars Serena Williams (27) und Angelique Kerber (12,6). Den Ruhm musste sie jedoch hart erkämpfen.

"Ich bin immer Underdog, daran muss ich als Frau doch nicht erinnert werden", sagte Patrick im Interview mit "Men's Health". Dabei hatte sie sich den Respekt ihrer männlichen Kollegen, von denen sie anfangs belächelt wurde, längst erarbeitet.

Ihre sportlichen Erfolge und die Ausnahmestellung als weibliche Fahrerin weiß Patrick perfekt zur Vermarktung zu nutzen. Sie entwirft Sportkleidung, modelt, besitzt ein Weingut und veröffentlichte zwei Biographien.

Auch Jutta Kleinschmidt, die 2001 als erste Pilotin die Rallye Paris-Dakar (heute Rallye Dakar, d.Red.) gewann, hatte anfangs mit Vorurteilen zu kämpfen. "Im Fahrerlager gab es anfangs einige Männer, die mich als Exotin belächelt haben", erinnerte sich Kleinschmidt: "Die Vorurteile muss man zunächst aus den Köpfen bekommen". Nach den ersten Erfolgen der heute 55-Jährigen änderte sich die Einstellung ihrer Gegner aber schlagartig.

"Die haben dann ziemlich schnell gemerkt, dass ich nicht zum Spaß mitfahre. Die Männer haben sehr ungern gegen mich verloren", sagte Kleinschmidt dem SID. Es ist demnach nicht nur ein weiblicher Kampf um Akzeptanz, sondern ferner auch um die Anerkennung der beruflichen Leistungen.

Ellen Lohr, die als einzige Frau ein Rennen der Deutschen Tourenwagen-Meisterschaft (DTM) gewinnen konnte, pflichtet ihrer Kollegin bei: "Das ist immer noch eine brutale Macho-Welt. Für Frauen ist es extrem schwer, da reinzukommen", sagte Lohr der "Münchner Abendzeitung".

Den Frauen die Tür zur Welt des Motorsports geöffnet hat Michele Mouton, die als Vorreiterin der Branche gilt. Sie ist die bis dato erfolgreichste Rallyefahrerin und seit 2011 Managerin der Rallye-Weltmeisterschaft (WRC). Ebenfalls erfolgreich im Management vertreten ist Claire Williams, stellvertretende Teamchefin des gleichnamigen Formel-1-Rennstalls und Tochter von Gründer Frank Williams.

Im Cockpit eines Formel-1-Boliden sind Frauen jedoch eine Seltenheit. Die Kolumbianerin Tatiana Calderon (Alfa Romeo Sauber) ist derzeit die einzige Frau mit einem Testfahrer-Vertrag. Immerhin hat die 24-Jährige große Ziele: "Ich denke, Frauen können auf höchstem Level mithalten. Das will ich beweisen."

Die erste Pilotin in der Königsklasse war 1958 die Italienerin Maria Teresa de Filippis, ihre Landsfrau Lella Lombardi fuhr beim Großen Preis von Spanien 1975 als bislang einzige Frau in die Punkteränge. Giovanna Amati war die letzte Frau, die an einem Qualifying teilnahm. In der Saison 1992 verpasste die Italienerin aber in drei Anläufen jeweils die Qualifikation für das Rennen.

(sid)