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Jahrhundertspieler des FC St. Pauli ist tot: Walter Frosch: "Spiele nur A-Mannschaft oder Weltauswahl"

Jahrhundertspieler des FC St. Pauli ist tot : Walter Frosch: "Spiele nur A-Mannschaft oder Weltauswahl"

Im Alter von 62 Jahren ist Ex-Fußballprofi Walter Frosch nach langer Krankheit gestorben. Mit seiner rauen Art wurde das Mitglied von St. Paulis Jahrhundertelf zum Kult-Kicker.

Für die Einführung der Gelbsperre war er mitverantwortlich, bei einem Benefizspiel machte ihn ein Interview mit einer Schachtel Zigaretten im Stutzen zur Youtube-Berühmtheit. Walter Frosch war nicht nur beim FC St. Pauli eine Fußball-Kultfigur. Im Alter von 62 Jahren ist der frühere Verteidiger nach jahrelangem Kampf gegen eine Krebserkrankung in Hamburg gestorben. Das berichtete zunächst die Hamburger Morgenpost, bevor der FC St. Paulis die Meldung bestätigte. Nach einem Herzstillstand vor einigen Wochen hatte Frosch zuletzt im Wachkoma gelegen.

Gerade der Kiezklub trauert um eine seiner Ikonen. Frosch erlangte dort Heldenstatus, nachdem der gebürtige Pfälzer 1976 vom 1. FC Kaiserslautern gekommen war. Die Fans der St. Paulianer wählten ihn 2010 sogar in die Jahrhundertelf des Vereins. Bis 1982 spielte Frosch am Millerntor und ließ seine Laufbahn anschließend bis 1985 bei Altona 93 ausklingen.

Frosch war der Inbegriff des eisenharten Verteidigers. Zahlreiche frühere Stürmer werden sich mit Schrecken an die Duelle mit ihm erinnern. Mit dem hageren Profi, dessen bauschiger Schnauzbart unverkennbares Markenzeichen war, war während der 90 Minuten nicht gut Kirschen essen.

Den früheren Schalker Nationalspieler Erwin Kremers hat der gelernte Schornsteinfeger zu seiner Lauterer Zeit einst bei einem Heimspiel auf dem Betzenberg gleich am Anfang "dreimal über die Bande gehauen, damit da Feierabend war", wie Frosch damals sagte. Kremers hielt es ganze 18 Minuten auf dem Platz.

Auch das, was heute unter professioneller Einstellung zu verstehen ist, war Frosch doch eher fremd. Der ausgiebige Zigarettenkonsum war für ihn ebenso charakteristisch wie diverse Sauftouren, auch mal am Abend vor einem Spiel. Da soll es im angetrunkenen Zustand im Morgengrauen sogar zu Wettrennen um Bierfässer gekommen sein. Kurz vor dem Spiel erklärte Frosch einmal seinem Trainer die roten Augen dann pfiffig mit einer "Bindehautentzündung" — und ging später wie selbstverständlich seinem Verteidiger-Tagwerk nach.

Sogar bei Bayern München wäre Frosch, der eine Einladung zur deutschen B-Nationalmannschaft mit den Worten "Entweder A-Mannschaft oder Weltauswahl" ausschlug, fast einmal gelandet. Der damalige Bayern-Manager Robert Schwan wollte den jungen Amateurkicker 1974 aus Alsenborn holen, obwohl der schon bei den Roten Teufeln einen Vertrag unterschrieben hatte. Es entbrannte ein Streit zwischen den Vereinen, Kaiserslautern bekam recht.

Die prägnanteste Zahl seiner Karriere waren aber nicht die 122 Erst- und Zweitligaspiele oder die elf Tore, die er dabei erzielte, sondern insgesamt 18 Gelbe Karten, manche sagen 19, die er in der Zweitligasaison 1976/77 sammelte. Unter anderem deshalb führte der DFB die Gelbsperre ein. Man nannte Frosch den Grätschenkönig.

Auch den Zweikampf um sein Leben hat er viele Jahre für sich entschieden. Selbst als Frosch 2008 für 111 Tage im künstlichen Koma lag, berappelte er sich wieder. "Ich freue mich über jeden Tag, den ich aufwache und noch lebe", hatte Frosch in diesem Frühjahr gesagt.

(sid)