Katar verpasst WM 2018: Chancenlos trotz Öl-Milliarden

Chancenlos trotz Öl-Milliarden : Katar verpasst WM 2018

Das Emirat Katar ist dabei, die Sportwelt zu verändern. Die Fußball-Nationalmannschaft verpasste an Donnerstag allerdings die WM in Russland.

222 Millionen Euro hat Katar jüngst in sein neuestes Marketinginstrument gesteckt. Doch während der Transfer von Superstar Neymar zum von Golf-Millionen alimentierten französischen Glamourklub Paris St. Germain die Augen der Kataris strahlen lässt, holt der Blick auf den heimischen Fußball sie auf den Boden der Tatsachen zurück. Denn nur fünf Jahre vor der umstrittenen Heim-WM hat die katarische Nationalmannschaft Geschichte geschrieben. Im negativen Sinne.

Seit dem bitteren 1:3 (1:1) am Donnerstag gegen Syrien steht fest, dass Katar bei der Weltmeisterschaft in Russland im kommenden Jahr nur zuschauen wird. Das Emirat ist 2022 somit der erste WM-Gastgeber, der sich zuvor nie sportlich für eine Endrunde qualifiziert hat. Während der Emir von Katar mit PSG also alle bisher dagewesenen Maßstäbe der Sportwelt umstößt, herrscht bei den heimischen Wüstenkickern Mittelmaß, Tristesse.

Nur zwei Siege aus neun Spielen haben die Kataris gesammelt. In der Gruppe A bedeutet das den letzten Rang, hinter Iran und Südkorea, dem vom Bürgerkrieg gebeutelten Syrien, Usbekistan und China. Die Pleite in Malaysia, wo Syrien sein Heimspiel austrug, begrub endgültig den WM-Traum.

"Natürlich ist jeder enttäuscht", hatte Nasser Al-Khater, Vizepräsident des WM-Organisationskomitees, schon vor der Begegnung angesichts der aussichtslosen Situation dem SID gesagt. Das nun besiegelte Aus lag auch daran, dass der neue Trainer Félix Sánchez aus Spanien auf seinen gesperrten Kapitän Ibrahim Majid verzichten musste.

Die Personalie Sánchez ist ein gutes Beispiel für die Probleme im katarischen Fußball. Nach dem überraschenden Rücktritt des Uruguayers Jorge Fossati ist Sánchez bereits der dritte Trainer innerhalb eines Jahres auf der Bank des WM-Gastgebers 2022. Konstanz? Fehlanzeige.

Katar ist und bleibt ein sportliches Entwicklungsland, was bei einer Größe von etwa der Hälfte Hessens und nur 2,7 Millionen Einwohnern auch nicht verwunderlich ist. Daran können auch eingekaufte Erfolge wie der zweite Platz bei der Handball-WM 2015 im eigenen Land nichts ändern. Doch es soll sich ändern.

"Ich denke, wir haben gute Möglichkeiten, für 2022 eine wettbewerbsfähige Mannschaft zu stellen", hofft Al-Khater. Und wie? Die Milliardeninvestitionen in eine überragende Infrastruktur zahlen sich für die eigenen Kicker bislang nicht aus.

Blieben noch Einbürgerungen, wie im Handball oder der Leichtathletik in Katar längst üblich. Bezeichnenderweise hatte Sánchez' Vorgänger Fossati zuletzt mit Verbandsfunktionären darüber gestritten, ob in der Nationalmannschaft verstärkt außerhalb von Katar geborene Spieler auflaufen sollen.

Doch wie man es dreht und wendet, braucht das Perspektivteam für 2022 echte Wettkampfpraxis. Zuletzt ließ Sánchez nichts unversucht, ging mit seinem Team in ein intensives Trainingslager in England mit einem Länderspiel gegen Andorra (1:0) sowie Tests gegen die englischen Zweitligisten Leeds United (2:0) und Nottingham Forest (1:2). Vergebens.

(sid)