40.000 Fans in Düsseldorf dabei: Der Weltmeister zeigt sich seinen Fans

40.000 Fans in Düsseldorf dabei : Der Weltmeister zeigt sich seinen Fans

Mit einem öffentlichen Training bedankt sich die deutsche Nationalmannschaft in Düsseldorf für die Unterstützung während des Turniers in Brasilien. Am Mittwoch (20.45 Uhr/Live-Ticker) spielt die DFB-Auswahl gegen Argentinien.

Mit einem öffentlichen Training bedankt sich die deutsche Nationalmannschaft in Düsseldorf für die Unterstützung während des Turniers in Brasilien. Am Mittwoch (20.45 Uhr/Live-Ticker) spielt die DFB-Auswahl gegen Argentinien.

Es ist 16.53 Uhr, als zum ersten Kreisch-Test an diesem Nachmittag gebeten wird. Zur Steigerung der Euphorie in der Düsseldorfer Arena wird dazu die Ankunft der Helden mit dem Bus auf der Videoleinwand eingeblendet. Die müssen sich nur noch ins "Goldene Buch" der Stadt eintragen und ein paar klitzekleine Wünsche eines Sponsors erfüllen. Das Publikum erträgt das alles mit großer Geduld. Weltmeistern wird viel verziehen. Erst recht ein paar Minuten Verspätung beim ersten öffentlichen Training der Nationalmannschaft nach dem Titelgewinn in Brasilien. Es geht den meisten natürlich nur ziemlich am Rande um die Begutachtung der sportlichen Vorbereitung auf das Testspiel morgen gegen Argentinien.

Es geht um eine riesengroße Party in Schwarz-Rot-Gold. Die beginnt exakt um 17.13 Uhr, als die Spieler und der Betreuerstab aus dem Bauch des Stadions gemütlich auf den Platz schreiten. Es ist, als käme eine Boyband auf die Bühne. Und so ist es ja auch. Nur Teddybären fliegen nicht auf den Rasen. 45.000 Fans sind gekommen, um dem "Manuuuuuu" (Neuer) zuzujubeln. Es wird gekreischt, als gebe es kein Morgen mehr, als Lukas Podolski Winkewinke ins Publikum macht.

Löw bedankt sich bei den Fans

Und Joachim Löw, der Bundestrainer, genießt als Vater der Nation ohnehin längst Heldenstatus in der Republik. "Eure Unterstützung", sagt er staatstragend, "hat uns die ganze Weltmeisterschaft begleitet und motiviert." Er hätte wohl selbst Applaus geerntet, wenn er die Erhöhung irgendwelcher Steuern verkündet hätte. Löw gibt das Mikrofon nach einem kurzen Wortbeitrag wieder weiter.

Oliver Bierhoff, der Teammanager, sagt, wie toll er es findet, dass "viele Kinder heute die Möglichkeit haben, die Nationalmannschaft mal live zu sehen". Er verschweigt in diesem feierlichen Augenblick natürlich gerne, dass die nächsten Auftritte der DFB-Auswahl wieder zu Zeiten sind, zu denen der Großteil der Anwesenden auf der Tribüne längst im Bett liegen sollte. Am Mittwoch gegen die Südamerikaner und Sonntag in der Qualifikation gegen Schottland ist der Anstoß jeweils erst um 20.45 Uhr (Live-Ticker).

Nach dem großen Jubel folgt die große Ernüchterung. Die Nationalelf nimmt das Training tatsächlich ernst. Bei so einer Übungseinheit hält sich das zu erwartende Spektakel allerdings in sehr engen Grenzen, weshalb sich nach wenigen Minuten im Publikum ein wenig Ratlosigkeit breit macht. Schließlich gilt es, sich noch 70 Minuten anzusehen, wie Mario Gomez, Kevin Großkreutz, Christoph Kramer und Co. laufen, stretchen, sich Bälle zu spielen, Slalomstangen umlaufen und ein paar Spielzüge einstudieren. Zum Glück ist einem eine beliebte Animationsform doch noch eingefallen. Und so schwappt schon bald eine kräftige Welle nach der anderen durch das Rund.

Timm Denecke ist mit seinem Vater Uwe und seinen beiden Freunden Lars und Lennard mit großen Hoffnungen aus Köln angereist. "Das ist eine einmalige Chance, denn bisher kenne ich die Spieler nur aus dem Fernsehen", sagt er. "Wir wollen möglichst viele Autogramme bekommen." In Anbetracht der Konkurrenz ein durchaus ambitioniertes Vorhaben. Immerhin hat ein Sponsor des Verbands nach der Einheit 35 000 Poster mit allen Unterschriften der Stars verteilen lassen. Fußballbetreuer Lothar Baum (65) nutzt den Tag zum praktischen Anschauungsunterricht mit 20 C-Jugendspielern vom 1. FC Monheim: "Wir wollen uns bei Jogis Training einige Sachen abgucken."

Das Gesamterlebnis dürfte indes eher im Vordergrund gestanden haben als irgendwelche tiefgreifenden fachlichen Erkenntnisse. Beim abschließenden Spielchen der Akteure in lila Leibchen gegen die Kollegen in grüner Kluft gab es ein paar weltmeisterliche Kombinationen zu bestaunen. Kein Pass, kein Schuss, kein Zweikampf ohne Kommentierung von der Tribüne. Ein junges Mädchen stellt erleichtert fest: "Ganz egal wie das Spiel ausgeht, Deutschland gewinnt." Abpfiff.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Öffentliches Training der Nationalmannschaft in Düsseldorf

(RP)