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Fortuna Düsseldorf: Ungeschlagen und sieglos — wo steht Fortuna?

Fortuna Düsseldorf : Ungeschlagen und sieglos — wo steht Fortuna?

Der neue Manager von Fortuna Düsseldorf, Helmut Schulte, und Winterzugang Michael Liendl waren zu Gast beim RP-Talk. Beide machten den anwesenden Fans des Zweitligisten keine falschen Hoffnungen.

Jeweils 1:1 beim TSV 1860 München und gegen Union Berlin, dann ein torloses Remis beim VfL Bochum, mal 45 gute Minuten, mal 45 schwächere Minuten, mal herzerwärmend, mal gruselig — wo steht die Fortuna? Das war eine der Fragen, der die 150 Leser im Konferenzraum der RP Mediengruppe mit Fortunas neuem Manager Helmut Schulte und dem Spielmacher Michael Liendl nachgehen wollten. Und wohin geht die Reise?

Die Nachbetrachtung der Begegnung in Bochum wurde recht schnell abgehakt. "Das war schwere Kost nicht nur für die Zuschauer, sondern auch für die Spieler", sagte Michael Liendl, der in der Winterpause zu den Rot-Weißen gekommen ist. "Ein schlechter Tag ist immer schwierig zu erklären."

Helmut Schulte gewährte gleich einen Einblick ins seine Sichtweise: "Ich sehe immer mehr die positiven Dinge, auch wenn ich mich manchmal dazu zwingen muss." Was die konzeptionelle Ausrichtung angeht, ist er auf einer Wellenlänge mit Trainer Lorenz-Günther Köstner. "Wenn man hinten gut steht, ergeben sich auch vorne Möglichkeiten. Hinten wollen wir Ordnung halten, vorne überraschen, und manchmal überraschen wir uns selbst." Die Bilanz von drei Punkten aus den drei Spielen im neuen Jahr beurteilt er nüchtern: "Der Abstand nach unten ist etwas größer geworden, aber auch der nach oben. Es wird für uns keine einfache Saison."

Helmut Schulte hat aber eine gesunde Distanz zum Metier Fußball. Und der manchmal knöchern wirkende Sauerländer bewies eine gehörige Portion Schlagfertigkeit und Humor. Die Frage, wie er seiner Frau den Wechsel von Wien nach Düsseldorf schmackhaft gemacht habe, antwortete er: "Das Problem habe ich deutlich früher gelöst, als sie gesagt hat, sie geht mit mir bis ans Ende der Welt."

Er erzählte aber auch von seiner Wohnungssuche, auf der er endlich fündig geworden ist. Nur der Fernseher geht noch nicht, so dass er am Sonntag Abend in eine Gaststätte ging, um das Spiel zu sehen. "Da haben mich zwei Fortuna-Freunde direkt erkannt und mich zu sich gebeten", berichtet der Manager. "Das war auch ganz nett. Ich habe ein paar Alt getrunken, die beiden aber drei- oder viermal so viel. Und sie haben mir erklärt, was sie erwarten. Wenn es danach geht, muss ich morgen um die Papiere bitten. Die Erwartungen kann ich nicht erfüllen."

Bessere Voraussetzungen als in Mainz oder Augsburg

Aber Schulte erklärte auch, wie er die Situation sieht und was er erwartet. Fortuna habe hervorragende Voraussetzungen. "Die sind besser als in Mainz, Freiburg oder Augsburg", lautete seine Einstufung. "Düsseldorf ist eine große Stadt mit einem tollen Stadion. Die Einnahmensituation ist sehr gut. Ohne Stadion, ohne Geld bekommt man auch keine guten Spieler. Heute wird kein Verein mehr Deutscher Meister ohne diese Voraussetzungen. Da kann man ein, zwei Jahre sehr gut spielen und Erfolg haben, aber dann kaufen andere die Spieler weg."

In dem Zusammenhang wies Schulte darauf hin, dass Fortuna durch die Jahre in den Niederungen des Fußballs zum Beispiel in der Nachwuchsförderung ins Hintertreffen geraten ist. "Da sind die Talente natürlich zu Bundesligisten in der Umgebung abgewandert. Diesen Vorsprung jetzt wieder aufzuholen, ist ein schwieriger Weg. Da müssen wir hart arbeiten und investieren. Vor allem aber benötigt man Geduld, wenn man auf den eigenen Nachwuchs setzen will. Aber natürlich macht der Erfolg noch mehr Spaß, wenn er mit Spielern aus den eigenen Reihen erzielt wird."

Was diese Saison und die Planungen angeht, hatte Schulte klare Vorstellungen: "Ich gehe davon aus, dass wir in der kommenden Saison in der Zweiten Liga spielen. Dafür müssen wir eine Mannschaft haben, die stabiler ist und den Herausforderungen der Liga noch besser begegnen kann. Sie muss in der Lage sein, den Gegner zu dominieren. Dazu brauchen wir Spieler, die eins gegen eins gehen können, Räume schaffen und Chancen erspielen." Er bastelt bereits daran.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Der RP-Talk mit Schulte und Liendl

(cfk)