Borussia Mönchengladbach: Sieben Schüsse gefährlicher als Bayerns 25

Analyse zum 2:1-Sieg: Sieben Gladbacher Schüsse gefährlicher als Bayerns 25

Diese Frage wird nie alt werden: Wann ist ein Sieg im Fußball verdient und wann nicht? Nach Borussias 2:1 gegen den FC Bayern gab es kaum Widersprüche, dass der Erfolg völlig in Ordnung ging.

Angesichts der reinen Zahlen mag das verblüffen: 7:25 Torschüsse und 28:72 Prozent Ballbesitz zählten die Statistiker. Doch Spiele wie dieses sind der Grund, warum alternative Modelle auf dem Vormarsch sind. Michael Caley ist einer der - meist englischsprachigen - Analysten, die sich für eine tiefgründigere Betratungsweise einsetzen. Er schrieb nach Gladbachs 2:1 bei Twitter: "Selten hat die Torschusszählung mehr darin versagt, die Geschichte eines Spiels zu erzählen."

Caley twittert in der Regel die "Expected Goals"-Statistik zu jedem Bundesligaspiel. Bei Borussia gegen Bayern war sie aus dem Spiel heraus mit 1,0:1;1 fast ausgeglichen, Thorgan Hazards Elfmeter machte daraus ein 1,8:1,1. Das "Expected Goals"-Modell misst die Qualität der Torabschlüsse in einem Spiel (hier liefert Statistik-Anbieter Opta eine Erklärung auf Englisch). So gehen durchschnittlich 76 Prozent aller Elfmeter rein, weshalb hinter Hazards Schuss eine 0,76 steckt. Eine 1,0 - also eine hundertprozentige Chance - gibt es nicht. Sie kann aus dem Fußball-Vokabular gelöscht werden, da selbst die allerbesten Möglichkeiten der Fußballgeschichte schon vergeben wurden. Frank Mill lässt grüßen. Hazard ließ beim 1:5 gegen Bayer Leverkusen eine 0,71 liegen, als es 1:0 stand - der größte Fehlschuss der Saison bislang aus Gladbacher Sicht.

Ginters 2:0 war eine 0,66 und Raffaels Großchance in der 13. Minute eine 0,33. Von solchen Möglichkeiten konnten die Bayern nur träumen. Ihre größte des Spiels: Robert Lewandowskis Pfostenschuss in der ersten Halbzeit, eine 0,09. Dass der Pole auf engem Raum einen derart sauberen Hackentrick hinbekommt, unterstreicht seine Klasse. Im Schnitt - und darauf kommt es bei den "Expected Goals" an - passiert in dieser Szene nicht so viel.

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Fahrlässig war es trotzdem, die Bayern so oft zum Abschluss kommen zu lassen. Insgesamt waren unter den 25 Schüssen aber zahlreiche ungefährliche, Arturo Vidals Direktabnahme aus 25 Metern geht gerade mal in einem von 70 bis 100 Fällen rein. Entsprechend durfte sich Yann Sommer ärgern, dass er den Ball passieren ließ.

Von weichen Faktoren wie dem vorbildlichen Gladbacher Einsatz war nun noch gar nicht die Rede. Messen lässt der sich noch nicht, allein 123,5 gelaufene Kilometer geben statistische Hinweise. Doch manchmal bedarf es keinerlei Zahlen, dann reicht das, was das Auge sieht. Und so sichert die Statistik vom Wochenende eben den allgemeinen Eindruck ab - dass Borussia sich verdient gegen den FC Bayern durchsetzte.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Hazard war gegen Bayern der gefährlichste Mann

(jaso)