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Vertrauen wir Griechenland! Ein Kommentar

Bundestag stimmt Hilfen für Athen zu : Vertrauen wir Griechenland!

Der Bundestag hat mit großer Mehrheit der Verlängerung des Hilfspakets an Griechenland zugestimmt. Gut so. Denn die Rettung Griechenlands muss aus dem Euro-System heraus erfolgen. Nur so wird die EU ihrer Bestimmung gerecht.

Es wird Zeit, dass aus der Debatte um die Finanzmisere in Griechenland die Emotionen – und mit Blick auf manche Medien – auch der Hass herausgenommen wird. Wenn sich die große Mehrheit der Europäer, Politik wie Bürger, entschlossen hat, Griechenland im Euro-Raum zu halten, dann ist die Verlängerung des Hilfspakets für Athen eine logische Konsequenz. Die Rettung Griechenlands muss dann bei allen Schwierigkeiten, die das Land unbestritten gerade beim Aufbau eines funktionierenden Staatswesens hat, im Euro-System erfolgen.

Und das bedeutet neue Hilfskredite der Partnerländer. Ein Drohpotenzial hatten Kanzlerin Merkel & Co. nach dieser Grundsatzentscheidung also gar nicht mehr. Das ist die schmerzhafte Wahrheit der vergangenen Wochen. Weil das Geld in Athen aber schon im Sommer nicht mehr reichen wird und die Schuldenlast Griechenlands auf viele Jahre (noch) nicht tragfähig sein kann, wäre auch ein ehrliches Wort der Koalition zu einem dritten Paket angebracht. Es wird kommen.

Die griechische Regierung ist legitimiert

Und zur schmerzhaften Wahrheit gehört auch: Die griechische Regierung bleibt trotz aller Rhetorikschärfe der einzige Verhandlungspartner. Sie ist gewählt und legitimiert. Es waren auch nicht Tsipras und Varoufakis, die ihre Euro-Partner angelogen und das eigene Land ausgenommen haben. Es waren sozialdemokratische und konservative Regierungschefs, die Griechenland in die Pleite regiert haben. Dies sollte man trotz des teilweise unverständlichen Taktik-Geplänkels aus Athen im Hinterkopf haben.

Jenseits aller Finanzmathematik hat die griechische Tragödie aber auch eine gute Seite. Die EU nimmt ihre historische Aufgabe als Zusammenschluss einst verfeindeter Staaten ernst und hält in der Krise offensichtlich zusammen. Gegenseitige verbale Angriffe können das nicht vertuschen. Übrigens gilt dieser grundsätzliche Schulterschluss auch in der Ukraine-Krise.

Vielleicht werden Historiker einmal zurückblicken in die Zehnerjahre des 21. Jahrhunderts und möglicherweise sagen: Damals habe die EU ihre viel zu früh zuerkannte Auszeichnung als Friedensnobelpreisträgerin erstmals in der Praxis ausgefüllt. Oder wie es Jacques Delors, der inzwischen 89-jährige Vordenker der europäischen Einigung, zu Beginn der Krise sagte: "Vertrauen Sie Europa!"

(brö)