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Nordsyrien: IS-Extremisten rücken näher an Kobane heran

Gefechte nahe der türkischen Grenze : IS-Extremisten rücken auf wenige Kilometer an Kobane heran

Die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) rückt unmittelbar an der türkischen Grenze immer näher an die kurdische Stadt Kobane (Arabisch: Ain al-Arab) im Norden Syriens heran. Nach Schilderungen von Einwohnern greifen die Islamisten aus allen Richtungen an. Nur noch wenige Kilometer liegen zwischen ihnen.

Die Extremisten griffen Kobane aus allen Richtungen an, sagte Anwar Muslim, Präsident der selbst ernannten Regionalregierung von Kobane, am Telefon. Sie beschössen die Stadt mit schwerer Artillerie.

Die Dschihadisten versuchen seit Tagen, Ain al-Arab einzunehmen. Vor mehr als einer Woche hatten sie Dutzende Dörfer im Umland unter ihre Kontrolle gebracht und eine Massenflucht Richtung Türkei ausgelöst.

Die Orte liegen an der türkischen Grenze in einer Enklave, die von den kurdischen Volksschutzeinheiten beherrscht wird. Die Terrormiliz kontrolliert im Norden und Osten Syriens bereits rund ein Drittel der Fläche des Landes. Auch im Irak beherrscht sie riesige Gebiete.

Augenzeugen berichteten, die Türkei habe ihre Militärpräsenz an der Grenze unter anderem mit Panzern verstärkt. Auf der türkischen Seite der Grenze schlug erneut mindestens eine Mörsergranate aus der umkämpften syrischen Region ein. Im Distrikt Suruc sei ein Geschoss auf freiem Feld detoniert, berichtete die Nachrichtenagentur DHA. Schon am Sonntag waren mehrere Granaten auf der türkischen Seite der Grenze eingeschlagen, eine davon in einem Wohnhaus.

Die USA und ihre arabischen Verbündeten bombten unter anderem eine große Gasanlage in der Nähe der ostsyrischen Stadt Dair as-Saur, wie die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte berichtete. Die Anlage am Rande des Ortes Chascham gelte als die größte ihrer Art in Syrien. Sie versorge mehrere Kraftwerke im Land, die zahlreiche syrische Provinzen mit Strom beliefern. Nach Darstellung der Menschenrechtler griff das Bündnis nahe Manbidsch im Norden Syriens auch Getreidemühlen und Silos an. Es gebe Informationen über Opfer.

Bereits in den vergangenen Tagen hatte das Bündnis wiederholt Ölanlagen unter IS-Kontrolle gebombt. Damit will es nach eigenen Angaben die wichtigste Einnahmequelle der Extremisten zerstören. Die Terrormiliz finanziert sich hauptsächlich mit dem Verkauf von Öl.

Obama: "Haben die Miliz unterschätzt"

US-Präsident Barack Obama räumte ein, die USA hätten die Terrormiliz unterschätzt. Zugleich sei die Fähigkeit des irakischen Militärs überschätzt worden, die Organisation zu stoppen, sagte er. In einem CBS-Interview wurde Obama gefragt, ob er eine entsprechende Einschätzung des nationalen Geheimdienstdirektors James Clapper teile. "Das trifft zu", antwortete Obama. "Das trifft absolut zu." CBS bezeichnete die Äußerung des Präsidenten als eine der offensten, die er bisher zum Aufstieg des IS gemacht habe.

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Obama führte das Erstarken der Terrormiliz unter anderem auf das syrische Bürgerkriegschaos zurück, das der Gruppe Raum zum Wachsen gegeben habe. Zudem sei es der Sunnitenmiliz gelungen, ausländische Kämpfer aus verschiedenen Ländern in Syrien zu versammeln. "Und so wurde es Ground Zero für Dschihadisten aus aller Welt."

Die US-Armee hatte Anfang vergangener Woche ihre Angriffe auf die Extremisten vom Irak auf Syrien ausgedehnt. Fünf arabische Staaten unterstützen die USA dabei. Ziel der USA ist es, den IS in beiden Ländern zu zerstören. Sie wollen dazu auch gemäßigte syrische Rebellen ausrüsten und ausbilden.

Der Anführer des syrischen Ablegers des Terrornetzwerks warnte andere syrische Regimegegner vor einer Zusammenarbeit mit den USA. Er rate allen kämpfenden Gruppen, es nicht zuzulassen, dass der Westen und die USA das vom IS begangene Unrecht auszunutzen, sagte der Chef der Al-Nusra-Front, Abu Mohammed al-Dschaulani, in einer Audiobotschaft. Die USA hatten in der vergangenen Woche auch Stellungen der radikal-islamischen Miliz angegriffen.

Hier geht es zur Infostrecke: Das sind die Verbündeten im Kampf gegen IS

(dpa)