Dozenten-Leben : Die guten Studenten

So geht das nicht, Sie müssen unbedingt viel mehr über unsere guten Studenten schreiben, Frau Wilcke." Zustimmendes Nicken ringsum. Da sind sich alle meine Kollegen bei der Lehrstuhlversammlung einig. Die vielen guten Studenten und Studentinnen kämen in meinen Kolumnen viel zu kurz.

Ja, natürlich gibt es sie, die intelligenten, interessierten, gut vorbereiteten und selbstständigen Studierenden, sie sind sogar in der Mehrzahl, sonst hätte ich schon längst den Spaß am Unterrichten verloren. Aber mal ehrlich: Wer will denn einen Text zum Thema "Das war mal eine wirklich gute Hausarbeit" oder "Studentin macht Examen mit Note ,sehr gut'" lesen? Während ich noch überlege, wie man das schreiben könnte, sind die anderen schon zum nachdienstlichen Plaudern übergegangen. Ob ich denn schon von der Studentin gehört hätte, die auf ihrer Prüfungsanmeldung Germanistik mit "g" am Schluss schrieb. Oder von dem Studenten, der mit seiner Klausur auch gleich den Pfuschzettel abgegeben hat. Oder von der Studentin, die sich beim Dekan über eine schlechte Note beschwerte mit einem Brief, der nicht weniger als 15 Fehler enthielt. Zu allem Überfluss lautete ihre Mail-Adresse "Stupid-Girl@irgendwas.com".

Mir fällt eine Hausarbeit ein, die eine nicht dazugehörige Seite enthielt. Als ich die Schreiberin ermahnte, künftig sorgfältiger zu sein, meinte sie, das sei Absicht gewesen, sie habe testen wollen, ob ich die Arbeit überhaupt lese. Gut, dass ich das gewissenhaft mache, sonst werde ich noch zum Gesprächsstoff: "Habt ihr schon von der Dozentin gehört, die nicht mal eine falsche Textseite bemerkt?" Tja, bleibt mir noch zu sagen, dass die fragliche Hausarbeit richtig gut war. Aber das interessiert Sie ja nicht.

(RP)