Mädchen werden in Tunesien festgehalten: Vater will Töchter offenbar freigeben

Prozess in Hannover: Mutter kann auf Rückkehr ihrer Töchter aus Tunesien hoffen

Gegen den Willen der Mutter hält ein Mann seine beiden Töchter in Tunesien fest. Er selbst sitzt deshalb in Deutschland im Gefängnis. Vor Gericht signalisiert er nun die Bereitschaft, die Mädchen freizugeben.

Auch nach zwei Jahren Gefängnishaft will ein 40-jähriger Mann seine zwei in Tunesien festgehaltenen kleinen Töchter zunächst nicht nach Deutschland holen. In einem neuen Prozess wegen Kindesentziehung vor dem Landgericht Hannover signalisierte der Deutsch-Tunesier am Donnerstag allerdings die Bereitschaft, eine Lösung zu finden. "Herr Richter, ich möchte auch, dass die Kinder nach Deutschland zurückkommen", sagte der Angeklagte, der vor seiner Inhaftierung im März 2016 in einem Restaurant gearbeitet hatte. Er wolle aber zunächst mit den neun und zehn Jahre alten Mädchen telefonieren. Auch müsse er seinen Eltern die Situation am Telefon erklären. Die Kinder leben bei ihren Großeltern und der Familie der Tante.

Kinder waren abgemagert

Die Mutter von Maryam und Hanna hofft, dass ihr Mann endlich einlenkt. Allerdings bleiben bei ihr große Zweifel. Er habe in der Vergangenheit sehr viel getäuscht und manipuliert, sagte die 38-Jährige. Katharina Schmidt kämpft seit Jahren für die Rückkehr ihrer Töchter aus dem Bergdorf Kasserine. Zuletzt hat sie die beiden im September gesehen. "Ihnen geht es schlecht. Sie waren abgemagert", erinnert sich die Ärztin. Das erste, was die Große zu ihr sagte, war dennoch: "Ich will weiter in Kasserine zur Schule gehen." Die Jüngere spricht gar kein Deutsch mehr.

Katharina Schmidt hat inzwischen auch in Tunesien das alleinige Sorgerecht. Dennoch weigern sich die örtlichen Behörden, die Kinder aus der Familie zu nehmen. Der Großvater drohte in der Vergangenheit einmal, er werde sich verbrennen, wenn die Kinder mitgenommen werden.

Trotz der Trennung von ihrem Ehemann hatte Katharina Schmidt die Mädchen im Sommer 2015 mit dem Vater in dessen Heimat reisen lassen. Sie sollten ein halbes Jahr lang seine Familie, Sprache und Kultur kennenlernen. Doch schon bald erkannte die Mutter, dass ihr Ex-Partner sie getäuscht hatte. Als er im März 2016 zu einem Sorgerechts-Termin aus Tunesien nach Hannover reiste, wurde er verhaftet.

Es folgten mehrere Gerichtsverhandlungen. Ende März 2017 verurteilte ihn das Landgericht Hannover zu einer zweijährigen Freiheitsstrafe. Am Donnerstag wurde ein weiteres Urteil des Amtsgerichts vom Mai 2017 wegen eines Formfehlers aufgehoben und das Berufungsverfahren eingestellt. Der 40-Jährige kommt aber nicht aus dem Gefängnis frei, weil er noch die Freiheitsstrafe eines früheren, bereits rechtskräftigen Urteils wegen Kindesentziehung absitzt. I

"Durch dieses Verfahren ist Zeit verloren worden", kritisierte der Vorsitzende Richter Volker Löhr. "Eins steht fest: Dass ein rechtswidriger Zustand weiter besteht." Weil Kindesentziehung eine Dauer-Straftat ist, wird es eine weitere Anklage geben. Der Richter appellierte an den Angeklagten, endlich der Ausreise zuzustimmen.
"Sie haben es in der Hand." Der Vater hatte laut Gericht in der Vergangenheit die Mutter vor den Mädchen als Schlampe bezeichnet und ihnen gesagt, sie möchte lieber blonde Töchter haben.

Jetzt wolle er eine Lösung finden, beteuerte der Vater auf der Anklagebank. "Ich bin seit zwei Jahren im Knast, im Gefängnis. Ich bin die ganze Zeit eingeschlossen." Er wisse, dass er die Kinder nie wiedersehen werde, wenn sie nach Deutschland zurückkehren. "Das ist meine Hoffnung: Wenn die Kinder mit 14 Jahren sagen, sie wollen mit mir leben." Im Anschluss an den Verhandlungstag wollten sich beide Parteien gemeinsam mit einem Mediator zu einem Gespräch treffen. In zehn Tagen feiert Maryam ihren 11. Geburtstag - vermutlich wieder ohne Eltern.

(wer)