1. Panorama
  2. Deutschland

Skandal um schimmelverseuchtes Tierfutter: Doppelt so viele Höfe betroffen wie bisher angenommen

Skandal um schimmelverseuchtes Tierfutter : Doppelt so viele Höfe betroffen wie bisher angenommen

Der Skandal um giftigen Schimmel im Tierfutter zieht immer weitere Kreise. Die Behörden sind auf ein weiteres Futtermittelunternehmen gestoßen, das mit verseuchtem Futter beliefert wurde. Damit ist die Zahl der betroffenen Höfe fast doppelt so hoch wie bisher angenommen - darunter auch viele Milchviehbetriebe.

Die Zahl der betroffenen Höfe dürfte von 3560 auf 6457 steigen. Mögliche Doppelnennungen auf den verschiedenen Listen würden derzeit noch überprüft. Das teilte das niedersächsische Landwirtschaftsministerium am Samstag mit. Ob auch Betriebe außerhalb Niedersachsens betroffen waren, stand zunächst nicht fest.

Auch Milch muss kontrolliert werden

Zu den Abnehmern des Futters gehören auch Milchviehbetriebe, deren Produkte nun ebenfalls kontrolliert werden sollen. In Milch kann sich das Gift Experten zufolge besonders stark anreichern. Mit den amtlichen Kontrollen hatte das Land Niedersachsen am Samstagnachmittag begonnen. Erste Ergebnisse sollen voraussichtlich erst am Sonntag vorliegen. Es gab zunächst keine Angaben darüber, wie viele Betriebe insgesamt überprüft werden sollten.

Futtermittelhersteller hätten Vertriebslisten verspätet beim Land eingereicht, erklärte das Ministerium. Sie hätten die Unterlagen bereits am Dienstag abgeben müssen - drei Unternehmen hätten das aber erst am späten Freitagnachmittag getan.

Niedersachsens Landwirtschaftsminister Christian Meyer (Grüne)
übte scharfe Kritik: "Die verzögerte Zustellung zeigt, dass die Zusage der Wirtschaft, Daten im Rahmen der Rückverfolgbarkeit innerhalb kürzester Zeit vorzulegen, nicht funktioniert", sagte er laut Mitteilung. Er hatte zuvor stärkere staatliche Kontrollen gefordert.

Proben bisher ohne auffällige Werte

Am Samstag seien 79 Proben untersucht worden, teilte das niedersächsische Landwirtschaftsministerium mit. Der Grenzwert für das als krebserregend geltende Aflatoxin sei nirgends überschritten. Von bislang 19 amtlich untersuchten Futtermittelproben waren den Angaben zufolge jedoch 8 positiv, 11 lagen unterhalb des zulässigen Grenzwertes. Zuvor hatte bereits die Landesvereinigung der Milchviehwirtschaft Niedersachsen mitgeteilt, dass sie ebenfalls keine auffälligen Werte festgestellt habe. Milchwirtschaft und Behörden prüfen parallel.

Die betroffenen Betriebe der Landwirte sind nach Angaben des Ministeriums zunächst gesperrt. Sollten sich die Proben als unbelastet herausstellen, dürfen die Landwirte die Milch wieder an die Molkereien liefern. Für den Fall, dass die Grenzwerte tatsächlich überschritten sind, müsste die Milch vernichtet werden.

Allerdings dürften viele Landwirte die zunächst gesperrte Milch tatsächlich wegschütten, weil die Lagerkapazitäten erschöpft seien, sagte die Vorsitzende des Landesverbandes Niedersachsen der Milchviehhalter Deutschlands, Johanne Böse-Hartje. "Die Bauern können die Milch ja nicht stapeln." Der Schaden sei derzeit nicht zu beziffern.

Bundeslandwirtschaftsministerin Ilse Aigner (CSU) hatte am Samstag erklärt, die Tierfutter-Kontrollen müssten verschärft werden. Die Kosten dafür sollen auf die Hersteller umgelegt werden. Die eigenen Kontrollen der Industrie hätten versagt.

(dpa/jco)