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Futtermittelskandal zieht weitere Kreise: Bund warnte schon im Oktober vor giftigem Mais

Futtermittelskandal zieht weitere Kreise : Bund warnte schon im Oktober vor giftigem Mais

Während Experten die Gefährdung der Verbraucher durch verschimmeltes Tierfutter als gering einstufen, hat das Bundesverbraucherministerium die Länder offenbar bereits im Herbst wegen möglicher Belastungen von Mais mit dem Schimmelpilzgift Aflatoxin gewarnt.

In den vergangenen Monaten sei EU- weit eine Reihe von Schnellwarnmeldungen zu erhöhten Aflatoxin- Gehalten in Mais aus verschiedenen EU-Staaten eingegangen, bestätigte ein Sprecher auf dpa-Anfrage am Freitag in Berlin. Das Ministerium habe daher im Oktober die für Futtermittelkontrollen zuständigen Länderbehörden und die Wirtschaft auf die Gefahr erhöhter Werte aus der Maisernte 2012 hingewiesen und um erhöhte Wachsamkeit gebeten.

Futtermittelbranche in der Kritik

Wegen des Skandals um schimmelpilzbelasteten Mais gerät die Futtermittelbranche in die Kritik. Grünen-Fraktionschefin Renate Künast sprach am Freitag von Versagen, dass eine Belastung mit Aflatoxinen in Kontrollen der Hersteller nicht aufgefallen sei.

"Hier wurde entweder grob geschludert oder es sollte eben nicht auffallen", sagte Künast. Agrarindustrielle Strukturen führten dazu, dass der Skandal mit 3500 betroffenen Höfen riesige Ausmaße annehme. Der Deutsche Bauernverband betonte, der Getreideimporteur müsse sich fragen lassen, wieso belastete Partien an Mischfutterwerke ausgeliefert wurden.

Die SPD-Verbraucherexpertin Elvira Drobinski-Weiß kritisierte, Bundesministerin Ilse Aigner verlange der Lebensmittelwirtschaft zu wenig ab, um einen transparenten und sicheren Markt zu schaffen.

Keine Gefahr für die Verbraucher

Das belastete Tierfutter gefährdet Verbraucher nach Einschätzung eines Experten kaum. Zunächst seien nur Milchprodukte ein Risiko, sagte Prof. Michael Kühne von der niedersächsischen Kontrollbehörde Laves am Freitag im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur in Hannover. In Fleisch und Eiern lagere sich das Gift erwiesenermaßen nicht in bedenklicher Höhe an.

Aber auch die bisher in Milch entdeckten Werte seien gering. "Die einmalige, zehnmalige oder sogar hundertfache Aufnahme eines Liters Milch mit diesen Gehalten, wie sie in der Rohmilch festgestellt wurden, ist etwas, was der menschliche Körper problemlos verarbeiten kann", sagte der Abteilungsleiter für die Untersuchungseinrichtungen im Niedersächsischen Landesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (Laves).

Der Fachmann warnte vor Panikmache - auch wenn der Vorfall sehr ernst zu nehmen sei und die Behörden noch kein abschließendes Bild hätten. "Nach meiner Einschätzung - und ich bin ja auch selber Verbraucher und habe Familie und Kinder - ist das Risiko, dass wir jetzt tatsächlich im Handel Lebensmittel finden, die Höchstgradüberschreitungen aufweisen, sehr sehr gering", betonte Kühne.

Deutsche Bauern hätten die Belastung des Futters kaum bemerken können. Dies sei am ehesten auf den Maisfeldern erkennbar. "Gerade im Fall des serbischen Maises wissen wir, dass es bekannt war, dass große Mengen der Jahresproduktion klimatischen Einflüssen ausgesetzt waren und potenziell als schimmelpilzbehaftet galten", sagte Kühne. "Bei der Gewinnung dieses Futtermittels, also beim Einsammeln auf dem Feld, ist das erkennbar. Da bilden sich auch schon die Toxine."

Mit der weiteren Verarbeitung sei die Verunreinigung aber immer schwerer zu sehen. "An den Maiskörnern ist durch reine Aufsicht auf diese Körner nicht mehr erkennbar, ob da möglicherweise Toxine drin sind", sagte Kühne. Noch schwerer sei dies bei dem Mischfutter, das letztendlich bei den Bauern gelandet sei.

Beim größten deutsche Molkereiunternehmen, dem DMK Deutschen Milchkontor, sind bislang keine schimmelpilzbelasteten Produkte aufgefallen. Das Unternehmen teilte am Freitag in Bremen mit, dass die Rohmilch routinemäßig auch auf das Schimmelpilzgift Aflatoxin hin untersucht werde. "Bis zum heutigen Tage sind bei diesen Proben keine erhöhten Werte festgestellt worden, die den gesetzlich festgelegten Grenzwert überschritten hätten", hieß es. Vorsorglich habe DMK kurzfristig die Untersuchung von angelieferter Rohmilch und Milchprodukten bei unabhängigen Laboren in Auftrag gegeben. DMK wird von 11.000 Milcherzeugern beliefert. An 23 Standorten stellt das Unternehmen Produkte wie Milch, Quark, Käse, Babynahrung oder Eiscreme her.

(dpa/felt/sap)