1. Panorama
  2. Deutschland

Berlin: Auto fährt in Menschengruppe - sieben Verletzte

Unfall in Berlin weckt böse Erinnerungen : Geländewagen rast in Menschenmenge - sieben Verletzte

Ein Auto fährt in eine Menschengruppe - mitten in Berlin. Sieben Menschen werden verletzt. Die Polizei ermittelt wegen Verdachts auf Totschlag, hat aber keine Hinweise auf einen Anschlag.

Die Wucht des Aufpralls hat den gelben Briefkasten zum Teil aus der Verankerung gerissen, Pflastersteine wölben sich nach oben. Kabel von Behelfsampeln hängen lose herunter, Scherben und Metallteile liegen herum. Flatterband sichert die Unfallstelle auf dem belebten Platz am Bahnhof Zoo in Berlin. Polizisten suchen nach Spuren, wo am frühen Sonntagmorgen ein Geländewagen in eine Menge gefahren ist.

Drei Menschen wurden dabei schwer verletzt, vier leicht. Der 24 Jahre alte Fahrer wurde noch vor Ort festgenommen, Hinweise auf einen Anschlag hat die Polizei nicht.

Ein Mensch sei unter dem Fahrzeug eingeklemmt worden, heißt es von der Feuerwehr. Nach der Bergung und Reanimation wird er - wie die anderen Verletzten auch - ins Krankenhaus gebracht. 16 Augenzeugen des Unfalls im Berliner Stadtteil Charlottenburg werden psychosozial betreut. In dem Bereich rund um den Hardenbergplatz am Bahnhof Zoo sind auch an einem Sonntagmorgen viele Menschen unterwegs - Nachtschwärmer, die Hunger auf eine Currywurst verspüren, oder Passanten, die an diesem Knotenpunkt Bus oder Bahn nutzen wollen.

Nach dem Unfall, bei dem der 24-Jährige gegen 7.20 Uhr von der Fahrbahn abgekommen und in die Menschengruppe gefahren war, verursachen Rettungsarbeiten und später die Spurensicherung der Polizei stundenlange Behinderungen. Wer den Bahnhof Zoo verlassen will, kommt nur über die Ausgänge der U-Bahn weiter. Polizeiexperten in gelben Westen sichern hinter dem mit Flatterband gesicherten Unfallbereich Spuren. Ermittler befragen Zeugen und untersuchen den Geländewagen.

Der junge Fahrer habe ersten Erkenntnissen zufolge am Sonntagmorgen beim Abbiegen die Kontrolle über das schwere Auto verloren, weil er zu schnell unterwegs war, sagt eine Polizeisprecherin. „Wir haben bislang keinen Hinweis auf ein Anschlagsgeschehen.“ Es gebe auch keine Anhaltspunkte für eine politische oder religiöse Motivation, heißt es von der Polizei am Einsatzort unweit des Berliner Breitscheidplatzes.

Schlimme Erinnerungen. Am Breitscheidplatz gibt es eine Gedenkstätte für den islamistischen Terroranschlag vom 19. Dezember 2016. Der Attentäter Anis Amri hatte damals einen Lastwagen entführt, mit dem er über den Berliner Weihnachtsmarkt an der Gedächtniskirche fuhr. Er tötete zwölf Menschen und verletzte viele weitere.

Der Unfallfahrer vom Hardenbergplatz sei noch vor Ort festgenommen worden, berichtet ein Polizeisprecher am Sonntagvormittag. Gegen den 24-Jährigen werde wegen Verdachts auf versuchten Totschlag und gefährlichen Eingriffs in den Straßenverkehr ermittelt. „Aufgrund der gefahrenen Geschwindigkeit gehen wir bisher davon aus, dass der Fahrer billigend in Kauf nahm, dass Menschen verletzt oder sogar getötet werden.“ Hinweise auf ein illegales Autorennen mitten in der Stadt gebe es aber nicht.

Am nahe gelegenen Ku'damm liefern sich Fahrer schneller Autos öfter derartige Kräftemessen. Am 1. Februar 2016 kam es bei einem solchen Wettrennen zu einem Zusammenstoß mit dem Wagen eines unbeteiligten 69-Jährigen. Der Fahrer starb - der Bundesgerichtshof hat im Juni gegen einen der Unfallfahrer die lebenslange Freiheitsstrafe wegen Mordes bestätigt.

Der Unfall am Bahnhof Zoo weckt in Berlin aber auch Erinnerungen an den 6. September 2019. Damals geriet ein schwerer Wagen in der Invalidenstraße auf die Gegenfahrbahn und kam von der Fahrbahn ab. Er rammte eine Ampel, überfuhr Menschen auf dem Gehweg und durchbrach einen Bauzaun. Unter den vier Todesopfern war auch ein dreijähriger Junge. Gegen den damals 42 Jahre alten Fahrer wurde wegen fahrlässiger Tötung ermittelt. Ermittler gingen zuletzt davon aus, dass der Fahrer wegen eines Krampfanfalls ungebremst in die Fußgängergruppe raste.

(lukra/dpa)