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Prozess Stephan B.: Video von Halle-Attentäter gezeigt - 2. Prozesstag

Zweiter Prozesstag : Video von Halle-Attentat gezeigt – Nebenkläger verlassen Saal

Die Hauptverhandlung gegen den Synagogen-Attentäter von Halle ist fortgesetzt worden. Dabei wurde das Video gezeigt, das Stephan B. während der Tat live ins Internet übertragen hatte. Danach hält ihn ein Gutachter für voll schuldfähig.

Im Prozess um den rechtsextremen Attentäter von Halle hält ein Gutachter den Angeklagten nach Darstellung seiner Verteidigung für voll schuldfähig. „Das ist jedenfalls die vorläufige Auffassung des Sachverständigen“, sagte Verteidiger Hans-Dieter Weber am Mittwoch in Magdeburg. Unklar blieb am zweiten Prozesstag zunächst, auf welches Gutachten genau er sich dabei bezog.

Der Verteidiger von Stephan B. sehe seine Hauptaufgabe darin, für den Ablauf eines rechtsstaatlichen Verfahrens zu sorgen, da die Tat im Wesentlichen auf einem Video festgehalten sei. Zu den Aussagen seines Mandanten sagte er, es sei die freie Entscheidung des Angeklagten, was er mache. „Es ist nicht meine Aufgabe, ihn in irgendeiner Form zu maßregeln.“ In dem „ein oder anderen Punkt“ sei er mit Blick auf die Vorwürfe anderer Auffassung als die Staatsanwaltschaft. Genauer wurde er nicht. Natürlich habe sich sein Mandant beraten lassen. „Das heißt jetzt nicht, dass er unseren Ratschlägen unbedingt folgt.“

Während der Sichtung des Tatvideos am zweiten Prozesstag zum Halle-Anschlag folgte Stephan B. dem Video konzentriert, anfangs mit einem breiten Grinsen im Gesicht. Die Anwälte der Nebenklage machten einen psychologischen Gutachter im Saal darauf aufmerksam. Mehrere Nebenkläger haben den Gerichtssaal verlassen. Einige weitere schauten am Mittwoch weg, als das gut halbstündige Video gezeigt wurde. Manche bedeckten ihre Augen und hielten die Hände ihrer Anwälte oder Begleiter. Mehrere Seelsorger kümmerten sich um die Verletzten und Hinterbliebenen des Anschlags.

Im Anschluss an die Sichtung unterbrach Richterin Ursula Mertens die Sitzung für 45 Minuten. Danach sollten die weiteren vier Richter des Staatsschutzsenats am Oberlandesgericht Naumburg, die beiden Pflichtverteidiger, vor allem aber die 21 Anwälte der 43 Nebenkläger Gelegenheit bekommen, den Angeklagten zu befragen.

Am ersten Verhandlungstag (Dienstag) hatte Mertens den Angeklagten gut vier Stunden zu seinem Leben, der Tat und seinen Motiven befragt. Dabei hatte der 28-jährige Sachsen-Anhalter den Anschlag vom 9. Oktober in Halle und die 13 ihm vorgeworfenen Straftaten eingeräumt und ein zutiefst menschenfeindliches, von rassistischen Verschwörungstheorien geprägtes Weltbild offenbart. Für den Terrorprozess sind zunächst 18 Verhandlungstage bis Mitte Oktober angesetzt. Das Gericht hat 147 Zeugen benannt, die Anklageschrift umfasst 121 Seiten.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Eindrücke vom Prozessauftakt gegen den Halle-Attentäter

(juw/dpa/epd)