Stadt Willich: Willicherin schreibt Geschichte

Stadt Willich: Willicherin schreibt Geschichte

Ilona Volk ist in Schifferstadt zur ersten grünen Bürgermeisterin von Rheinland-Pfalz gewählt worden. Früher hieß sie Stankozi und feierte auf dem Willicher Schützenfest. Letzteres tut sie noch heute – wenn es die Zeit erlaubt.

Vor 20 Jahren wollte Ilona Stankozi aus Willich Familien-Geschichte schreiben. Drum heiratete sie, nahm den Namen Volk an, zog nach Schifferstadt (Rheinland-Pfalz) und bekam zwei Kinder. In Schifferstadt schrieb sie nun auch Politik-Geschichte. Ilona Volk trat an, um Bürgermeisterin zu werden, die erste grüne Bürgermeisterin in der Geschichte von Rheinland-Pfalz. Sie schaffte es. In der Stichwahl erhielt sie 63,4 Prozent der Stimmen und distanzierte deutlich CDU-Bewerber Bruno Dell (36,6). Den Triumph möchte die 48-Jährige so bald wie möglich auch in Willich feiern. "Am liebsten auf dem Schützenfest", sagt sie.

Ob sie das in diesem Jahr schafft, weiß Volk aber noch nicht. Schließlich hat sie knapp 300 Kilometer von Willich entfernt als angehende Bürgermeisterin nun mächtig viel zu tun. "Ich muss schauen, ob in Schifferstadt an diesen Tagen Veranstaltungen sind", sagt sie. Denn ihre Heimatliebe beißt sich ein wenig mit ihrem politischen Credo Nummer eins – Bürgernähe. "Ich möchte weiterhin auf die Menschen zugehen und viel mit ihnen reden, und nun habe ich noch mehr Verantwortung", sagt Volk, die bislang vor allem als Bäckereiverkäuferin arbeitet und zudem Kinder einer Ganztagsschule betreut.

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Und trotzdem: Wenn es sich irgendwie einrichten lässt, wird sie schon bald in Willich sein. Dort lebt noch immer ein Großteil ihrer Familie. "Viele meiner Geschwister wohnen noch da – und auch meine Klassenkameradinnen", erzählt Volk, die auf die Maria-Rosenkranz-Schule ging. Auch die Region weiß sie nach wie vor zu schätzen. "Ich habe damals auch ganz bewusst etwas gesucht, das Willich ähnlich ist", sagt sie. Es wurde Schifferstadt – eine "Kleinstadt mit Herz", wie Ilona Volk über ihre neue Heimat sagt. "Hier gibt es sehr gute Schulen, viele tolle Einrichtungen und ein reges Vereinsleben", berichtet Volk über die 20 000-Einwohner-Stadt.

All die Dinge, die Volk wichtig sind. "Dafür bringe mich ein – und das mit viel Freude", erzählt die Willicherin. Dies kam bei den Wählern an. "Ein Sieg der Sympathie", beschrieb eine Zeitung Volks Erfolg in der ansonsten eher politisch schwarz geprägten Stadt. "Das war eine reine Personenwahl. Ilona Volk kommt gut bei den Leuten an und steht zu dem, was sie sagt", sagt Noch-Bürgermeister Klaus Sattel (FWG), dessen Amt Volk am 20. November antreten wird. "Bis dahin gibt es noch viel zutun – die Zeit möchte ich nutzen", sagt Volk. Nur vom 8. bis 12. Juli hofft sie auf eine kleine Ausnahme. Denn da ist Willicher Schützenfest.

(RP)
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