Stadt Willich: Größter Sportverein wird 125 Jahre alt

Stadt Willich : Größter Sportverein wird 125 Jahre alt

Der Willicher Turnverein entstand 1892 aus einer spontanen Idee heraus. Inzwischen hat er fast 1200 Mitglieder.

Es ist der Dreikönigstag 1892. Im Willicher Hotel "Zur Post", dort wo jetzt am Marktplatz die Bäckerei Pesch ist, feiern Reiter mit ihren Frauen ein Fest. Dabei wird eine kleine Sportschau präsentiert. Ein Reck ist aufgebaut, an dem die Akrobaten des "Crefelder Turnvereins" unter der Leitung von Hugo Hauss ihre Kunststücke zeigen. Als dann zu später Stunde Jakob Coenen eine flammende Rede auf das Turnen hält, beschließen spontan zehn junge Männer: "Wir gründen in Willich einen Turnverein." Das ist 125 Jahre her. Und das Jubiläum des größten Sportvereins der Stadt Willich soll an diesem Wochenende groß gefeiert werden.

Erst einmal sind die Männer unter sich. Im Garten von Johannes Hauss werden unter anderem der Weithochsprung und das Steinstoßen geübt. Vorturner Hugo Hauss hat dazu einige Stangen, Steine und Messgeräte mitgebracht. Bis auf Heinrich Aretz, Louis und Richard Hover sind alle Gründungsmitglieder da: Leo und Josef Schmitz, Carl und Leo Hauss, Carl Cloeren, Heinrich Hausmann und W. Leven. Zum ersten Vereinslokal wird die Gaststätte von Ulrich Hauss.

Einige Sportler, so Leo Schmitz, nehmen bereits im September 1892 an einem Gaufest auf dem Hülser Berg teil. Für das Training in den Wintermonaten stellt ihnen Gastwirt Peter Möhlen den Saal zur Verfügung. Im Januar 1893 wird Johannes Hauss zum Vorsitzenden und Wilhelm Ackers zu seinem Stellvertreter. Die ersten Turnwarte sind Hugo Hauss und Leo Schmitz.

Das neue Jahrhundert beginnt der WTV mit 53 Aktiven. Feiern können die Turner auch. Protokollchef Jakob Müller notierte damals, dass die "Biervertilgung" zum festen Bestandteil des Vereinslebens gehörte, wie das Singen von patriotischen Liedern. Wegen des Ersten Weltkrieges stagniert das Vereinsleben. Ab 1920 geht es wieder aufwärts. Franz Teschen heißt wenige Jahre später der Vorsitzende. Im Mai 1923 kommt ein Handballteam dazu; im Februar 1924 eine Damen-Abteilung. Einen Monat später richtet der WTV das Bezirkssportfest auf dem Becker-Sportplatz aus. 1925 gründet sich eine Fecht-Abteilung. Zum Vereinslokal wird die Gaststätte Krücken.

Nach dem Zweiten Weltkrieg übernimmt 1947 Heinrich Giebels den Vorsitz; für das Turnen wird nach Josef Loetsch Heinz Sandrock zuständig. Die Zahl der Mitglieder steigt auf 121. Zu zahlreichen Erfolgen kommt Helmut Brungs, der Jahre später sogar das Goldene Turnerkreuz bekommt. Dann eine erste Krise. Sogar über eine Vereinigung mit Rasensport wird nachgedacht. Aufwärts geht es dann wieder, als 1950 Dr. Alfred Vogel den Vorsitz übernimmt. Die Gemeinde Willich gibt einen Zuschuss von tausend Mark, durch den Sprungtisch, Reck, Ringe und Kletterseile angeschafft werden.

1956 dann ein großer Fortschritt: die Turnhalle an der Schiefbahner Straße wird eingeweiht. So kommt es zum Aufbau der Kinder- und Jugendabteilung. Während die Kinder-Abteilung boomt, gehen die Zahlen bei den Erwachsenen zurück. "Wir sind einer Fress- und Fernsehwelle verfallen", wird der damalige 2. Vorsitzende, Peter in het Panhuis, 1962 zitiert. Es wird wieder etwas besser. 1964 gründet Gisela Pempelfort die Hausfrauen-Abteilung. Vieles zu verdanken hat der WTV Josef Loetsch, der jahrzehntelang Turnwart und Trainer ist.

Der WTV wächst in den Folgejahren rapide. Unter der Leitung von Oberturnwart Josef Pempelfort turnen ab 1965 Kleinkinder mit ihren Müttern. Um die Mädchen kümmert sich Gisela Kuhlen, für die Jungen sind Willi Kaules und Josef Kirchmair verantwortlich. Dann 1970 die Gründung der Stadt Willich. Zu einem Spitzenathleten wird Martin Esch. Neue Abteilungen werden gegründet. So gibt es 1972 sogar eine Ballett-Abteilung. Josef Lamers beginnt 1974 mit dem Wiederaufbau der Handball-Abteilung. Die Sporthalle der Schiefbahner Realschule kommt als Trainingsstätte dazu. 1978 wird beim WTV auch Basketball gespielt, einer der Impulsgeber war Wolfgang Neumann.

Durch die neue Jakob-Frantzen-Halle werden die Trainingsbedingungen immer besser. Heute hat der WTV mit seinen fünf Abteilungen fast 1200 Mitglieder. Vorsitzender ist seit 2010 Dr. Matthias Hänisch. Derzeit boomt vor allem die Basketball-Abteilung.

(wsc)
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