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Wesel: Radstation führt Schattendasein

Wesel : Radstation führt Schattendasein

Vor sechs Monaten ging die gut 250 000 Euro teure Radstation "Gleis 31" an den Start. 190 Stellplätze und Bio-Snack-Station: Interesse ist gering. Gut läuft's in der Rad-Werkstatt. Jetzt wird verstärkt geworben.

Bei der Eröffnung der nagelneuen Radstation "Gleis 31" vor einem halben Jahr, hatte Dr. Jo Becker, der Geschäftsführer des Stationsbetreibers Spix (Sozialpsychiatrischen Initiative Xanten), die Hoffnung geäußert, dass sich das Service-Angebot mit Werkstatt, Radverleih und Bio-Snack-Station in Wesel schnell herumsprechen werde. Ein Trugschluss, wie sich herausgestellt hat. Denn die für 250 000 Euro (70 Prozent Fördermittel) in einer ehemaligen Bahnwerkstatt eingerichtete Radstation führt 150 Meter vom Bahnhofsgebäude entfernt ein Schattendasein.

Viel zu tun mit Reparaturarbeiten

Von den insgesamt 190 Stellplätzen (monatliche Gebühr: zwischen sieben und zehn Euro) sind gerade mal 18 besetzt, einige von Nachbarn, die im Keller keinen Platz haben. Gleichzeitig knubbeln sich die Räder am Busbahnhof. Und auch die Bio-Snack-Station (Öffnungszeiten: 8 bis 16 Uhr) wird nicht sonderlich gut angenommen. Anders als die ebenfalls von Spix betriebene Brötchen-Theke im Hochhaus Dinslakener Landstraße 5, in der täglich 80 bis 100 Kunden gezählt werden.

"Aber unsere Werkstatt hat richtig gut zu tun", sagt Ralf Hahn. Tatsächlich haben die zwölf psychisch Kranken, die von zwei Gruppenbetreuern fit gemacht werden sollen für den ersten Arbeitsmarkt, ordentlich mit Reparaturen zu tun. Auftraggeber sind Bürger und die Deutsche Post. Außerdem werden hier gespendete Alträder auf Vordermann gebracht und anschließend verkauft. Und jetzt, wo der Frühling Einzug hält, verleiht Spix auch wieder die froschgrünen Niederrheinräder für neun Euro pro Tag. Von den Einnahmen profitieren in erster Linie die psychisch kranken Mitarbeiter, die 70 Prozent des Geldes als zusätzlichen Lohn erhalten.

Trotzdem: Das hochgelobte und mit Steuergeldern finanzierte Projekt hat die hohen Erwartungen von Politik und Verwaltung bislang nicht erfüllt. Von einem "Meilenstein für Wesel", wie Bürgermeisterin Ulrike Westkamp die Radstation bei der Eröffnung Mitte September bezeichnet hatte, kann bislang jedenfalls nicht gesprochen werden.

Tag der offenen Tür am 9. April

Dies ist auch der Spix-Geschäftsleitung klar, die nun verstärkt die Werbetrommel rühren will und für Samstag, 9. April, 10 bis 16 Uhr, zu einem Tag der offenen Tür einlädt. Bei dem sollen eine Fahrradcodier-Aktion der Polizei und ein Fahrrad-Frühlingscheck für Resonanz sorgen.

Kontakt Telefon 0281 47362670

(RP)