Schermbeck: Die Frau der 100 Krippen

Schermbeck: Die Frau der 100 Krippen

Seit einem Vierteljahrhundert sammelt Anke Isselhorst Krippendarstellungen in ganz unterschiedlichen Formen. In Schermbeck ist so ein kleines Krippenmuseum entstanden.

Wenn Anke und Herbert Isselhorst zur Weihnachtszeit der im Kirchenlied enthaltenen Aufforderung, das liebliche Kindlein in der Krippe anzuschauen, folgen wollen, dann brauchen sie den fünf Kilometer weiten Weg zur Krippe in der Gahlener Dorfkirche erst gar nicht anzutreten. In ihrem Haus am Brackenberg haben sie unter mehr als 100 Krippen die freie Auswahl, eine bildhafte Darstellung der Weihnachtsgeschichte zu betrachten.

Seit einem Vierteljahrhundert sammelt Anke Isselhorst Krippendarstellungen in ganz unterschiedlichen Formen. Da alle in der Vorweihnachtszeit in der Wohnung einen angemessenen Platz finden sollen, entpuppt sich das Haus Isselhorst allmählich als ein Krippen-Museum, wie es in der weiten Region wohl kaum ein zweites Mal anzutreffen sein dürfte. Die Krippe auf dem Kaminsims ist eine solche Rarität, dass sie schon zweimal im Heimathaus in Lippramsdorf ausgestellt wurde. Sie besteht aus einzelnen Figuren, die in den 1950er-Jahren von den Margarinefirmen Rama, Juwel und Fri Homa beim Kauf ihrer Produkte verschenkt wurden.

Die Krippe im Schrank auf dem Flur ähnelt noch am ehesten den klassischen Krippen mit geschnitzten Holzfiguren. Beim Rundgang durch die Wohnung wird deutlich, dass die Darstellung der Geburt des Erlösers ganz unterschiedlich künstlerisch umgesetzt werden kann. Krippen aus Papier und Glas findet man in der Sammlung Isselhorst ebenso wie Krippen aus Holz, Wachs, Marmor, Porzellan, Filz, Zinn und Kunststoff. Die österreichische Post hat mit Krippenmotiven eine ganze Briefmarkenserie gestaltet.

Ein halbes Dutzend Notgeldscheine aus den frühen 1920er-Jahren zeigen auf ihrer Rückseite die komplette Weihnachtsgeschichte von der Verkündigung bis hin zur Flucht der Familie.

Eine Spieluhr lässt beim Drehen eines Krippenbildes das Lied "Stille Nacht" erklingen. Aus Prag hat Anke Isselhorst eine kleine Krippe aus getrockneten Maisblättern mitgebracht. Ein holländisches Buch entfaltet sich beim Aufschlagen als eine bunte 3-D-Krippe. Eine Blockgrippe aus Marmor, die Heilige Familie aus belgischer Klöppelspitze, eine Krippe in einer Streichholzschachtel, in der Form einer Pyramide oder eingebaut in ein Gänse- oder Wachtel-Ei: Die Heilige Familie hat Menschen zu allen Zeiten animiert, die Erinnerung an die Menschwerdung des Gottessohnes bildhaft darzustellen. Das Krippenmotiv findet man im Hause Isselhorst auf einer Christbaumkugel oder auf einer Backform ebenso wie in eingewebter Form auf einer Damast-Serviette, auf der Fensterbank in einem Triptychon aus dem bayerischen Raum. Sogar hölzerne Wäscheklammern wurden zu einer Krippe umgearbeitet. Die kleinste Krippe ist etwa acht Millimeter groß und lässt nur mit einer Lupe die in ihr aufgestellte Heilige Familie erkennen. Bis Mitte Januar bleiben die Krippen in der Wohnung.

Dann wird alles wieder in Kisten verpackt und auf zwei Paletten mit dem Traktor zur Scheune gebracht, bis sich alles - in etwas vergrößerter Form - im kommenden Jahr wiederholt, getreu dem Motto "Alle Jahre wieder". Vielleicht befindet sich eines Tages auf der Palette auch eine "Krippe für draußen", von der Anke Isselhorst schon jetzt träumt.

(RP)