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WDR2-Tag in Remscheid: Tatort-Star macht Musik, Kult-Reportagen und ein Plädoyer für die Butter

WDR2-Tag in Remscheid : Tatort-Star macht Musik, Kult-Reportagen und ein Plädoyer für die Butter

Auch in geschlossenen Räumen hatte der Radiotag sein Publikum: Bundesliga-Konferenz und Kartoffelsuppe von Koch Helmut Gote. Dass ein Talkgast wie Jan-Josef Liefers weit vor dem angekündigten Beginn die 600 Plätze des Teo Otto Theaters füllt, war den Veranstaltern sicher klar, und so mussten Besucher vor der Tür bleiben.

Wer einen Platz ergattert hatte, durfte sich auf muntere zwei Stunden mit dem Schauspieler und Musiker freuen. Liefers, der in seiner Rolle als Gerichtsmediziner Professor Börne längst Kultstatus genießt, stellt gleich zu Anfang klar: "Wir sind pünktlich zum Tatort fertig". Diese Ankündigung war wohl nötig, denn schnell wurde nicht nur Radio-Moderatorin Gisela Steinhauer klar, mit dem Mann kann man stundenlang plaudern. Über seine Jugendzeit in der DDR etwa, den schwierigen Weg des Schauspielerkinds im Arbeiter- und Bauernstaat. Über den Jungen, der Müllmann, Karusselldreher oder "Gitarrengott" werden wollte, dann aber seinen Weg zum Staatstheater fand, wenn zunächst auch nur als Tischlergeselle.

Dass er sich keineswegs nur auf die populäre Börne-Rolle reduzieren lässt, bewies Liefers in vielfältiger Weise, nicht zuletzt auch musikalisch. Mit Unterstützung seiner Band "Radio Doria" sang Liefers die neue Single "Verlorene Kinder". Eingeschworenen Fans des Münsteraner Tatorts versprach er: "Derzeit ist kein Ende in Sicht".Das gilt wohl auch für die Bundesliga- Konferenz des WDR, deren unterhaltsame Geschichte die Moderatoren Sven Pistor und Holger Dahl — die angekündigte Sabine Töpperwien fehlte wegen einer Sportverletzung - in der Albert Einstein-Gesamtschule Revue passieren ließen.

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Unterstützt wurden sie von Reporter-Legende Heribert Faßbender und Comedien René Steinberg, der als geradezu historisch geltende Radioreportagen rezitierte. Müssen Reporter neutral sein? Wie viel Übertreibung darf sein? Wie diagnostiziert der Reporter eine Oberschenkelverletzung aus 120 Metern Entfernung? Pistor berichtet, er habe bei jeder Reportage drei Kollegen"im Ohr". Einhellige Meinung: Männer können Multitasking — doch eben nur beim Fußball.

Auch beim Kochen? Helmut Gote kann zumindest zwei Dinge zugleich: Eine feine Kartoffelsuppe zubereiten und dabei eineinhalb Stunden reden. Dass er es auf so höchst unterhaltsame Weise tat, goutierten die Besucher in der vollen Aula des Ernst-Moritz-Arndt- Gymnasiums immer wieder mit schallendem Gelächter und Applaus. Die Kartoffelsuppe des Radio-Kochs durften sie am Ende auch probieren. Zuvor hatte sich Gote in einem flammenden Pädoyer zur Butter bekannt. Die hatte er allerdings zu Hause vergessen und ein halbes Pfund in einem Remscheider Reformhaus unweit der Schule nachgekauft. Doch von Reformhauskost ist Gote weit entfernt, er mag es einfach und eben gerne auch mit reichlich Butterfett. Doch muss die Qualität der Zutaten stimmen, insistiert der Koch und mahnt: "Bloß keine gekörnten Brühwürfel!" Die verdecken den Eigengeschmack.Statt dessen lieber frisches Gemüse fein püriert. Dem italienischen Staudensellerie gibt Gote den Vorzug vor dem deutschen Knollensellerie, und statt gewöhnlichem Kochsalz sollte es lieber Meeressalz sein. Für seine Kochinszenierung genügen ihm übrigens ein zweiplattiger Tischelektroherd, ein einfache Küchenmaschine und ein Wassererhitzer.