Neuss: Urban Gardening startet in die Saison

Neuss: Urban Gardening startet in die Saison

Gemüse, Obst, Blumen und Stauden - es wird wieder im öffentlichen Raum gegärtnert. Am Samstagvormittag wurde gepflanzt.

Nur die Harten kommen in den Garten - dieser Satz galt am Samstagvormittag nicht ganz, denn es hatten sich zahlreiche Naturfreunde zum Start in die zweite Saison des "Urban Gardening" eingefunden. Dieses Gärtnern im öffentlichen Raum, wie die Übersetzung am besten lautet, wird von der Initiative "Transition Town Neuss - nachhaltig leben" organisiert und finanziert.

Die Gruppe, zu der rund 30 Leute zählen, setzte am Samstag vorgezogene Pflänzchen auf dem Gelände der ehemaligen Stadtgärtnerei im Botanischen Garten in Behälter und Erde ein.

Die kühle Witterung hielt niemanden vom begeisterten Einsatz ab. "Vor ein paar Wochen haben wir Komposterde mit alter Erde gemischt und die Pflanzkübel damit gefüllt", erklärt Birgit Leusch, eine der Koordinatorinnen. "Bei einem Treffen im Februar wurde Saatgut an alle Interessierten verteilt, die es dann zu Hause vorzogen.

Diese Pflänzchen dürfen jetzt wachsen", sagt sie. Hinter den Pflänzchen verbergen sich mehr als 40 verschiedene Sorten Gemüse, Obst sowie "normale" Blumen und Stauden.

Während in den auf Paletten ruhenden Pflanzkübeln im Folientunnel Tomaten, Fenchel, Paprika, Auberginen, Salat und Frühkartoffeln heranwachsen werden, dienen zwei lange Freilandbeete dem Wuchs von Radieschen, diversen Kohlsorten und Salat. Ein großes Staudenbeet wartet auf Erdbeeren und Blumen, daneben sollen noch eine Kräuterspirale und ein Hochbeet entstehen.

"Wir treffen uns ab jetzt jeden Samstag um 10 Uhr, um alles zu pflegen und natürlich regelmäßig zu gießen. Jeder interessierte Bürger kann gerne vorbei kommen - es ist ein offenes Projekt. Was reif ist, darf auch von jedem geerntet werden", betont Veronika Neumann, die ebenfalls zu den Koordinatorinnen zählt.

Im vergangenen Jahr gab es eine reichliche Ausbeute, die für manches gemeinsame Mahl sorgte. Ralf Resch ist von Anfang an dabei. "Obwohl ich einen eigenen Garten habe, schätze ich hier die größere Vielfalt, das Gemeinschaftserlebnis und die Möglichkeit, von anderen zu lernen", sagt er mit Blick auf die Kübel, die er soeben bepflanzt hat. Nebeneffekt: Er komme und gehe mit guter Laune und freue sich über die mit eigenen Händen erwirtschaftete Ernte. Marion Recknagel steckt sorgfältig Schilder mit der Aufschrift "Gelbe Tomaten" in die Kübel. "Auf meinem Balkon ziehe ich nur Kräuter. Hier ist viel mehr Platz - außerdem schätze auch ich die Gemeinschaft", erzählt sie.

Das ist auch die Meinung von Anna-Luise Wokusch, die zum ersten Mal dabei ist: "Das Arbeit hier ist eine schöne gemeinsame Tätigkeit an der frischen Luft - eine soziale Aktion. Man werkelt nicht alleine im Garten", findet sie. Roland Walter zieht vor allem das Staudenbeet an. "Ich habe einen Garten, der zu klein für einen Gemüseanbau ist. Hier möchte ich Stangenbohnen ziehen", erklärt er. Parallel zum Weg hat er einen breiten Streifen Erde ausgehoben. "Der Platz ist für Sonnenblumen. Ich finde es toll, dass die Stadt eine Fläche für das öffentliche Gärtnern zur Verfügung stellt", sagt Walter. Diese Arbeit ist für ihn der perfekte Ausgleich zu seinem Beruf als Mediengestalter, da sie Ursprüngliches berühre. "Das ist ein tolles Projekt und ich bin froh, dabei zu sein", fügt er hinzu.

(NGZ)
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