Moers: Schule droht Abmahn-Ärger

Moers : Schule droht Abmahn-Ärger

Eine Anwaltskanzlei wirft der Grundschule St. Marien eine Verletzung des Urheberrechts vor. Es geht um ein Foto auf den Internetseiten der Schule.

Das Internet birgt viele Fallen. In eine davon ist die Grundschule St. Marien Meerbeck getappt: Auf ihren Internetseiten stand ein Bild, das urheberrechtlich geschützt war. Die Schule erfuhr dies vor zehn Tagen durch den Brief einer Münchner Anwaltskanzlei, die offenbar einen Schadensersatz geltend machen will. Nach einer Prüfung der Sachlage hat die Stadt jetzt, wie gestern berichtet, vorsorglich alle Internetseiten der Schulen in städtischer Trägerschaft vom Netz genommen. Die Schulen wurden gebeten, die Inhalte auf mögliche Verletzungen von Urheberrechten zu prüfen. "Sobald wie möglich sollen die Seiten wieder online sein", sagte gestern Klaus Janczyk, Pressesprecher der Stadt.

Bei der Kanzlei aus der bayrischen Landeshauptstadt handelt es sich nach Informationen unserer Redaktion um Waldorf Frommer. Sie hat sich auf die systematische Verfolgung von Urheberrechtsverletzungen spezialisiert; das Team zählt mehr als 50 Köpfe. Zu ihren Mandanten zählen Verlage, Unternehmen der Musik- und Filmindustrie (zum Beispiel Warner Bros.) oder auch Bildagenturen wie Getty Images. Waldorf Frommer arbeitet mit Firmen zusammen, die Programme entwickelt haben, mit denen zum Beispiel Bilder im Internet aufgestöbert werden können. Die Kanzlei ist berühmt-berüchtigt wegen ihrer Abmahnungen.

Das Foto auf den Seiten der St.-Marien-Schule war bereits fünf Jahre alt. "Es stand in unserem Internet-Archiv", sagte gestern Schulleiterin Martina Salewski. Das Foto zeigte einen Baum im Wandel der Jahreszeiten, es stand im Zusammenhang mit einem Comenius-Projekt, das mit EU-Mitteln gefördert wurde und in Kooperation mit Schulen aus neun Ländern stattfand.

Für das Projekt "Let me grow" wurden die betreuenden Lehrerinnen 2011 mit einem Preis bedacht. Wie das fragliche Foto auf die Internetseiten der Schule kam, ist für Martina Salewski, die erst im Januar 2015 die Schulleitung angetreten hat, aber auch für ihre Kolleginnen, kaum mehr nachzuvollziehen. Nach ihren Recherchen ist Salewski aber ziemlich sicher, dass es von einer der am Projekt beteiligten Schulen gemailt wurde. "Bei uns wurde das Thema Urheberrecht schon damals sehr wichtig genommen."

Dass das Foto geschützt ist, steht außer Frage. "Es stammt von einer Bildagentur", sagte Klaus Janczyk. Es sei noch nicht ganz sicher, wer für eventuelle Schadenersatzansprüche haften muss. Nach Angaben der Bezirksregierung sei dies die Stadt als Schulträger. Auch um welche Summen es gehen könnte, ist noch offen. Vorsorglich sei eine externe Anwaltskanzlei eingeschaltet worden. Auch Schulleiterin Salewski hat einen Anwalt hinzugezogen. "Uns wurden Fristen gesetzt, uns zu erklären", sagte sie.

Dr. Karen Rinsche, Düsseldorfer RP-Justiziarin und Expertin für Urheberrecht, rät zur Vorsicht beim Umgang mit Inhalten aus dem Internet. "Prinzipiell sind sämtliche Inhalte urheberrechtlich geschützt, es sei denn, sie werden zur weiteren Verwendung freigegeben", sagte die Rechtsanwältin. Ausnahmen, wie die Übernahme von Inhalten für die aktuelle Berichterstattung oder für wissenschaftliche Zwecke, seien selten. Auch die Nennung einer Quelle reiche nicht aus. "Grundsätzlich muss der Urheber zustimmen."

(RP)
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