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Mönchengladbach: Was ein Verleger über den Tod denkt

Mönchengladbach : Was ein Verleger über den Tod denkt

Der in Gladbach lebende italienische Theologe Tullio Aurelio (69) hat im Patmos-Verlag ein Buch veröffentlicht.

22 Jahre hat Tullio Aurelio den Patmos-Verlag als Geschäftsführer geleitet. Einen Buchverlag, der ursprünglich einen ausgeprägt religiösen Tenor im Programm vertrat. Dazu passte, dass der katholische Theologe aus Kalabrien, der mit einer Arbeit über das Neue Testament promoviert wurde, sich mit christlichen Vorstellungen gut auskennt. Aber eben nicht nur mit christlichen. Davon kündet das mittlerweile dritte Buch des ehemaligen Lektors, der heute den Karl-Rauch-Verlag in Düsseldorf leitet. Es trägt den (mehrdeutigen) Titel "Wir sterben und wissen nicht wohin" und erklärt im Untertitel die Zielrichtung: "Bilder vom Jenseits". Erschienen ist das Buch im Patmos-Verlag, der Preis: 19,99 Euro. Seit 1978 lebt Tullio Aurelio in Mönchengladbach.

Zwei Jahre habe er daran geschrieben, berichtet Dr. Aurelio. Der 69-Jährige ist nach wie vor beruflich aktiv, so plant er für seinen Verlag, der die Rechte an Saint-Exupérys Buch "Der kleine Prinz" hält, eine Fassung für Kinder. Also blieb ihm nur abends und an den Wochenenden Zeit fürs Schreiben. Und zwar für ein großes, existenzielles Thema: Tod. Aurelio: "Es ist um diese Sphäre ähnlich bestellt wie um das Thema ,Gott', wir können sein Wesen mit unserer Vernunft, unseren Sinnen nicht erfassen." Das Bemerkenswerte an dem Buch: Es ist nicht aus der Warte christlich-jüdischer Überlieferung geschrieben, sondern von einem Standpunkt aus, der sich unvoreingenommen den so unterschiedlichen Bildern vom Jenseits nähert, die sich durch die verschiedenen Religionen, Kulte und Philosophie-Ansätze ziehen.

So beginnt das Buch mit dem fiktionalen Dialog einer Gestalt aus dem Tibetanischen Totenbuch, die ihre Reise ins Jenseits antritt, und der christlichen Märtyrerin Agnes. Der Autor will, das bestätigt Aurelio, zeigen, dass die Vorstellungen, die Bilder, die Menschen aller Kulturkreise sich im Lauf der Jahrtausende seit den altägyptischen Dynastien machten, nur allzumenschlich begrenzte Versuche sind, hinter die Pforten der Wahrnehmung zu schauen. Seine Schlussfolgerung: "Die Bilder sind fesselnd, aber bleiben Vorstellungen, deren Wahrheitsgehalt niemand überprüfen kann." Und hier setzt des Autors generelle Religionskritik an. Wer sich dazu versteige zu sagen: "Gott will das und das" und diese angebliche Wahrheit anderen aufzuzwingen versuche, der pflanze bereits den Keim für einen Krieg. "Negativ sind solche Gottesbilder, die anderen Menschen und einem selbst Schaden zufügen", ist der Autor überzeugt. Den drei monotheistischen Weltreligionen Judentum, Christentum und Islam bescheinigt Aurelio: "Sie sind unfähig, miteinander zu reden; dabei könnten sie sehr viel voneinander lernen." Zum Beispiel, dass die Idee eines auferstandenen Christus schon in ägyptischen Mythen vom Sonnengott Re und vom Sohn des Osiris und der Isis, Horus, angelegt sei. Darauf deuteten auch die vielen Obelisken in Rom hin.

Am Montag, 22. Juni, 18.30 Uhr, wird Tullio Aurelio im Haus der Regionen, Bettrather Straße 22, aus seinem neuen Buch "Wir sterben und wissen nicht wohin" lesen.

(RP)